R+V-Studie, Lebenshaltungskosten

Lebenshaltungskosten: 59 Prozent der Deutschen sorgen sich ums Geld

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 11:18 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

59 Prozent der Befragten fürchten, dass ihr Geld nicht mehr zum Leben reicht. Zugleich wachsen die Sorgen vor höheren Abgaben und einer Überforderung der Politik.

Studie: Finanzielle Sorgen und politisches Misstrauen prägen Ängste
R+V Versicherung am 01.10.2026 - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die steigenden Lebenshaltungskosten sind 2026 die größte Sorge der Deutschen. Das geht aus der am Donnerstag in Berlin veröffentlichten R+V-Studie „Die Ängste der Deutschen“ hervor, die seit 1992 jährlich durchgeführt wird.

Mehrheit fürchtet um ausreichendes Einkommen

59 Prozent der Befragten befürchten, dass ihr Geld nicht mehr zum Leben reicht. Damit nahm diese Sorge im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozentpunkte zu.

In Westdeutschland teilen 60 Prozent diese Angst, in Ostdeutschland sind es 53 Prozent. „Die Menschen erleben tagtäglich, wie kostspielig der Alltag inzwischen ist“, sagte Grischa Brower-Rabinowitsch am Donnerstag in Berlin.

Steuererhöhungen rücken auf Platz zwei

Auch die Sorge vor Steuererhöhungen und Leistungskürzungen nahm zu. 53 Prozent der Deutschen befürchten, dass der Staat zur Finanzierung von Sozialversicherungen, Verteidigung und Infrastruktur auf höhere Abgaben zurückgreifen könnte.

Diese Angst stieg im Vergleich zum Vorjahr von Platz drei auf Platz zwei. Die Befragten verbinden die wachsenden staatlichen Ausgaben mit der Frage, wer die Kosten der Modernisierung tragen soll.

Vertrauen in die Politik sinkt

48 Prozent äußerten die Befürchtung, dass die Politik mit ihren Aufgaben überfordert ist. Die politische Arbeit bewerteten die Befragten im Durchschnitt mit der Schulnote 4,1.

Nach Einschätzung der Studie tragen politische Enttäuschung und wirtschaftliche Unsicherheit zu einem allgemeinen Vertrauensverlust in die Zukunft Deutschlands bei.

Die Ergebnisse der R+V-Studie fallen in eine Phase, in der sich die Preisentwicklung für viele Haushalte erneut verschärft hat. Die Verbraucherpreise lagen in Deutschland im September 2026 nach vorläufigen Angaben 3,3 Prozent über dem Vorjahresmonat. Besonders stark verteuerten sich Kraftstoffe und Haushaltsenergie mit 14,9 Prozent, während Lebensmittel im Durchschnitt um 0,4 Prozent teurer wurden.

Für die Wahrnehmung der Menschen ist nicht allein die aktuelle Inflationsrate entscheidend. Auch wenn sich einzelne Preise stabilisieren oder vorübergehend sinken, bleiben viele Ausgaben auf einem höheren Niveau als vor den starken Preisschüben der vergangenen Jahre. Haushalte mit niedrigen oder mittleren Einkommen haben zudem weniger Spielraum, steigende Mieten, Energie-, Mobilitäts- und Versicherungs­kosten durch Rücklagen auszugleichen.

Steigende Kosten treffen auf wachsenden Finanzierungsdruck

Die Sorge vor höheren Abgaben steht in der Studie unmittelbar neben der Angst, dass das verfügbare Einkommen nicht mehr ausreicht. Dahinter steht ein politisches Verteilungsproblem: Für Sozialversicherungen, Verteidigung und Infrastruktur werden zusätzliche Mittel benötigt, zugleich begrenzen höhere Beiträge und Steuern den finanziellen Spielraum der privaten Haushalte.

Der Vertrauensverlust erhält dadurch eine konkrete materielle Grundlage. Wenn Bürgerinnen und Bürger steigende Belastungen wahrnehmen, ohne Verbesserungen bei staatlichen Leistungen oder Infrastruktur zu erkennen, kann dies die Bewertung politischer Arbeit verschlechtern. Die Tanksteuerentlastung ab Oktober kann die monatlichen Kosten für Autofahrer zeitweise dämpfen, ändert aber nichts an den langfristigen Fragen der Finanzierung und der Verteilung.

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