Lehrkräfte-Überbelastung, Arbeitsaufwand

Lehrkräfte-Überbelastung: 18 Prozent mehr Arbeitsaufwand als vertraglich vorgesehen

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Am 27. September entscheiden Zürcher Stimmberechtigte über 160 Vergütungsstunden für Klassenlehrkräfte und eine Entlastung im Schulalltag.

Zürich stimmt über mehr Entschädigung für Klassenlehrkräfte ab
Ein leerer, modern gestalteter Klassenraum mit hellen Holztischen und großen Fenstern in einem Schulgebäude. Illustration mit AI erstellt.

Am 27. September 2026 entscheiden die Stimmberechtigten im Kanton Zürich über eine Revision des Lehrpersonalgesetzes. Im Mittelpunkt der Vorlage steht eine deutliche Erhöhung der zeitlichen Vergütung für Klassenlehrkräfte an Volksschulen. Geplant ist, den Aufwand künftig mit 160 statt bisher 100 Stunden pro Jahr und Klasse zu entschädigen. Bei Modellen des Jobsharings sieht der Entwurf eine Aufteilung von jeweils 80 Stunden vor.

Erhöhung der Entschädigungsstunden und Arbeitsbelastung

Die geplante Neuregelung folgt auf langjährige Diskussionen über die Arbeitsbelastung des Lehrpersonals. Der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband (ZLV) hatte ursprünglich eine Vergütung von 250 Stunden pro Jahr und Klasse gefordert, um den tatsächlichen Aufwand abzubilden.

Bildungsdirektorin Steiner setzte sich hingegen für eine Erhöhung auf mindestens 120 Stunden ein. Laut einem Bericht vom 16. September 2026 ergab eine Umfrage des ZLV, dass Lehrpersonen ihren Arbeitsaufwand nach eigener Einschätzung um 18 Prozent höher beziffern, als es ihr vertragliches Pensum vorsieht.

Die personelle Situation im Bildungssektor ist auch über die Kantonsgrenzen hinaus angespannt. In Thüringen bestätigte der Bildungsbericht 2026 einen anhaltenden Fachkräftemangel sowie wachsende Anforderungen durch Inklusion und Integration. Der dortige Lehrerverband fordert angesichts zahlreicher altersbedingter Abgänge langfristige Strategien zur Gewinnung von Nachwuchskräften und einen Abbau bürokratischer Hürden.

Gehaltsgefüge und personelle Herausforderungen im regionalen Vergleich

Trotz der Debatten um die Arbeitszeit gehört der Kanton Zürich bei der Entlohnung zur Spitzengruppe. Berufseinsteiger an Primarschulen verdienen bei einem Vollzeitpensum von 100 Prozent jährlich 98.900 Franken, was einem Bruttomonatslohn von 7.600 Franken entspricht. Die Maximalsaläre liegen in der Unter- und Mittelstufe bei bis zu 11.700 Franken pro Monat, während Lehrkräfte der Sekundarstufe bis zu 12.550 Franken erreichen können.

Im Vergleich dazu fallen die Einstiegsgehälter in anderen Schweizer Kantonen niedriger aus: In Basel-Stadt liegt der Monatslohn bei 6.700 Franken, im Aargau bei knapp 6.600 Franken und in Obwalden bei 5.800 Franken. Dennoch bleibt die Gewinnung von Personal schwierig.

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In Nordrhein-Westfalen sind derzeit 341 Schulleitungsstellen unbesetzt, insbesondere an Haupt- und Förderschulen. In Baden-Württemberg waren kurz vor dem Start des aktuellen Schuljahres noch 426 Stellen offen, wobei die Zahl gegenüber dem Vorjahr von 1.159 gesunken ist.

In Bayern startete das Schuljahr 2026/27 mit einem Rekordwert von 1,77 Millionen Schülern, dem höchsten Stand seit 15 Jahren. Da die Zahl der Lehrkräfte mit etwa 166.000 nahezu konstant blieb, forderte der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) ein Sondervermögen für Bildung, um dem Mangel an Vollzeitkräften und dem Ausbau des Ganztagsanspruchs gerecht zu werden.

Systemischer Druck durch Fachkräftemangel und digitale Konflikte

Neben personellen Engpässen belasten neue gesellschaftliche Entwicklungen den Schulalltag. Einer aktuellen Analyse zufolge empfinden drei von fünf Personen den Schulbetrieb durch Konflikte in sozialen Medien als belastend.

Nur jede vierte Lehrkraft sieht die Schulen bei der Medienbildung ausreichend aufgestellt. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen kündigte in diesem Zusammenhang an, einen Vorschlag für verbindliche Altersgrenzen bei sozialen Medien vorlegen zu wollen.

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Drei von fünf Lehrkräften empfinden Konflikte in sozialen Medien als belastend — und nur jede vierte Schule fühlt sich bei Medienbildung gut aufgestellt. Der Leitfaden liefert fünf sofort umsetzbare Strategien für den Umgang mit digitalen Konflikten im Schulalltag. 5 Strategien gegen digitale Konflikte sichern

Die Leistungsfähigkeit des Bildungssystems steht zudem unter Beobachtung der PISA-Studie, die zuletzt einen historischen Tiefstand der Kompetenzwerte verzeichnete. Ein Drittel der Kinder erreiche die Mindeststandards im Lesen und Rechnen nicht mehr.

Im INSM-Bildungsmonitor 2026 belegte Sachsen mit 62,9 Punkten den ersten Platz unter den deutschen Bundesländern, während Sachsen-Anhalt und Bremen die hinteren Ränge belegten. Als wesentliche Ursachen für die negativen Entwicklungen nennen Experten den Lehrermangel, fehlende Sprachförderung und eine unzureichende Ressourcenausstattung bei der Inklusion.

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