Lehrkräfte-Überstunden, GEW

Lehrkräfte-Überstunden: GEW klagt gegen Berlin wegen fehlender Zeiterfassung

05.06.2026 - 13:40:31 | boerse-global.de

GEW Berlin kündigt rechtliche Schritte wegen fehlender Arbeitszeitdokumentation an. Studie belegt zwei Millionen Überstunden jährlich.

Berliner GEW klagt: Fehlende Arbeitszeiterfassung für Lehrer
Lehrkräfte-Überstunden - Eine gestresste Lehrkraft sitzt nachts an einem überfüllten Schreibtisch mit Papierstapeln und Blick auf eine Uhr. 05.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Grund: Es gibt kein verbindliches Verfahren zur Erfassung der Arbeitsstunden von Lehrkräften. Die GEW stellt ihren Mitgliedern Musterverfahren und standardisierte Aufforderungsschreiben zur Verfügung.

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Warum die Dokumentation fehlt

Während in vielen Wirtschaftsbereichen die Arbeitszeiterfassung längst Standard ist, hinkt der Berliner Schuldienst hinterher. Aus Sicht der GEW fehlt ein verbindliches System. Bereits am 27. Mai 2025 stellte der Personalrat Tempelhof-Schöneberg einen Initiativantrag. Eine Einigung mit der Verwaltung blieb aus. Nun soll eine Einigungsstelle entscheiden.

Ohne exakte Erfassung bleibt die tatsächliche Belastung der Lehrkräfte unsichtbar, kritisiert die GEW. Mehrarbeit könne so nicht angemessen kompensiert werden.

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Wenn die Einigung zwischen Personalvertretung und Dienststelle ausbleibt, bietet das Einigungsstellenverfahren einen Weg zur Lösung. Ein ehemaliger Richter am Landesarbeitsgericht erklärt in diesem kostenlosen Leitfaden, wie das Verfahren rechtssicher abläuft. Gratis-Ratgeber zum Einigungsstellenverfahren herunterladen

Studie belegt: Zwei Millionen Überstunden pro Jahr

Die Forderungen stützen sich auf eine Untersuchung der Universität Göttingen vom Juni 2025. Ergebnis: Berliner Lehrkräfte leisten jährlich über zwei Millionen Stunden unbezahlte Mehrarbeit. Pro Lehrkraft sind das rund 100 Überstunden.

64 Prozent der Lehrkräfte arbeiten mehr als vertraglich vereinbart. Um die Überlastung abzufangen, müssten laut Berechnungen rund 1.300 zusätzliche Vollzeitstellen geschaffen werden.

Auch Schulleitungen sind stark betroffen. Der Schulleitungsmonitor Deutschland der Wübben Stiftung zeigt: 86 Prozent der Schulleitungen leiden unter Zeitmangel. Knapp die Hälfte fühlt sich den täglichen Aufgaben kaum noch gewachsen. Viele arbeiten über 50 Stunden pro Woche.

Bundesweit wächst der Druck

Nicht nur in Berlin regt sich Widerstand. Auch andere Bundesländer und Österreich drängen auf bessere Bedingungen:

Thüringen: Die GEW startete am 3. Juni eine Petition zur Reform des Vorbereitungsdienstes. Landeschefin Kathrin Vitzthum fordert stärkere Mitbestimmung, transparente Prüfungen und eine Begrenzung der Unterrichtsverpflichtung bei besserer Bezahlung.

Hamburg: Die Gewerkschaft kritisierte die Personalplanung an beruflichen Schulen. Für rund 60 ausgebildete Lehrkräfte stehen nur zehn Planstellen zur Verfügung. Die GEW spricht von kurzfristiger Sparpolitik.

Österreich: Eine Studie der JKU Linz und des öbv vom 4. Juni zeigt: 52 Prozent der Lehrkräfte fühlen sich stark beansprucht. Hauptursachen sind administrative Aufgaben (68 Prozent), große Klassen (64 Prozent) und heterogene Lerngruppen (63 Prozent).

Lichtblick in NRW

Während die Belastungsgrenzen vielerorts erreicht sind, meldet Nordrhein-Westfalen Erfolge bei der Personalgewinnung. Zum 3. Juni verzeichnete das Land einen Rekord von über 166.000 Stellen im Schuldienst. Dennoch: Über 4.800 Planstellen bleiben unbesetzt. Der Gesamtbedarf liegt bei rund 174.000 Positionen. Die Landesregierung verweist auf angehobene Anfangsgehälter als Gegenmaßnahme zum Fachkräftemangel.

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