Lohnbericht 2025: Stuttgarter verdienen 1.500 Euro mehr als Ortenau
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 03:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Stuttgart führt beim Medianentgelt, der Ortenaukreis bildet das Schlusslicht. Die Unterschiede sind enorm.
Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlichte am 9. August die Zahlen für 2025. Demnach liegt das mittlere Bruttomonatsentgelt in Baden-Württemberg bei 4.546 Euro – ein Plus von 4,4 Prozent zum Vorjahr. Bundesweit sind es 4.217 Euro.
Doch das Wachstum im Südwesten fällt schwach aus. Sachsen-Anhalt, Berlin und Brandenburg legten um über 6,2 Prozent zu. Baden-Württemberg bleibt mit 4,36 Prozent deutlich dahinter.
Stuttgart und Böblingen vorn, Ortenaukreis abgeschlagen
Spitzenreiter ist Stuttgart mit 5.551 Euro. Knapp dahinter folgt der Landkreis Böblingen mit 5.451 Euro. Auch Karlsruhe (4.958 Euro), der Bodenseekreis (4.905 Euro) und Mannheim (4.876 Euro) zählen zur Spitzengruppe.
Der Ortenaukreis bildet mit 4.029 Euro das Schlusslicht. Zwischen den einkommensstärksten und -schwächsten Kreisen klafft eine Lücke von über 1.500 Euro.
Autobranche unter Druck: 40.000 Jobs könnten wegfallen
Die hohen Gehälter täuschen über die Sorgen der Schlüsselindustrie hinweg. Rund 200.000 Menschen arbeiten in Baden-Württemberg in der Automobilbranche und bei Zulieferern. Bosch und ZF haben bereits Stellenstreichungen angekündigt. Schätzungen zufolge könnten bis 2030 rund 40.000 Arbeitsplätze entfallen.
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Der Maschinenbauer Engmatec aus Radolfzell stellt Ende Oktober 2026 die Produktion ein. Bereits im April hatte das Unternehmen einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung gestellt.
Die Green-Tech-Branche wächst derweil: Ihre Bruttowertschöpfung stieg von 11 Milliarden Euro (2010) auf 27 Milliarden Euro (2025). Mit etwa 200.000 Beschäftigten erreicht sie die personelle Größe der Autobranche.
Wohneigentum in Stuttgart frisst 38 Prozent des Einkommens
Hohe Gehälter bedeuten nicht automatisch Wohlstand. Laut einer Studie von Interhyp und dem Institut der deutschen Wirtschaft aus dem Sommer 2026 müssen Stuttgarter Haushalte rund 38 Prozent ihres Einkommens für die Finanzierung von Wohneigentum aufwenden.
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Auch bei der Altersvorsorge zeigen sich Diskrepanzen. 54 Prozent der Frauen in Baden-Württemberg erhalten nach 45 Versicherungsjahren eine Rente unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle von 1.446 Euro. Bei Männern sind es 16 Prozent – der Bundesdurchschnitt liegt hier bei 23 Prozent.
Die Teuerung hinterlässt ebenfalls Spuren: Rund 2,2 Millionen Menschen im Land – etwa 20 Prozent der Bevölkerung – konnten sich 2025 keine einwöchige Urlaubsreise leisten. Bei Alleinerziehenden liegt die Quote bei 37 Prozent.
In touristischen Regionen wie dem Bodensee treiben die Preise zudem die Gastronomie. Zwischen 2021 und 2024 stiegen die Preise in der gehobenen Küche doppelt so stark wie die allgemeinen Lebenshaltungskosten. Gastronomen führen das auf die hohe Kaufkraft von Gästen aus der Schweiz zurück.
