Logistik-Krise: Frachtraten auf 2,36 Euro/ km, Stimmung auf Tiefstand
01.06.2026 - 18:48:44 | boerse-global.deGeopolitische Konflikte und steigende Betriebskosten setzen den Unternehmen massiv zu. Das zeigt das aktuelle Timocom Transport Barometer, das heute veröffentlicht wurde.
Demnach bewerten 52,4 Prozent der 270 befragten Fachleute die aktuelle Marktlage als schlecht oder sehr schlecht. Das ist ein Negativrekord: Gegenüber Jahresbeginn stieg der Anteil der Pessimisten um 10,4 Prozentpunkte. Im Januar und Februar 2025 lag er noch bei 42 Prozent.
Angesichts steigender Kosten und regulatorischer Hürden ist Effizienz in der Logistik wichtiger denn je. Dieser kostenlose Ratgeber unterstützt Sie dabei, Ihre Ladungssicherung rechtssicher zu gestalten und Haftungsrisiken effektiv zu minimieren. Checklisten und Praxtistipps für Logistiker jetzt kostenlos herunterladen
Frachtraten auf dem Spotmarkt erreichen neue Höchststände
Während die Stimmung fällt, steigen die Preise. Im Mai 2026 zahlten Kunden auf dem Spotmarkt durchschnittlich 2,19 Euro pro Kilometer – ein Anstieg von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Den Höchstwert gab es in der 20. Kalenderwoche mit 2,36 Euro pro Kilometer.
Die Ursachen sind vielfältig. Der eskalierende Konflikt im Nahen Osten und die anhaltenden Einschränkungen in der Straße von Hormus haben traditionelle Handelsrouten gestört. Hinzu kommen der chronische Fahrermangel sowie die finanziellen Belastungen durch gestiegene Dieselpreise und Mautgebühren.
Produktionseinbruch und steigende Insolvenzgefahr
Der schwächelnde Transportmarkt hängt eng mit der Industrieflaute zusammen. In Bayern verzeichnete die Metall- und Elektroindustrie im ersten Quartal 2026 einen Produktionsrückgang von 4 Prozent. Besonders betroffen: die Auto- und Maschinenbaubranche mit einem Minus von 8 Prozent. Weniger Produktion bedeutet weniger Transportbedarf.
Die finanzielle Schieflage vieler Unternehmen wird immer deutlicher. Die Creditreform "Ausfallstudie 2026" zeigt: Die Transport- und Logistikbranche weist mit 3,58 Prozent eine überdurchschnittliche Ausfallrate auf. Zum Vergleich: Die prognostizierte Gesamtausfallrate für alle Unternehmen liegt bei 2,08 Prozent.
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland wird 2026 voraussichtlich auf rund 22.000 Fälle steigen – ein Plus von 15 Prozent. Das Statistische Bundesamt verzeichnete bereits im ersten Quartal einen Anstieg der regulären Insolvenzen um 18,3 Prozent.
Geopolitische Faktoren belasten Produktion und Kosten
Der anhaltende Krieg mit dem Iran wird als Haupttreiber für den stärksten Kostenanstieg in vier Jahren genannt. Der S&P Global PMI für die Eurozone-Industrie fiel im Mai 2026 auf 51,6 Punkte – nach 52,2 im April. Zwar liegt der Index noch knapp über der Wachstumsschwelle, doch die Einkaufspreise steigen so stark wie zuletzt im Mai 2022.
In der Schweiz hat sich die Lage für kleine und mittlere Industrieunternehmen noch dramatischer verschärft. Der Raiffeisen KMU PMI fiel im Mai auf 48,4 Punkte und damit erstmals in diesem Jahr unter die Wachstumsschwelle. Nur 15 Prozent der exportierenden KMU rechnen mit einer Erholung in der zweiten Jahreshälfte. Die sogenannten "Pull-Forward"-Effekte nach Ausbruch der Feindseligkeiten Ende Februar verpuffen zunehmend.
Geopolitische Spannungen erschweren nicht nur die Routenplanung, sondern verschärfen auch die Exportkontrollen für kritische Güter. Erfahren Sie in diesem Experten-Leitfaden, wie Sie die Dual-Use-Verordnung sicher anwenden und Bußgelder zuverlässig vermeiden. Gratis-E-Book zur rechtssicheren Güterprüfung sichern
Kontrollen und Infrastrukturprobleme
Trotz der wirtschaftlichen Notlage bleiben die Kontrollen streng. Das Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM) überprüfte im April 2026 bei bundesweiten Kontrollen 1.693 Fahrzeuge an 95 Standorten. Ergebnis: 80 Kabotageverstöße und 63 Fälle, in denen Fahrer ihre Wochenruhezeit illegal im Fahrzeug verbrachten. Die kassierten Sicherheitsleistungen summierten sich auf über 162.000 Euro.
Auch bei Schiene und Seehäfen gibt es Probleme. Der ungarische Schienengüterverkehr brach 2025 um 11 Prozent ein, während die Betriebskosten für Energie und Personal um fast 12 Prozent stiegen. In Norddeutschland schlug der Port of Lübeck 2025 zwar 23,2 Millionen Tonnen Güter um. Doch die Hafenbetreiber kritisieren die anhaltenden Verspätungen im nationalen Schienennetz, die geplante Frachtverbindungen nach Italien beeinträchtigen.
Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!
Für. Immer. Kostenlos.
