Lohnwende, Ostdeutschland

Lohnwende in Ostdeutschland: Frauen verdienen erstmals mehr als Männer

Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 09:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Erstmals erzielen Frauen in Sachsen und Sachsen-Anhalt höhere Medianeinkommen als Männer. Trotz regionaler Erfolge bleibt das Lohnniveau im Osten unter dem Bundesdurchschnitt.

Sachsen und Sachsen-Anhalt: Frauen verdienen erstmals mehr als Männer
Modernes Büro-Arbeitsumfeld mit Finanzgrafiken auf einem Tablet auf einem Schreibtisch. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Sachsen und Sachsen-Anhalt schreiben Lohn-Geschichte. In beiden Bundesländern haben Frauen 2025 erstmals höhere Medianeinkommen erzielt als Männer.

In Sachsen lag das Medianentgelt der Frauen bei 3.603,75 Euro, das der Männer bei 3.580,77 Euro. Grund ist eine überdurchschnittliche Lohnsteigerung: Zwischen 2021 und 2025 stiegen die Gehälter der Frauen um 27,1 Prozent, die der Männer um 24,9 Prozent.

Noch deutlicher fällt der Unterschied in Sachsen-Anhalt aus. Dort verdienten Frauen im Schnitt 3.661 Euro, Männer hingegen nur 3.520 Euro. In Thüringen näherten sich die Gehälter mit rund 3.508 Euro für beide Geschlechter nahezu an.

Trotz dieser regionalen Erfolge: Das Lohnniveau in Ostdeutschland bleibt unter dem bundesweiten Median von 4.217 Euro.

Wo das Geld am meisten wert ist

Nominalgehalt und echte Kaufkraft klaffen oft weit auseinander. Das zeigt eine Studie des IW Köln aus dem Jahr 2023.

Spitzenreiter bei der preisbereinigten Kaufkraft ist Heilbronn mit 39.424 Euro pro Kopf. Starnberg hat mit 44.500 Euro zwar das höchste Nominalgehalt, fällt aber wegen hoher Lebenshaltungskosten auf Platz zwei zurück (39.224 Euro). Schlusslicht ist Offenbach mit gerade einmal 21.430 Euro.

Die Branchenunterschiede bleiben extrem. Human- und Zahnmediziner in Thüringen und Sachsen-Anhalt kassieren Medianeinkommen von über 7.700 bis knapp 8.000 Euro. Friseure und Kosmetiker müssen dagegen oft mit knapp über 2.000 Euro auskommen.

Die Rollenverteilung bleibt veraltet

Trotz aller Lohnfortschritte: In deutschen Paarhaushalten ist das traditionelle Modell noch immer die Regel. 2021 waren nur in 9,9 Prozent der Haushalte Frauen die Hauptverdienerinnen – ein Rückgang gegenüber 10,5 Prozent im Vorjahr. In 55,8 Prozent der Fälle verdiente der Mann mehr.

Anzeige

Die aktuellen Gehaltsentwicklungen und komplexen Branchenunterschiede machen eine präzise Lohnabrechnung für Unternehmen immer anspruchsvoller. Dieser kostenlose Überblick liefert Ihnen die aktuellen Beitragsbemessungsgrenzen und hilft Ihnen, Sozialabgaben rechtssicher zu kalkulieren. Aktuelle Beitragsbemessungsgrenzen kostenlos herunterladen

Besonders krass wird es bei Paaren mit Kindern: Hier sind Frauen nur in 7,7 Prozent der Fälle die Hauptverdienerin, der Mann in 64,6 Prozent.

Die Folgen zeigen sich bei der Rente. Der Gender Pension Gap liegt in Deutschland bei 39,4 Prozent – einer der höchsten Werte in der EU. Laut Europäischem Gewerkschaftsbund verlieren Frauen dadurch jährlich durchschnittlich rund 6.049 Euro.

Arbeitsmarkt kühlt ab – KI-Kenntnisse werden zum Plus

Der Arbeitsmarkt zeigt erste Risse. Der FRAX-Index stieg im ersten Quartal 2026 auf 108,2 Punkte, die Arbeitslosenzahl wuchs auf 2,98 Millionen. Besonders alarmierend: Die Langzeitarbeitslosigkeit liegt bei 35,9 Prozent.

Gleichzeitig sinkt die Motivation. Eine aktuelle Umfrage zeigt: 39 Prozent der Befragten glauben, dass sich Leistung finanziell nicht mehr lohnt. 25 Prozent geben fehlende finanzielle Belohnung als Grund für nachlassende Leistungsbereitschaft an.

Anzeige

Während die Reallöhne unter Druck geraten, suchen Arbeitgeber nach Wegen, ihre Teams ohne zusätzliche Lohnnebenkosten zu entlasten. Ein gratis Ratgeber enthüllt nun, welche Gehaltsextras wie Tankgutscheine oder Jobtickets steuer- und sozialversicherungsfrei möglich sind. Ratgeber für steuerfreie Gehaltsextras jetzt sichern

Wer sich weiterbildet, hat dagegen gute Karten. Der Personaldienstleister Robert Half belegt für 2026: 59 Prozent der Unternehmen zahlen für nachgewiesene KI-Kompetenzen höhere Gehälter.

Steuerreform reicht nicht

Ein Blick in die Zukunft offenbart zusätzliche Risiken. Berechnungen von Frank Hechtner (FAU) zeigen: Trotz geplanter Steuerreformen könnten die Nettoeinkommen ab 2028 sinken.

Grund sind steigende Sozialabgaben und die kalte Progression. Ein Paar mit zwei Kindern und einem Bruttoeinkommen von jeweils 7.000 Euro pro Monat müsste demnach mit einer jährlichen Mehrbelastung von 1.045 Euro rechnen.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wirtschaft | 69891258 |