Lehrermangel, Thüringen

Lehrermangel: Thüringen zahlt bis 1.250 Euro Zuschlag pro Monat

Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Thüringen, Brandenburg und andere Bundesländer kämpfen mit höheren Bezügen und neuen Stellen gegen den Lehrkräftemangel. Erste Ergebnisse fallen durchwachsen aus.

Lehrermangel: Bundesländer setzen auf Gehaltsplus und Reformen
Ein heller, moderner Klassenraum mit leeren Schreibtischen und einfallendem Sonnenlicht als Symbol für den Lehrermangel. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Mehrere Bundesländer kämpfen mit neuen Strategien gegen den Lehrermangel. Thüringen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt setzen auf höhere Gehälter, Zulagen und strukturelle Reformen. Die ersten Ergebnisse sind gemischt.

Thüringen: 1.250 Euro extra fürs Landleben

Der Freistaat Thüringen zieht eine erste Bilanz seines Programms für angehende Lehrer. Seit Februar 2026 erhalten Lehramtsanwärter Zuschläge von 70 Prozent des Grundbetrags – wenn sie in Bedarfsregionen oder Mangelfächern arbeiten. Das sind monatlich brutto zwischen 1.220 und 1.250 Euro.

Bis Mai 2026 griffen 15 von 45 Berechtigten zu. Für den zweiten Durchlauf bis August haben sich über 30 Kandidaten angemeldet. Bildungsminister Christian Tischner betonte: Das Projekt läuft vorerst bis Juli 2028. Ab Februar 2027 kommen neue Bedarfsregionen dazu – etwa der Ilm-Kreis, Sömmerda, das Weimarer Land und Teile von Gotha.

Schon seit 2022 gibt es einen zehnprozentigen Gehaltszuschlag für frisch verbeamtete Lehrer, die bestimmte Schularten oder Regionen wählen.

Brandenburg: Mehr Gehalt, mehr Arbeit

Brandenburgs Bildungsminister Gordon Hoffmann will mit höheren Bezügen Lehrkräfte aus anderen Bundesländern locken. Auslöser: ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das deutliche Gehaltssteigerungen für verbeamtete Lehrer brachte. Die Landesregierung plant zudem 250 neue Stellen – nachdem eine Vorgängerkoalition 345 Vollzeitstellen gestrichen hatte.

Der Haken: Im Gegenzug steigt die Wochenarbeitszeit für Beamte von 40 auf 41 Stunden. Bereits seit dem zweiten Schulhalbjahr leisten Lehrkräfte eine zusätzliche Unterrichtsstunde pro Woche. Hoffmann hofft, dass die bessere Bezahlung die Mehrarbeit wettmacht.

NRW: Jede fünfte Schulleitung fehlt

Die personelle Misere zeigt sich besonders in Nordrhein-Westfalen. Laut Verbänden wie dem VBE bleibt landesweit jede fünfte Stelle einer stellvertretenden Schulleitung an Grundschulen unbesetzt. Eine Schule in Senden schreibt eine solche Stelle seit November 2025 bereits zum vierten Mal erfolglos aus.

Die Gewerkschaft GEW kritisiert: Der finanzielle Abstand zwischen Grundbesoldung und Leitungsvergütung sei zu gering. Sie fordert mehr Zeit für Verwaltungsaufgaben und eine angemessene Bezahlung.

Berlin: 100 Überstunden pro Jahr

Eine Studie der Universität Göttingen zeigt: Berliner Lehrkräfte arbeiten durchschnittlich 100 Stunden pro Jahr mehr als vertraglich vereinbart. 64 Prozent leisten Mehrarbeit, 30 Prozent überschreiten regelmäßig die Grenze von 48 Wochenstunden.

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Die GEW Berlin will das jetzt dokumentieren – mit einer speziellen App zur Arbeitszeiterfassung. Vorgestellt wird sie am 18. August 2026 zum Schuljahresbeginn.

Sachsen-Anhalt: Wahlkampf um die Schule

In Sachsen-Anhalt bestimmt das Schulsystem die Debatte vor der Landtagswahl am 6. September 2026. Die Prognosen sind düster: Bis 2036 scheiden zwei Drittel des pädagogischen Personals altersbedingt aus. 2025 verließen bereits 100 Lehrkräfte mehr den Dienst, als neu eingestellt wurden. Die Quote der Schulabgänger ohne Abschluss liegt bei 13,4 Prozent – bundesweit der Spitzenwert.

Die Parteien haben unterschiedliche Rezepte:

  • CDU: Zusammenführung von Sekundar- und Gemeinschaftsschulen zu Oberschulen, duales Lehramtsstudium
  • Linke und SPD: Massiver Ausbau der Schulsozialarbeit
  • FDP: Schnellere Qualifizierung von Seiteneinsteigern
  • Grüne: Längeres gemeinsames Lernen bis zur zehnten Klasse

Praktische Folgen des Sanierungsstaus zeigt Zeitz. Seit dem 27. Juli 2026 ist ein zentraler Parkplatz gesperrt – für 170 Container-Module einer Ausweichschule. Die Sekundarschule III zieht in den Herbstferien 2026 um, ihr Gebäude wird bis 2029 saniert. Kosten: rund 21 Millionen Euro aus der Kohleförderung.

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Lehrerin klagt gegen Zwangspensionierung

Auch Einzelfälle beschäftigen die Gerichte. Seit dem 29. Juni 2026 lägt am Verwaltungsgericht Düsseldorf eine Klage einer Lehrerin gegen ihre Zwangspensionierung. Die Beamtin war seit 2009 durchgehend krankgeschrieben – 17 Jahre lang. Durch automatische Stufenaufstiege erhielt sie zuletzt über 6.000 Euro brutto monatlich.

Die Bezirksregierung ordnete die Pensionierung Ende Mai 2026 an, nachdem Betrugsvorwürfe laut wurden. Parallel laufen disziplinarische Ermittlungen und Untersuchungen der Staatsanwaltschaft Duisburg.

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