Lohntransparenz: Deutschland verpasst EU-Frist – Strafverfahren droht
07.06.2026 - 20:40:41 | boerse-global.de
Der 7. Juni 2026 war der Stichtag – Deutschland hat ihn schlicht ignoriert. Die EU-Kommission prüft nun die Einleitung eines Strafverfahrens. Eine nationale Umsetzung ist frühestens für Anfang 2027 geplant.
Warum die Verzögerung?
Hauptgrund: Die Sorge vor zusätzlicher Bürokratie für Unternehmen. Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) will die Richtlinie möglichst bürokratiearm gestalten. In ihrer jetzigen Form sei sie zu aufwendig, so die Ministerin. Sie strebt Nachverhandlungen mit den EU-Partnern an.
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Prien bezeichnet die Einkommensgleichheit zwar als wichtiges Ziel. Gleichzeitig warnt sie vor dem hohen Verwaltungsaufwand. Das sorgt für Zündstoff in der Koalition. Die SPD wirft den Unionsgeführten Ressorts Blockadehaltung vor.
Deutschland ist kein Einzelfall. Auch Österreich und viele andere EU-Staaten haben die Frist gerissen. Bislang haben nur die Slowakei, Italien und Litauen die Richtlinie pünktlich umgesetzt.
Was die neuen Regeln vorsehen
Die EU-Richtlinie stammt aus dem Jahr 2023. Ihr Ziel: die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern endlich zu schließen. Die wichtigsten Punkte:
- Beschäftigte haben künftig ein Recht zu erfahren, was Kollegen in vergleichbaren Positionen verdienen – aufgeschlüsselt nach Geschlecht.
- Unternehmen ab 100 Mitarbeitern müssen regelmäßig über ihr geschlechtsspezifisches Lohngefälle berichten.
- Arbeitgeber dürfen Bewerber nicht mehr nach ihrem bisherigen Gehalt fragen.
In Deutschland sollen die Berichtspflichten für Unternehmen erst im Juni 2028 vollständig greifen. Ein langer Atem also.
Die Lohnlücke bleibt ein Problem
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Laut Eurostat lag der Gender Pay Gap in Deutschland 2024 bei 15,6 Prozent. Der EU-weite Durchschnitt: 11,1 Prozent. Deutschland liegt also deutlich zurück.
Das bestehende Entgelttransparenzgesetz aus dem Jahr 2017 hat kaum Wirkung gezeigt. Ein Regierungsgutachten von 2023 belegt: Die Instrumente werden von Beschäftigten kaum genutzt. Die neue EU-Richtlinie soll genau das ändern und Unternehmen stärker in die Pflicht nehmen.
Branchenanalysten sehen die wirtschaftliche Lage und den Fachkräftemangel als zusätzliche Treiber der Debatte. Lohngerechtigkeit ist längst kein Nischenthema mehr.
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