LNG-Boom: Anteil steigt bis 2029 auf absolute Mehrheit
04.06.2026 - 09:10:51 | boerse-global.deDas geht aus einer aktuellen Prognose des Marktforschungsinstituts ICIS hervor.
Demnach soll der Anteil von LNG am Gasmix der Region von 44 Prozent im Jahr 2025 auf 52 Prozent im Jahr 2029 steigen. Analyst Andreas Schröder untersuchte dafür zwölf Länder, darunter Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien. Ein Zwischenhoch von 47 Prozent wird bereits 2027 erwartet, bevor zwei Jahre später die absolute Mehrheit erreicht ist.
Treiber des LNG-Booms
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Hauptgrund für den Anstieg ist der massive Ausbau des globalen LNG-Angebots, insbesondere aus Nordamerika. Die zusätzlichen Mengen sollen Lieferausfälle aus Qatar ausgleichen und gleichzeitig die Preise in Europa stabil halten. Die Erholung der Lieferketten werde die europäischen Gaspreise und die asiatischen LNG-Benchmarks langfristig senken, so die Marktforscher.
Die Nachfrage nach LNG wachse in allen berechneten Szenarien – die Versorgung zieht nun nach.
Deutsche Energieversorger rüsten auf
Die großen Energieversorger sichern sich bereits jetzt die nötigen Transportkapazitäten. Der bundeseigene Konzern Sefe hat sechs LNG-Tanker gechartert und meldet für 2025 rund 180 Lieferungen. Die Verträge erstrecken sich über die USA, Westafrika, Südamerika, den Nahen Osten und Ostasien.
Uniper hat vier Schiffe unter Vertrag und erwartet 167 LNG-Ladungen im laufenden Jahr. Das liegt zwar noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau von 360 Lieferungen pro Jahr vor 2022, zeigt aber die strategische Neuausrichtung. RWE meldete für den Zeitraum 2025 die Lieferung von neun Millionen Tonnen LNG – umgerechnet 144 Schiffsladungen.
Logistik unter Druck: EU-Embargo gegen Russland
Ein besonderer Knackpunkt: Sefe bezieht derzeit noch LNG über einen bestehenden Vertrag aus dem russischen Yamal-Projekt. Doch ein EU-weites Importverbot für diese Lieferungen tritt am 1. Januar 2027 in Kraft. Die Unternehmen müssen also bis dahin umsteuern.
Füllstände und geopolitische Risiken
Die deutschen Gasspeicher waren am 2. Juni 2026 zu 21,7 Prozent gefüllt – das entspricht rund 71,6 Terawattstunden. Die technische Gesamtkapazität liegt bei knapp 330 Terawattstunden. Zwar gibt es tägliche Netto-Einspeisungen, doch die Frühwarnstufe für die Gasversorgung ist seit Juli 2025 unverändert aktiv. Die wichtigsten Pipelinelieferungen kommen derzeit aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien.
Droht Gefahr aus dem Nahen Osten? Das Analysehaus Wood Mackenzie warnt: Ein Konflikt, der zur Schließung der Straße von Hormus führt, könnte jährlich mehr als 80 Millionen Tonnen LNG vom Weltmarkt nehmen – rund 20 Prozent des globalen Angebots. Zwar ließe sich ein Teil der Kapazitäten bis 2027 oder 2028 ersetzen, doch längere Unterbrechungen sind nicht ausgeschlossen.
Langfristige Verträge und Klimaziele
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Um die Versorgung dauerhaft zu sichern, gehen europäische Unternehmen langfristige Verpflichtungen ein. Sefe hat eine Absichtserklärung mit der kanadischen Firma Ksi Lisims LNG unterzeichnet: Ab den frühen 2030er Jahren sollen jährlich eine Million Tonnen LNG geliefert werden – bei einer Vertragslaufzeit von bis zu 20 Jahren.
Das Projekt steht in der Kritik. Umweltschützer und einige deutsche Politiker argumentieren, dass langfristige fossile Verpflichtungen mit dem nationalen Klimaneutralitätsziel für 2045 kollidieren.
Ein weiteres Großprojekt: Ein Konsortium aus SOCAR, TotalEnergies, ADNOC und BOTA? hat einen langfristigen Gasliefervertrag für das Offshore-Feld Absheron im Kaspischen Meer gesichert. Die Exporte sollen 2029 beginnen und den Südlichen Gaskorridor als zweite Versorgungsroute für Europa stärken. Investitionsentscheidungen für die nächste Ausbauphase werden noch im Laufe dieses Jahres erwartet.
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