Lehrkräfte-Reform, Vietnam

Lehrkräfte-Reform Vietnam: Pensionierte dürfen ab September unterrichten

Veröffentlicht: 18.07.2026 um 21:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Vietnam erlaubt ab September Vollzeitverträge für Ruheständler im Schuldienst, um den akuten Lehrermangel von über 100.000 Stellen zu beheben.

Vietnam lockert Arbeitsrecht für pensionierte Lehrkräfte
Ein älterer, lächelnder Lehrer steht vor einer Gruppe von Schülern in einem modernen Klassenzimmer und unterrichtet. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ab dem 1. September 2026 dürfen Schulen und Universitäten erstmals Vollzeit-Arbeitsverträge mit Lehrkräften im Ruhestand abschließen. Das Rundschreiben Nr. 59/2026/TT-BGD?T vom 15. Juli 2026 reagiert auf den drastischen Personalmangel im Bildungssektor.

Strategische Maßnahme gegen Personalnot

Hintergrund der Neuregelung ist ein erheblicher Mangel an qualifiziertem Lehrpersonal. Im Schuljahr 2025/26 fehlten landesweit rund 104.500 Lehrkräfte. Durch die Öffnung für pensionierte Fachkräfte soll diese Lücke geschlossen werden – ohne die Ausbildungsqualität zu gefährden.

Das neue Rundschreiben ersetzt ältere Regelungen aus den Jahren 2011 und 2013 und schafft einen einheitlichen Rechtsrahmen. Seit Anfang 2026 gelten in Vietnam neue Renteneintrittsalter: Männer gehen mit 61 Jahren und sechs Monaten in den Ruhestand, Frauen mit 57 Jahren. Genau diesen Personenkreis will das Ministerium nun für den Verbleib im Schuldienst gewinnen.

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Strenge Qualitätsanforderungen

Die Vollzeitverträge sind an spezifische Bedingungen geknüpft. Interessierte Lehrkräfte müssen ihre fachliche Eignung nachweisen und ein aktuelles Gesundheitszeugnis vorlegen. Zudem werden hohe digitale Kompetenzen und eine einwandfreie berufliche Ethik vorausgesetzt. Disziplinarmaßnahmen in der Vergangenheit schließen eine erneute Vollzeitbeschäftigung aus.

Gehalt und Zulagen können individuell ausgehandelt werden, wobei die geltenden Arbeitsgesetze und Steuerpflichten einzuhalten sind. Eine wichtige Einschränkung: Jede pensionierte Lehrkraft darf nur mit einer einzigen Bildungseinrichtung einen Vollzeitvertrag abschließen. Gleichzeitig bleiben Rechte auf berufliche Titel oder Auszeichnungen gewahrt.

Klare Rahmenbedingungen für Schulen

Das Ministerium stellt klar: Der Einsatz von Ruheständlern darf die Nachfolgeplanung für junge Lehrkräfte nicht beeinträchtigen. Die Rückkehrer dienen nicht as Ersatz für reguläre Stellen, sondern als ergänzende Kapazität. Bildungseinrichtungen müssen entsprechende Pläne entwickeln und Listen der verfügbaren Stellen öffentlich bekannt geben.

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Die Leistungen der Vertragslehrer fließen direkt in die Bewertung der Ausbildungskapazitäten und die Qualitätsakkreditierung der jeweiligen Einrichtung ein. So stellen die Schulen sicher, dass sie die neuen Ressourcen transparent und zielgerichtet einsetzen.

Erweiterte Kompetenzen für Gastdozenten

Neben den Vollzeitverträgen konkretisiert das Rundschreiben auch die Rolle von Gastdozenten. Deren Tätigkeitsfeld wird deutlich erweitert: Neben der reinen Lehre können sie künftig verstärkt in der Forschung, bei der Erstellung von Lehrbüchern sowie in der Betreuung von Praktika und Abschlussarbeiten eingesetzt werden.

Das Ministerium zieht eine klare Grenze zwischen Arbeits- und Dienstleistungsverträgen. Gastdozenten unterliegen festgelegten Stundengrenzen, die sich am Kontingent für reguläre Vollzeitlehrkräfte orientieren. Diese Differenzierung soll den Schulen helfen, flexibler auf personelle Engpässe zu reagieren – und gleichzeitig die akademische Qualität zu sichern.

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