Raumfahrtindustrie, EU-Wettbewerb

Leonardo verteidigt Satelliten-Joint-Venture „Bromo“ mit Start 2028

Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 14:27 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Leonardo-Chef Lorenzo Mariani verteidigt das Satelliten-Joint-Venture „Bromo“ mit Thales und Airbus als Schlüsselprojekt für einen starken europäischen Raumfahrtanbieter und weist Monopolvorwürfe zurück. Die EU-Kommission prüft das Vorhaben kartellrechtlich vor einem geplanten Start Anfang 2028.

Leonardo: Satelliten-Joint-Venture schafft kein Monopol
Mond (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Leonardo-Chef Lorenzo Mariani hat das Satelliten-Joint-Venture „Bromo“ seines Unternehmens mit Thales und Airbus als unverzichtbar für einen starken europäischen Raumfahrtanbieter bezeichnet. Zugleich betonte er, dass der Zusammenschluss aus Sicht der Partner kein Monopol schaffen werde.

Mariani sieht Kooperation als einzigen Weg

Mariani sagte dem „Handelsblatt“, die Kooperation sei der einzige Weg, um ein solides Unternehmen zu formen, das den Anforderungen der europäischen Länder gerecht werde, international wettbewerbsfähig sei und zugleich die Lieferketten weiterentwickeln könne. Der Raumfahrtsektor benötige aus seiner Sicht einen Anbieter, der Technik, Kapazitäten und Ressourcen bündelt, um komplexe Satellitenprojekte effizient umzusetzen.

Das Joint Venture „Bromo“ laufe nach Marianis Darstellung nicht zwangsläufig auf die Schaffung eines Monopols hinaus. Er verweist darauf, dass es in verschiedenen Bereichen weiterhin Alternativen zu den Lösungen des Konsortiums geben werde. Eine Schwächung kleinerer Unternehmen sei ausdrücklich nicht im Interesse der beteiligten Konzerne.

Lieferketten sollen gestärkt werden

Im Gegenteil, so Mariani: Die Partner bräuchten eine starke und widerstandsfähige Lieferkette, die in Teilen bislang noch nicht vorhanden sei. Die Kooperation ziele auch darauf ab, diese Strukturen zu schaffen und auszubauen. Damit verknüpft der Manager das Ziel, die europäische industrielle Basis im Raumfahrtbereich robuster zu machen und Abhängigkeiten zu verringern.

Die Äußerungen adressieren auch die Sorge, ein großes Joint Venture könne kleinere Spezialanbieter aus dem Markt drängen. Mariani stellt dem die Vorstellung entgegen, dass gerade ein stabiler Großauftraggeber mittelständischen Zulieferern Planungssicherheit und Investitionsanreize bieten könnte.

Gespräche mit der EU-Kommission laufen

Die Kooperationspartner befinden sich nach seinen Angaben derzeit in Gesprächen mit der EU-Kommission, um die Details des Projekts zu klären. Der Vorschlag, den das Konsortium zeitnah bei der EU-Kartellrechtsbehörde zur Prüfung einreichen will, soll laut Mariani zu „minimalen Einschränkungen und minimalen strukturellen Maßnahmen“ führen.

Als gewünschtes Startdatum für „Bromo“ nennt Mariani den 1. Januar 2028. Bis dahin muss die kartellrechtliche Bewertung der EU abgeschlossen sein und etwaige Auflagen umgesetzt werden. Das Projekt reiht sich in die Bestrebungen ein, Europas Raumfahrtfähigkeiten auszubauen und gegenüber anderen großen Raumfahrtnationen zu stärken.

Das geplante Satelliten-Joint-Venture „Bromo“ von Leonardo, Thales und Airbus steht exemplarisch für den Versuch Europas, im kommerziellen und sicherheitsrelevanten Raumfahrtsektor unabhängiger und wettbewerbsfähiger zu werden. Hinter dem Zusammenschluss stehen drei große Rüstung- und Technologiekonzerne mit starker Präsenz in der Luft- und Raumfahrt. Sie wollen ihre Kräfte bündeln, um ein integriertes Angebot für staatliche und kommerzielle Kunden in Europa und darüber hinaus bereitzustellen.

Industriepolitik und Wettbewerb

Die Aussagen von Leonardo-Chef Lorenzo Mariani zielen vor allem auf die wettbewerbsrechtlichen Bedenken, die bei so großen Zusammenschlüssen regelmäßig entstehen. Wenn wenige Großunternehmen ihre Raumfahrtaktivitäten in einem Joint Venture bündeln, stellt sich die Frage, ob andere Anbieter noch ausreichend Chancen im Markt haben. Mariani betont, dass Bromo aus seiner Sicht kein Monopol schaffe und dass weiterhin Alternativen existierten. Zugleich hebt er hervor, dass die Kooperation auf eine Stärkung der Lieferketten und damit auch auf kleinere Zulieferer zielt.

Für die EU-Kommission ist dieses Spannungsfeld zwischen Industriepolitik und Wettbewerbsschutz zentral. Einerseits will sie die europäische Technologie- und Sicherheitsbasis stärken, andererseits soll die Marktvielfalt erhalten bleiben. Das Projekt wird deshalb kartellrechtlich geprüft, bevor ein Start zum 1. Januar 2028 möglich ist. Dass die Partner auf „minimale Einschränkungen und minimale strukturelle Maßnahmen“ hoffen, zeigt, wie sehr sie auf ein grünes Licht ohne gravierende Auflagen setzen.

Bedeutung für Raumfahrt und Sicherheit

Für Bürger und Unternehmen in Europa ist die Raumfahrt längst mehr als ein Prestigeprojekt. Satelliten sichern Navigationsdienste, Kommunikationsnetze und Erdbeobachtung, die für Klimaforschung, Landwirtschaft, Katastrophenschutz und militärische Lagebilder genutzt werden. Ein schlagkräftiger europäischer Anbieter könnte helfen, diese Dienste langfristig unabhängig von außereuropäischen Konzernen bereitzustellen und gleichzeitig technologische Innovationen voranzutreiben. Die Umsetzung hängt jedoch davon ab, ob das Joint Venture die Balance zwischen Marktmacht und Innovationsdynamik findet, ohne kleinere Spezialanbieter zu verdrängen.

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