Liebherr Ehingen: Umwege für Schwerlastkrane kosten fast 2 Millionen Euro
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 22:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Erhebliche Transportauflagen und eine zunehmend marode Verkehrsinfrastruktur belasten das Liebherr-Werk Ehingen mit hohen finanziellen Mehrkosten. Wie aus einem aktuellen Bericht hervorgeht, ist der direkte Weg vom Produktionsstandort Ehingen zum Überseehafen Bremerhaven für schwere Krane nicht mehr passierbar.
Die direkte Route misst rund 760 Kilometer, doch wegen gesperrter Streckenabschnitte und nicht tragfähiger Brücken müssen Transporte auf weite Umwege ausweichen.
Weite Ausweichrouten für Schwerlastkrane
Die für die Schwerlasttransporte notwendigen Alternativstrecken verlängern die Transporte massiv. Die Ausweichrouten zwischen Ehingen und Bremerhaven sind rund 930 beziehungsweise 1.020 Kilometer lang. Das bedeutet im Extremfall einen Umweg von mehreren hundert Kilometern pro Fahrt, nur um die deutschen Häfen für den Weitertransport zu erreichen.
Diese kilometerlangen Umleitungen schlagen sich unmittelbar in den Betriebsausgaben des Baumaschinenherstellers nieder. Bis vor etwa neun Monaten beliefen sich die zusätzlichen Spritkosten durch die Umwege auf jährlich rund 1 Million Euro.
Durch die veränderten Treibstoffpreise belaufen sich diese Mehrkosten inzwischen auf fast 2 Millionen Euro pro Jahr. Hinzu kommen erhebliche Ausgaben für vorgeschriebene Begleitfahrzeuge: Allein für Fahrten rund um das Werksgelände beziffert das Unternehmen die jährlichen Kosten hierfür auf rund 400.000 Euro.
Der direkte Weg vom Werk zum Überseehafen ist für schwere Krane nicht mehr passierbar — Ausweichrouten von 930 bis 1.020 Kilometern treiben die Spritkosten auf fast 2 Millionen Euro pro Jahr, hinzu kommen rund 400.000 Euro für Begleitfahrzeuge. Wer Schwerlasttransporte kalkuliert, braucht belastbare Annahmen zu Umwegen, Genehmigungsdauer und Infrastruktur-Risiko. Kostenlosen Leitfaden zur Umweg-Kalkulation anfordern
Forderungen nach Modernisierung und Bürokratieabbau
Um den Gütertransport künftig wieder verlässlicher und wirtschaftlicher abzuwickeln, drängt das Liebherr-Werk Ehingen auf Reformen. Das Unternehmen fordert unter anderem digitale und standardisierte Genehmigungsverfahren, eine Rückkehr zum früheren Konvoiverfahren bei Schwerlasttransporten sowie gezielte Investitionen in die Sanierung von Straßen und Brücken.
Die Klagen des Kranherstellers spiegeln die breitere Situation im deutschen Güterverkehr wider. Der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV), der nach eigenen Angaben 2.500 Betriebe einer Branche mit 600.000 Beschäftigten vertritt, verweist ebenfalls auf gravierende Belastungen durch hohe Tank-, Personal- und Transformationskosten sowie eine erschwerte Zollabwicklung.
Zwar senkte die Bundesregierung Anfang Oktober die Diesel- und Benzinsteuer bis zum Jahresende und plant im Anschluss einen Preisdeckel, doch Verbandsvertreter sehen darin nur begrenzte Hilfe. DSLV-Hauptgeschäftsführer Frank Huster stufte den Schritt als grundsätzlich richtig, aber zeitlich befristet und in der Wirkung begrenzt ein.
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Kurzfristige Eingriffe könnten zudem wegen der Koppelung von Kraftstoff- und Frachtpreisen Preisschwankungen begünstigen. DSLV-Präsident Axel Plaß fordert daher strukturelle Erleichterungen sowie einen schnellen Ausbau öffentlicher Ladeinfrastruktur für Lastkraftwagen.
Zudem verlangt der Verband, den nationalen Verkehrs-Zertifikatehandel bis zur geplanten EU-Ausweitung 2028 auszusetzen, um eine Doppelbelastung aus Zertifikaten und CO?-abhängiger Lkw-Maut abzuwenden.
