Lieferketten-Risiko, Großunternehmen

Lieferketten-Risiko: 154 Großunternehmen warnen vor Handelskrieg

11.06.2026 - 16:57:34 | boerse-global.de

Topmanager sehen wachsende Risiken durch Handelskonflikte und geopolitische Spannungen. Institute senken Prognosen, EZB hebt Leitzins an.

Deutsche Industrie: Lieferketten und Konjunktur unter Druck
Lieferketten-Risiko - Eine stilisierte Weltkarte mit roten Linien, die gestörte globale Handelsrouten und Lieferketten darstellen, umgeben von abstrakten Elementen geopolitischer Konflikte. 11.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Eine aktuelle Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des BDI zeigt: Topmanager sehen wachsende Gefahren durch Handelskonflikte und bewaffnete Auseinandersetzungen. Vor allem die Bedrohung globaler Lieferwege bereitet Sorgen.

Lieferketten unter Druck

Mehr als die Hälfte der befragten Entscheider aus 154 Großunternehmen bewertet Transportstörungen und Lieferengpässe als großes bis sehr großes Risiko. Über 80 Prozent halten ihre eigene betriebliche Resilienz zwar für hoch. Doch die unternehmerischen Vorsorgemaßnahmen stoßen an ihre Grenzen.

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BDI-Präsident Leibinger betonte: Unternehmen hätten ihre Verwundbarkeit reduziert. Aber auf geopolitische Bedrohungen wie eine Blockade der Straße von Hormus hätten sie keinen Einfluss. Er fordert von der Politik eine kohärente Gesamtstrategie – koordiniert im Kanzleramt und im Wirtschaftsministerium. Als Vorbild nannte er Japan, wo Staat und Wirtschaft enger zusammenarbeiten.

Derzeit bewerten rund 14 Prozent der Manager die Kooperation mit staatlichen Stellen als weniger gut. Etwa ein Drittel der Unternehmen profitiert von staatlichen Fördergeldern.

Konjunkturprognosen massiv gesenkt

Parallel zu den Warnungen der Industrie haben führende Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Erwartungen für 2026 deutlich gedämpft. Das DIW halbierte seine Wachstumsprognose auf 0,5 Prozent. Die Experten rechnen für das zweite und dritte Quartal mit einer technischen Rezession.

Hauptursache ist der Energiepreisschock infolge des Iran-Konflikts. Die Kosten für Öl und Gas steigen massiv. DIW-Präsident Fratzscher sprach sich gegen einen Tankrabatt aus. Stattdessen plädierte er für eine Energiekostenpauschale.

Auch das IfW in Kiel senkte seine Prognosen und sieht für 2026 lediglich ein Wachstum von 0,8 Prozent. Die privaten Investitionen bleiben verhalten. Unsicherheiten über die digitale und klimaneutrale Transformation sowie hohe Rohstoffpreise bremsen die Unternehmen.

EZB reagiert auf Inflationsdruck

Die steigenden Energiekosten schlagen sich bereits in den Inflationsdaten nieder. Im Mai lag die Teuerungsrate im Euroraum bei 3,2 Prozent – deutlich über dem Zielwert der EZB. Die Notenbank reagierte Mitte Juni und hob den Leitzins erstmals seit fast drei Jahren an. Der Einlagensatz stieg von 2,0 auf 2,25 Prozent.

Die EZB begründete den Schritt mit dem Inflationsdruck durch den Krieg im Nahen Osten. Marktbeobachter erwarten weitere Erhöhungen im Herbst.

Ifo-Präsident Fuest begrüßte den Zinsschritt als richtiges Signal. Gewerkschaften und Handelsverbände kritisieren ihn dagegen. Sie befürchten eine zusätzliche Belastung der ohnehin geschwächten Konjunktur.

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Stimmung in der Logistik gekippt

Der aktuelle Logistikindikator zeigt: Das Geschäftsklima sank im zweiten Quartal deutlich. Vor allem die Erwartungen der Dienstleister brachen aufgrund der instabilen Lage in den globalen Lieferketten massiv ein.

Experten warnen vor einem stagflationsähnlichen Szenario. Steigende Kosten treffen auf ausbleibendes Wirtschaftswachstum. Ein gefährlicher Mix für den Standort Deutschland.

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