Lebensmittel-Lieferdienste: Amazon und Rewe werden schneller
Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSLiefermodelle erreichen weitere Städte
- Amazon bietet seit Ende Oktober frische Lebensmittel am selben Tag in Köln, Frankfurt und München an.
- Rewe startete Mitte September eine Sofort-Lieferung in Köln, Frankfurt am Main, Hamburg und Jena.
- Picnic verlangt für sein neues Family-Abo je nach Tarif 4,99 bis 6,99 Euro im Monat.
Amazon und Rewe beschleunigen Lebensmittel-Lieferungen
Amazon liefert seit Ende Oktober frische Lebensmittel am selben Tag in Köln, Frankfurt und München aus und plant eine Ausweitung auf weitere Städte. Rewe bietet seit Mitte September eine Sofort-Lieferung über Uber Eats, Wolt und Lieferando an, die zunächst in Köln, Frankfurt am Main, Hamburg und Jena verfügbar ist.
Amazon setzt auf kurze Zeitfenster
Prime-Mitglieder erhalten die Lieferung ab einem Bestellwert von 29 Euro innerhalb von vier Stunden kostenlos. Bei einem niedrigeren Warenkorb fallen 3,99 Euro an; Kundinnen und Kunden ohne Prime zahlen knapp 10 Euro. Ein zweistündiges Lieferfenster kostet für alle zusätzlich.
Amazon hatte den Lebensmittel-Lieferservice Fresh bereits 2017 gestartet, Ende 2024 aber eingestellt. Damals wollte sich der Konzern nach eigenen Angaben auf haltbare Lebensmittel konzentrieren.
Rewe nutzt bestehende Märkte
Rewe lässt die Einkäufe direkt aus seinen Märkten liefern. Die Zustellung soll maximal eine Stunde dauern. Dafür arbeitet der Händler mit den Plattformen Uber Eats, Wolt und Lieferando zusammen.
Onlinegeschäft wächst trotz kleiner Basis
Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens NIQ wuchs das Onlinegeschäft mit Lebensmitteln zuletzt um 11,8 Prozent. Der stationäre Handel legte in diesem Bereich um 2,2 Prozent zu; der Onlineanteil am gesamten Umsatz mit schnelldrehenden Konsumgütern liegt jedoch nur bei knapp 9 Prozent.
Das IFH Köln ermittelte in einer repräsentativen Befragung von 500 Menschen zwischen 18 und 69 Jahren, dass 71 Prozent in den vergangenen sechs Monaten keinen Online-Lebensmitteldienst genutzt hatten. 29 Prozent nutzten solche Angebote, vor allem wegen der Zeitersparnis, der leichteren Bewältigung schwerer Einkäufe und der Unabhängigkeit von Öffnungszeiten.
Neue Abos und größeres Sortiment
Picnic führte Anfang November deutschlandweit das Abo-Modell Picnic Family ein. Je nach Tarif kostet es 4,99 bis 6,99 Euro im Monat und bietet unter anderem bevorzugte Lieferfenster sowie Rabatte auf frisches Obst und Gemüse.
Flaschenpost kündigte an, sein Lebensmittelsortiment von 4.000 auf 8.000 Artikel zu verdoppeln. Aldi Süd testet einen Lieferdienst regional in Nordrhein-Westfalen, während Aldi Nord keinen solchen Dienst einführen will. Lidl bietet bislang keinen Lebensmittel-Lieferservice an.
Supermärkte bleiben wichtig
Der stationäre Lebensmittelhandel bleibt trotz der wachsenden Onlineangebote die erste Wahl. Als Gründe gelten die Möglichkeit, frische Waren vor dem Kauf zu sehen, anzufassen und zu riechen, sowie die Ablehnung von Liefergebühren und Mindestbestellwerten.
Die Branche sieht im Onlinegeschäft dennoch weiteres Potenzial, weil Verbraucherinnen und Verbraucher digitale Bestellungen im Alltag zunehmend selbstverständlich nutzen. Der klassische Supermarkt dürfte nach Einschätzung des BEVH zugleich bestehen bleiben.
Der Vorstoß von Amazon und Rewe trifft auf einen Markt, der wächst, aber noch deutlich kleiner ist als der stationäre Lebensmittelhandel. Nach den Angaben aus der dpa-Meldung legte das Onlinegeschäft mit Lebensmitteln zuletzt um 11,8 Prozent zu, während der stationäre Handel um 2,2 Prozent wuchs. Der Onlineanteil am gesamten Umsatz mit schnelldrehenden Konsumgütern blieb jedoch bei knapp 9 Prozent.
Die Anbieter setzen deshalb auf unterschiedliche Wege, um die Nutzung im Alltag zu erhöhen. Amazon kombiniert kurze Lieferfenster mit dem Prime-Modell und begrenzt den Start zunächst auf drei Großstädte. Rewe nutzt bestehende Märkte als Ausgangspunkte und bindet mehrere Plattformen für die Zustellung ein. Beide Modelle zeigen, dass nicht allein das Sortiment entscheidet, sondern auch Logistik, Lieferzeit und Kosten.
Zwischen Komfort und Zusatzkosten
Für Kundinnen und Kunden liegt der praktische Vorteil vor allem bei Zeitersparnis, schweren Einkäufen und fehlender Bindung an Öffnungszeiten. Gleichzeitig bleiben Liefergebühren, Mindestbestellwerte und der Wunsch, frische Waren selbst auszuwählen, wichtige Hürden. Die Befragungszahlen des IFH Köln verdeutlichen, dass die große Mehrheit bislang keinen Online-Lebensmitteldienst nutzt.
Die aktuelle Expansion dürfte den Wettbewerb um dicht besiedelte Stadtgebiete verschärfen. Für den stationären Handel bedeutet sie zusätzlichen Druck bei Bequemlichkeit und Geschwindigkeit, ersetzt den Einkauf im Markt aber vorerst nicht. Ob schnelle Lieferungen dauerhaft wirtschaftlich sind, hängt insbesondere von Auslastung, Routen und den Kosten für Personal und Kühlung ab.
