Lieferketten-Skandal: Manager festgenommen wegen Sklavenarbeit
02.06.2026 - 09:20:00 | boerse-global.deDer Vorwurf: sklavenähnliche Arbeitsbedingungen auf der Baustelle des neuen US-Konsulats in Mailand. Der Fall steht exemplarisch für die zunehmende Härte der europäischen Regulierungsbehörden bei Menschenrechtsverstößen in Lieferketten.
Arbeitsbedingungen wie im 19. Jahrhundert
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Unternehmen vor, indische Arbeiter unter Bedingungen beschäftigt zu haben, die als „Quasi-Sklaverei" beschrieben werden. Die Männer arbeiteten demnach zehn bis zwölf Stunden am Tag, sechs Tage die Woche. Der effektive Stundenlohn lag bei rund drei Euro – auf einer Baustelle, die 350 Millionen Euro kostet.
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Der leitende Staatsanwalt ist kein Unbekannter in der Branche. Bereits zuvor leitete er Verfahren gegen Größen wie Armani, Dior und Deliveroo ein. Besonders spektakulär: die Razzia bei Amazon Italia Transport, die zunächst eine Beschlagnahmung von 121 Millionen Euro und später eine Zahlung von 180 Millionen Euro zur Folge hatte.
Unternehmen reagieren auf neuen Druck
Die regulatorische Zange schließt sich. Am 1. Juni 2026 veröffentlichte der Shibuya-Konzern eine umfassende Menschenrechtspolitik nach den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte. Der japanische Mischkonzern richtete eine Compliance-Hotline mit vier Kanälen ein und verpflichtete sich zu einem formellen Due-Diligence-Prozess mit Null-Toleranz gegenüber Diskriminierung.
Auch der Rohstoffriese Glencore zog nach. Anfang Juni legte der Konzern seine Modern Slavery Statement 2025 vor. Der Bericht beschreibt risikobasierte Due-Diligence-Prozesse, gestärkte Beschwerdemechanismen und Lieferantenaudits zur Einhaltung des Verhaltenskodexes.
Regulierungswelle erfasst Europa
Die EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitspflicht von Unternehmen (CSDDD) trat bereits 2024 in Kraft. Doch das „Omnibus I"-Paket vom Februar 2026 senkte die Schwellenwerte für die Compliance-Pflicht weiter ab. In Deutschland warnt die zuständige Behörde für das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz Unternehmen davor, Prüfpflichten vertraglich einfach auf Zulieferer abzuwälzen – ohne Unterstützung.
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Branchenbeobachter sehen eine zunehmende Fragmentierung der ESG-Anforderungen: Umweltfragen werden von Klimaregulierungen getrieben und von Finanzabteilungen verwaltet. Soziale Faktoren landen bei den Einkaufsteams, die sich durch neue Lieferkettengesetze kämpfen müssen. Governance bleibt Sache der Rechts- und Compliance-Abteilungen.
Neue Wege in Asien
In Japan setzen Branchenverbände auf Kooperation statt Kontrolle. Die JAFIC in der Bekleidungsindustrie und die JEITA im Elektroniksektor fördern gemeinsame Initiativen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen – ein Modell, das traditionelle Audits ergänzen soll.
Fördergelder für nachhaltige Lieferketten
Der Due-Diligence-Fonds für nachhaltige Lieferketten 2026 nimmt noch bis zum 15. Juni 2026 Anträge von Unternehmen, NGOs und Forschungseinrichtungen entgegen. Gefördert werden Projekte zu Menschenrechten, Umweltschutz und Biodiversität.
Zwei Fachveranstaltungen in diesem Monat greifen die Themen auf: Am 22. Juni 2026 veranstaltet The Mekong Club einen Workshop zu den aktualisierten Indikatoren der Internationalen Arbeitsorganisation für staatlich verordnete Zwangsarbeit. Am 24. Juni 2026 steht während der London Climate Action Week die Datenintegrität in Lieferketten im Fokus – sowie Menschenrechtsrisiken bei kritischen Mineralien aus der Demokratischen Republik Kongo.
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