Lohnlücke Ost-West: Vollzeitbeschäftigte im Osten verdienen 12.415 Euro weniger
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 17:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wirft der Regierungskoalition vor, sich unzureichend für die Angleichung der Lohnniveaus zwischen Ost- und Westdeutschland einzusetzen. Die Kritik des Gewerkschaftsdachverbands erfolgt im Vorfeld des Tages der Deutschen Einheit und stützt sich auf aktuelle Erhebungen zur wirtschaftlichen Situation der Beschäftigten in den ostdeutschen Bundesländern.
Deutlicher Verdienstabstand bei Vollzeitbeschäftigten
Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts für den DGB verdienten Vollzeitbeschäftigte in Ostdeutschland im Vorjahr im Schnitt 19,6 Prozent weniger als im Westen. Diese Differenz entspricht einem durchschnittlichen Betrag von 12.415 Euro im Jahr. Auch beim mittleren verfügbaren Nettoeinkommen der Haushalte lag der Osten im Jahr 2025 weiterhin hinter dem Westen, wenngleich sich dieser Abstand seit 2022 leicht verringert hat.
DGB-Landesleiterin Katrin Skirlo stellte fest, dass die Einheit auf dem Lohnzettel noch nicht vollzogen sei. Obwohl die Lücke langsam kleiner werde, bestehe weiterhin deutlicher Handlungsbedarf. Skirlo verlangte, die Vergabe von öffentlichen Fördermitteln strikt an tarifzahlende Unternehmen zu koppeln sowie Regelungen zur Tariftreue bei öffentlichen Aufträgen durchzusetzen.
Gewerkschaft fordert Stärkung der Tarifbindung
Als wesentlichen Hebel für höhere Einkommen sieht der Gewerkschaftsbund bestehende Tarifverträge. Nach Angaben des DGB bringen Tarifverträge den Beschäftigten in Ostdeutschland im Mittel ein Plus von 13.295 Euro pro Jahr im Vergleich zu Arbeitsverhältnissen ohne tarifliche Bindung.
Vollzeitbeschäftigte in Ostdeutschland verdienten zuletzt im Schnitt 19,6 Prozent weniger als im Westen — das entspricht 12.415 Euro pro Jahr. Tarifgebundene Betriebe zahlen im Osten im Mittel 13.295 Euro mehr. Unser kostenloser Leitfaden zeigt HR-Verantwortlichen, wie sie Tarifbindung und Lohnstrukturen im eigenen Betrieb systematisch prüfen. Kostenlosen HR-Leitfaden anfordern
Die Tarifbindung im Osten stieg von 2024 auf 2025 um 3 Prozentpunkte auf 45 Prozent. Im Westen lag der Vergleichswert bei 50 Prozent. Auf regionaler Ebene verzeichneten das Statistische Bundesamt und der DGB in Sachsen-Anhalt eine Tarifbindung von 43 Prozent der Beschäftigten, während der Wert in Westdeutschland ebenfalls 50 Prozent betrug.
DGB-Forderungen an die Bundespolitik
Vor diesem Hintergrund formulierte DGB-Vize Stefan Körzell konkrete Anforderungen an die Bundespolitik. Er fordert Maßnahmen für mehr Tarifbindung und sprach sich dafür aus, staatliche Fördergelder künftig ausschließlich an Unternehmen auszuzahlen, die nach Tarif entlohnen. Zudem müssten Tariftreueregelungen verbindlich für Bundesbeteiligungen gelten.
Die Tarifbindung im Osten liegt bei 45 Prozent, im Westen bei 50 Prozent — und die Diskussion um Tariftreue bei öffentlichen Aufträgen und Fördergeldern nimmt zu. Wer heute Fördermittel bezieht, sollte die Vergabekriterien kennen, bevor sie sich ändern. Unsere Checkliste führt durch die Prüfung der Tariftreue-Anforderungen. Checkliste Tariftreue jetzt sichern
Körzell sprach sich darüber hinaus für die Einführung eines digitalen Zugangsrechts für Gewerkschaften in den Betrieben sowie für Erleichterungen bei der Allgemeinverbindlicherklärung von Tarifverträgen aus. Damit soll der Druck auf Arbeitgeber erhöht werden, Tarifverträge abzuschließen und die Einkommensbedingungen in den östlichen Bundesländern weiter an das westliche Niveau heranzuführen.
