Lieferketten-Audit: Kinderarbeit in 70% nachgewiesen
08.06.2026 - 19:54:59 | boerse-global.de
Das zeigt eine aktuelle Untersuchung von Save the Children und dem Centre for Child Rights and Business. Besonders alarmierend: Strikte Null-Toleranz-Ansätze von Unternehmen treiben betroffene Kinder oft in noch schlechter kontrollierte Bereiche.
Die Organisationen analysierten zwischen 2023 und 2025 insgesamt 16 Risikoanalysen in neun Ländern. In elf Fällen wiesen sie Kinderarbeit direkt nach, in den restlichen fünf besteht ein hohes Risiko. Rund 1.300 betroffene Fälle begleiteten die Forscher.
Wenn Compliance das Gegenteil bewirkt
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Das Problem liegt im System selbst. Drohen Unternehmen bei Entdeckung von Kinderarbeit sofort mit Geschäftsabbrüchen, weichen die Minderjährigen in tiefere, weniger kontrollierte Ebenen der Lieferkette aus. Die eigentliche Ursache: eine massive Lücke zwischen gesetzlichen Mindestlöhnen und existenzsichernden Einkommen.
Besonders hart trifft es den Agrarsektor. Auf Kakaoplantagen in Ghana und der Elfenbeinküste arbeiten schätzungsweise mindestens 1,56 Millionen Kinder. Der Branchendurchschnitt für Kinderarbeit liegt dort bei 46,7 Prozent. Tony's Chocolonely zeigt jedoch: Mit speziellen Identifikations- und Bekämpfungssystemen (CLMRS) sinkt dieser Anteil in kontrollierten Partnerkooperativen auf rund 4 Prozent.
Textilindustrie: Shein unter Druck
Im chinesischen Bezirk Panyu produzieren über 5.000 Werkstätten für den Fast-Fashion-Riesen Shein. Wanderarbeiter leisten dort bis zu 75 Stunden pro Woche – ohne Sozialversicherung, unter Hochdruck durch Akkordlohn-Systeme. Der Druck auf die Produzenten steigt stetig.
Auch neue Trendprodukte bleiben nicht verschont. Die philippinische Yamswurzel Ube erlebt einen globalen Boom. Trotz einer Vervierfachung der Exporte geht die lokale Produktion zurück. Internationale Konzerne setzen Kleinbauern unter Druck, klimatische Faktoren wie Taifune verschärfen die Lage.
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Tödliche Lohnkonflikte in Europa
Die Problematik endet nicht vor den Grenzen Europas. In Kalabrien wurden kürzlich vier Erntehelfer getötet – nach einem Streit um ausstehende Zahlungen. In Italien arbeiten schätzungsweise 200.000 bis 450.000 Tagelöhner unter sklavenähnlichen Bedingungen. Der Stundenlohn: zwei bis vier Euro.
Im Juni starten mehrere Aktionen zur Sensibilisierung, darunter eine temporäre Installation in Köln. Sie soll die Lebensrealität von Kindern in den Anbauregionen sichtbar machen.
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