Lieferdienste, Fairwork-Test

Lieferdienste im Fairwork-Test: Fünf Plattformen erhalten null Punkte

Veröffentlicht: 07.07.2026 um 08:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Eine Studie zeigt gravierende Mängel bei Arbeitsbedingungen und Transparenz bei Essenslieferdiensten und Fahrdienstleistern auf.

Fairwork-Studie 2026: Lieferdienste mit schlechten Arbeitsbedingungen
Lieferdienste - Ein Fahrradkurier mit Lieferrucksack fährt bei Dämmerung durch eine städtische Umgebung, unscharf im Hintergrund. 07.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Der aktuelle Fairwork-Bericht 2026 stellt Essenslieferdiensten und Fahrdienstleistern ein vernichtendes Zeugnis aus. Große Anbieter wie Lieferando, Wolt und UberEats versagen komplett bei Arbeitsbedingungen und Transparenz.

Subunternehmen als Einfallstor für Missstände

Projektleiter Patrick Feuerstein sieht die Hauptursache in der Auslagerung an Subunternehmen. „Dadurch geht die Transparenz in den Beschäftigungsverhältnissen verloren“, kritisiert er. Die Folge: irreguläre Arbeitsverhältnisse ohne schriftliche Verträge und ausreichenden Versicherungsschutz.

Die Untersuchung stellte zudem Unterschreitungen des gesetzlichen Mindestlohns fest. Das Subunternehmer-Modell begünstige systematisch die Umgehung von Sozialstandards, so die Studienautoren.

Eine Ausnahme bildet der Lieferdienst Flink. Das Unternehmen setzt weiterhin auf fest angestellte Fahrer.

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Politik ringt um Regulierung

Der Bundestag debattierte bereits am 29. Januar über schärfere Schutzmaßnahmen. Die Forderungen: ein generelles Direktanstellungsgebot und ein Verbot intransparenter Subunternehmerketten. Der Antrag liegt nun im Ausschuss für Arbeit und Soziales.

Parallel dazu plant die Regierung Änderungen am Lieferkettengesetz. Künftig sollen nur noch Unternehmen mit mindestens 5.000 Beschäftigten und 1,5 Milliarden Euro Umsatz erfasst werden. Kritiker sprechen von einem Rückschritt: Rund 95 Prozent der bisher betroffenen Unternehmen würden aus der Verantwortung entlassen.

Zalando-Schließung erschüttert Erfurt

Auch in der klassischen Logistik brodelt es. Das Zalando-Logistikzentrum in Erfurt schließt zum 30. September – 2.100 Mitarbeiter sind betroffen. Die Einigungsstelle verhandelt am 9. Juli über einen Sozialplan.

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Der Betriebsrat kritisiert: Trotz hoher Investitionen in Übernahmen und Aktienrückkäufe nehme das Unternehmen massive Einschnitte am Standort vor.

Der DGB-Index Gute Arbeit (2022-2026) zeigt eine tiefe Verunsicherung: 40 Prozent der Beschäftigten rechnen nicht damit, ihren Beruf bis zur Rente ausüben zu können. In Pflege und Handwerk liegt der Wert bei über 70 Prozent.

Neue EU-Regeln verschärfen Anforderungen

Ab dem 2. August greifen weitere Pflichten der EU-KI-Verordnung. Unternehmen müssen für Hochrisiko-KI-Systeme in Personalprozessen künftig interne Richtlinien, KI-Verzeichnisse und Schulungen nachweisen.

Die Bundesnetzagentur geht parallel gegen digitale Marktplätze vor. Am 6. Juli leitete sie ein Verfahren gegen eBay ein. Vorwürfe: Verstöße gegen den Digital Services Act – unzureichende Informationen bei Kontosperrungen, willkürliche Rückerstattungen und mangelnde Nachverfolgbarkeit von Händlern. eBay muss nun Stellung nehmen.

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