Lidl und Kaufland: Bestellstopp für E-Dienstwagen wegen Wertverlust
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 20:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Schwarz-Gruppe, zu der die Handelsunternehmen Lidl und Kaufland gehören, hat die Bestellung neuer vollelektrischer Dienstwagen in Deutschland vorübergehend gestoppt. Wie Anfang August 2026 bekannt wurde, betrifft diese Entscheidung potenziell mehrere Tausend Führungskräfte sowie einen Großteil der fast 90.000 Mitarbeiter des Konzerns in der Bundesrepublik. Während der Ausbau der Ladeinfrastruktur an den Filialen weiter voranschreitet, zieht das Unternehmen bei der eigenen Flottenstrategie vorerst die Reißleine.
Hoher Wertverlust und finanzielle Risiken als Hauptgründe
Der temporäre Stopp für den Kauf von Elektro-Dienstwagen wird primär mit wirtschaftlichen Unsicherheiten begründet. Berichten zufolge sieht sich der Konzern mit einer zu schnellen Wertminderung der Fahrzeuge konfrontiert. Ein wesentlicher Faktor dabei ist die spezifische Beschaffungsstrategie der Schwarz-Gruppe: Das Unternehmen kauft die Fahrzeuge in der Regel direkt, anstatt sie über Leasingverträge zu finanzieren. Dadurch verbleibt das sogenannte Restwertrisiko vollständig beim Konzern und wird nicht auf externe Leasinggesellschaften übertragen.
Marktbeobachtungen Ende Juli 2026 verdeutlichen die Problematik. Demnach verlieren gebrauchte Elektroautos nach drei Jahren rund 50 Prozent ihres Wertes, nach fünf Jahren steigt dieser Wertverlust auf 59 Prozent. Im direkten Vergleich erzielen drei Jahre alte Elektrofahrzeuge nur noch 47 Prozent ihres ursprünglichen Neupreises, während klassische Benziner im gleichen Zeitraum noch bei 59 Prozent liegen. Diese schwankenden und teils stark gesunkenen Restwerte sowie veränderte regulatorische Rahmenbedingungen und Förderbedingungen in Deutschland haben die Verantwortlichen nun zu einem Umdenken bewogen.
Steuerliche Auswirkungen und geografische Differenzierung
Die Entscheidung hat unmittelbare Auswirkungen auf die Dienstwagenberechtigten im Konzern. Bisher profitierten Mitarbeiter bei der Wahl eines Elektroautos von deutlichen steuerlichen Vorteilen. Bei einem vollelektrischen Dienstwagen müssen monatlich lediglich 0,25 Prozent des Bruttolistenpreises als geldwerter Vorteil versteuert werden, statt der üblichen 1 Prozent bei Verbrennungsmotoren.
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Bei einem Fahrzeug mit einem Listenpreis von 60.000 Euro bedeutet dies eine monatliche Belastung von 150 Euro gegenüber 600 Euro. Bei einem Listenpreis von 50.000 Euro beläuft sich der Betrag auf 125 Euro statt 500 Euro. Durch den vorläufigen Bestellstopp für reine Elektroautos wird die Auswahl für Mitarbeiter in Deutschland nun vorerst auf Modelle mit Verbrennungsmotor oder Hybridantriebe beschränkt.
Interessanterweise gilt diese Neuregelung ausschließlich für den deutschen Markt. In Österreich werde der Ausbau der elektrischen Flotte wie geplant fortgesetzt, und auch in anderen Ländern der Gruppe werde die Elektrifizierung weiter vorangetrieben. Die generellen Nachhaltigkeitsziele der Schwarz-Gruppe bleiben laut Unternehmensangaben trotz des aktuellen Moratoriums in Deutschland bestehen.
Alternative Mobilitätskonzepte und bestehende Infrastruktur
Trotz der Einschränkungen bei der Fahrzeugwahl bietet die Schwarz-Gruppe ihren Beschäftigten alternative Mobilitätslösungen an. Dazu gehören unter anderem ein spezielles Mobilitätsbudget sowie das Deutschlandticket. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, den CO2-Fußabdruck der Mitarbeiter mobilität auch ohne die direkte Neuanschaffung von E-Dienstwagen zu reduzieren.
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Gleichzeitig investiert der Konzern weiterhin massiv in die Ladeinfrastruktur. Zum Jahresende 2025 betrieb die Schwarz-Gruppe bereits 24.024 Ladepunkte an insgesamt 6.973 Standorten. Dies entspricht einer Steigerung von 245 Prozent innerhalb der vorangegangenen fünf Jahre. Das Problem des Restwertverfalls bei Elektroflotten ist unterdessen kein Phänomen, das die Schwarz-Gruppe exklusiv betrifft; auch bei der Deutschen Bahn wurden in jüngster Vergangenheit ähnliche Herausforderungen im Zusammenhang mit der Flottenelektrifizierung thematisiert.
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