Lindt & Sprüngli senkt Umsatzprognose wegen hoher Schokoladenpreise
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 10:42 Uhr | dpa, AD HOC NEWSHohe Preise und ein heißer Sommer bremsen den Schokoladenabsatz: Lindt & Sprüngli senkt deshalb seine Umsatzprognose für das laufende Jahr.
Wachstum fällt geringer aus
Der Schweizer Konzern rechnet nun mit höchstens zwei Prozent Umsatzwachstum statt der bislang erwarteten vier bis sechs Prozent. Das teilte das Unternehmen in Kilchberg bei Zürich mit.
Als Grund nennt Lindt eine hohe Preissensibilität der Verbraucher. Das Auftragsvolumen sei vor allem in Deutschland, der Schweiz und Österreich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Zudem habe die extreme Hitze in diesem Sommer den Umsatz der gesamten europäischen Schokoladenindustrie belastet.
Rabatte sollen Nachfrage ankurbeln
Der Konzern reagiert mit teilweise niedrigeren Preisen und Rabattaktionen. In Deutschland kostet der 70-Gramm-Schokoladenweihnachtsmann derzeit 3,69 Euro und damit weniger als Ende 2025, als der Preis bei 3,99 Euro lag.
Auch Tafeln der Produktlinie Excellence wurden im Lindt-Geschäft in Düsseldorf in den vergangenen Wochen von 4,99 auf 2,99 Euro reduziert. Für das kommende Jahr rechnet das Unternehmen mit niedrigeren Kakaopreisen und kündigt weitere Einsparungen, zusätzliche Investitionen in seine Marken, neue Produkte sowie eine angepasste Preisstrategie an.
Umsatz in Milliardenhöhe
Lindt produziert mit weltweit gut 15.000 Beschäftigten an zwölf Standorten in Europa und den USA. Der Konzern betreibt außerdem 650 eigene Geschäfte. Der Gruppenumsatz lag 2025 bei 5,9 Milliarden Franken, umgerechnet gut 6,2 Milliarden Euro.
Schokolade deutlich teurer als 2020
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war eine Tafel Schokolade im August durchschnittlich 69 Prozent teurer als 2020. Als Gründe galten befürchtete Ernteausfälle in Westafrika durch Pflanzenkrankheiten und Extremwetter. Hersteller und Händler gaben die höheren Rohstoffkosten an die Kunden weiter.
Zu Jahresbeginn gingen die Rohkakaopreise an den Börsen wieder deutlich zurück, weil mehr Kakao geerntet wurde. Große Lebensmitteleinzelhändler senkten daraufhin die Preise zahlreicher Eigenmarkenprodukte.
Preise bleiben entscheidend
Der Schritt von Lindt zeigt, wie stark sich der Schokoladenmarkt von einer Rohstoffkrise in eine Phase intensiveren Wettbewerbs verschiebt. Nach den deutlichen Kakaoaufschlägen der vergangenen Jahre reagieren Verbraucher in Deutschland, der Schweiz und Österreich besonders empfindlich auf weitere Preiserhöhungen. Zugleich senken mehrere Discounter im Herbst Preise für Schokolade und Gebäck, was den Druck auf Markenhersteller zusätzlich erhöht.
Kakao wird wieder zum Entlastungsfaktor
Die Aussicht auf niedrigere Kakaopreise eröffnet den Herstellern grundsätzlich Spielraum für günstigere Angebote. Sie müssen jedoch nicht vollständig an Kunden weitergegeben werden: Unternehmen können die Entlastung auch zur Verbesserung von Margen, zur Finanzierung von Marketing oder zur Abfederung anderer Kosten nutzen. Für Verbraucher bedeutet das, dass sinkende Rohstoffpreise nicht automatisch zu dauerhaft niedrigeren Preisen im gesamten Sortiment führen.
Hitze verändert den Absatz
Der ungewöhnlich heiße Sommer wirkt auf Schokolade doppelt: Bei hohen Temperaturen sinkt die spontane Nachfrage, und der Transport sowie die Lagerung empfindlicher Produkte werden anspruchsvoller. Für Lindt kommt hinzu, dass das Weihnachtsgeschäft traditionell besonders wichtig ist. Die angekündigten Rabatte könnten deshalb kurzfristig Kaufanreize schaffen, zugleich aber den Preisabstand zwischen Marken- und Eigenmarkenprodukten verringern.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
WEB.DE: „Drei Discounter senken Preise für beliebte Produkte“ (27.09.2026)
Der Bericht beschreibe einen beginnenden Preiskampf bei Süßwaren und führe die Preisnachlässe auf die zuvor stark gestiegenen Kakaokosten zurück. Anders als die dpa-Meldung konzentriere sich der Artikel auf die Reaktionen des Handels und nenne konkrete dauerhafte Senkungen bei Lidl und Norma sowie günstigere Gebäckartikel bei Aldi. Zugleich bleibe offen, wie dauerhaft die Entlastung für Verbraucher ausfalle, weil der Beitrag auch auf Preiserhöhungen bei anderen Lebensmitteln hinweise.
Beide Darstellungen verwiesen damit auf eine höhere Preissensibilität der Kundschaft und auf sinkende Preise in Teilen des Marktes. Der dpa-Bericht setze den Schwerpunkt jedoch auf die gesenkte Umsatzprognose von Lindt und den Einfluss der Sommerhitze, während WEB.DE vor allem die Konkurrenz unter den Discountern hervorhebe.
