Lehrkräfte-Gesundheit, Probleme

Lehrkräfte-Gesundheit: 88% berichten psychische Probleme bei Schülern

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 12:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Induktionsprogramme, zusätzliche Lehrerstellen und Präventionsprojekte sollen psychische Belastungen in Schulen, Ausbildung und Studium adressieren.

Schule und Studium: Neue Wege für Gesundheit und Lehrkräfte
Ein heller, leerer Schulflur mit hohen Decken und großen Fenstern, durch die natürliches Licht auf den Holzboden fällt. Illustration mit AI erstellt.

Die strukturelle Begleitung von Lehrkräften in der Berufseinstiegsphase sowie die psychische Gesundheit von Lernenden und Lehrenden bilden zentrale Schwerpunkte für das Schuljahr 2026/27. Aktuelle Berichte und Studien aus dem September 2026 verdeutlichen den hohen Bedarf an qualifizierter Induktion und präventiven Gesundheitsangeboten in Bildungseinrichtungen.

Strukturierte Induktionsphase an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich

Für Berufseinsteiger im Lehrberuf sieht die Pädagogische Hochschule (PH) Oberösterreich im kommenden Schuljahr ein differenziertes Programm verpflichtender Einführungslehrveranstaltungen (ELV) vor.

Je nach Dienstgeber umfasst dieses Programm einen Zeitraum von 5 Tagen mit 40 Unterrichtseinheiten (UE) oder 10 Tagen mit 80 UE. Ergänzend dazu ist die Teilnahme am Massive Open Online Course (MOOC) „Recht-Induktionsphase 2026“ mit einem Umfang von 8 UE obligatorisch.

Zur weiteren Unterstützung während der Induktionsphase werden spezifische Coaching-Angebote bereitgestellt. Das Konzept sieht vor, dass Teilnehmende aus drei angebotenen Terminen mindestens zwei wahrnehmen oder alternativ zwei festgesetzte Termine besuchen. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, Lehrkräfte in der kritischen Anfangsphase ihres Berufslebens sowohl fachlich als auch reflexiv zu begleiten.

Herausforderungen durch psychische Belastungen im Schulalltag

Die Relevanz solcher Begleitmaßnahmen wird durch aktuelle Erhebungen zur psychischen Situation an Schulen unterstrichen. Eine Umfrage unter 1.700 Lehrkräften an weiterführenden Schulen in Hessen ergab, dass 88 Prozent der Befragten zunehmende psychische Probleme bei Schülern wahrnehmen.

Als eine Ursache hierfür werden von Bildungsforschern Spätfolgen der Corona-Pandemie angeführt. Neben psychischen Belastungen gaben 38 Prozent der Lehrkräfte Personalmangel als Problem an, während über 30 Prozent von einer Zunahme von Gewalt berichteten. Zudem bewerteten 65 Prozent den Zustand ihrer Schulgebäude als mittelmäßig oder marode.

Das hessische Kultusministerium reagierte auf diese Entwicklungen mit einem Bildungschancen-Paket, das 680 zusätzliche Lehrerstellen vorsieht. Auch im Bereich der Prävention werden neue Ansätze verfolgt. An 96 Schulen in mehreren Bundesländern, darunter Bayern und Rheinland-Pfalz, startete die Studie „DUDE 2.0“.

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Das Programm richtet sich an die Jahrgangsstufen 6 und 7 und vermittelt in fÜnf Doppelstunden Techniken zur Emotionsregulation. Ziel ist die Reduktion nicht-suizidaler Selbstverletzungen. Eine vorangegangene Untersuchung in Unterfranken hatte gezeigt, dass 3,5 Prozent von 877 befragten Zwölfjährigen bereits einen Suizidversuch unternommen hatten.

Reformen in der Lehrerbildung und beim Quereinstieg

Um dem Lehrermangel zu begegnen, werden zunehmend alternative Zugangswege und Studienstrukturen geschaffen. Die Universität Graz verkürzt zum Wintersemester 2026/27 den Bachelorstudiengang für das Lehramt auf 6 Semester. Begleitende Studien der Universität untersuchten zudem die Situation von Quereinsteigern.

Befragungen unter Pädagogen in Österreich zeigten, dass deren Motive vom Wunsch nach einer Berufung bis hin zur Ferienregelung reichen. Als Stärken von Quereinsteigern wurden digitale und kommunikative Fähigkeiten identifiziert, während Herausforderungen beim Klassenmanagement und der Benotung bestehen.

In Baden-Württemberg fordert die Landesrektorenkonferenz der Pädagogischen Hochschulen angesichts rückläufiger Bewerberzahlen in der Sekundarstufe I eine institutionalisierte Zusammenarbeit über Ressortgrenzen hinweg. Zu den Forderungen gehören duale Zugangswege, die Anerkennung ausländischer Qualifikationen sowie der Einsatz multiprofessioneller Teams an Schulen.

Psychische Gesundheit in Ausbildung und Studium

Nicht nur im schulischen Bereich, sondern auch in der beruflichen Bildung und an Hochschulen ist das Wohlbefinden ein zentrales Thema. Der Ausbildungsreport 2026, für den 13.000 Auszubildende befragt wurden, zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Wohlbefinden und Abbruchgedanken: 74 Prozent der Azubis mit stark eingeschränktem Wohlbefinden ziehen einen Abbruch der Ausbildung in Betracht. Laut einer Studie von Bertelsmann und dem Institut der deutschen Wirtschaft fühlen sich zudem fast die Hälfte der Auszubildenden finanziell belastet.

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An der TU Braunschweig identifizierten 1.053 befragte Studierende Aufgabenanforderungen und körperliche Belastungen als Hauptfaktoren für Stress. Während private Unterstützung als stärkste Ressource genannt wurde, sahen die Befragten in der Teamarbeit die schwächste Unterstützungsmöglichkeit.

Ergänzend zu universitären Angeboten entstehen in Städten wie Basel niederschwellige Peer-Gesprächsangebote wie das Projekt „Ansprechbar“, das jungen Menschen kostenlose Beratung durch geschulte Gleichaltrige bietet.

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