Lateinamerika hat Technologiepotenzial - South America EMFIS
Veröffentlicht: 02.10.2006 um 07:59 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller (Chefredaktion)
Liebe Leserinnen und Leser,
Die Abhängigkeit der lateinamerikanischen Volkswirtschaften vom Weltwirtschaftswachstum sind in den vergangenen Wochen stark verdeutlicht worden. Lateinamerika hat noch lange nicht die Stärke Osteuropas und insbesondere Asiens erzielt. Auf der Produktionsebene ist Lateinamerika innerhalb der drei Emerging Markets (Asien, Osteuropa, Südameria) das Schlusslicht. Die großen lateinamerikanischen Unternehmen konnten bislang hauptsächlich von der steigenden Rohstoffnachfrage und Preise profitieren, die schließlich auch den Binnenmarkt ankurbelten.
Die starke Abhängigkeit lateinamerikanischer Märkte stellt nicht zuletzt auch die Entwicklung in den USA dar. Beispielsweise beträgt der Exportanteil Mexikos in die USA rund 85 Prozent! Ein Großteil der Erze für die Stahlherstellung der CVRD fließt nach China. Und die Rinderexporte Argentiniens sind ebenfalls primär von der Nachfrage aus den Industriestaaten abhängig.
Auf den ersten Blick scheint für Südamerika einiges negativ. Auf den zweiten Blick ist weiterhin ein starkes Wachstum der Binnenmärkte erkennbar. Die technologischen Zentren sind auf erster Linie im Ethanolsektor Brasiliens zu sehen. Die steigende Ansiedlung forschender Automobilunternehmen in Brasilien bietet der Bevölkerung eine Reihe von Forschungsmöglichkeiten. Man kann wohl davon ausgehen, dass sich die Automobilforschung für alternative Treibstoffe auch künftig im Herzen der Ethanolindustrie Brasiliens ansiedeln wird. Denn Brasiliens Autos werden in drei Jahren ausschließlich mit „Mischmotoren“ (Ethanol und Benzin) hergestellt. Im Vergleich zu den entwickelten Ländern ist hier diese Technologie von der Regierung und Bevölkerung angetrieben respektive akzeptiert.
Halten wir also fest, dass Südamerika durchaus Technologiepotenzial besitzt. Es bleibt entscheidend, ob sich die Abkühlung des Weltwirtschaftswachstums weiterhin negativ auf die Rohstoffe auswirken wird, oder ob wir es hier nur mit einer Konsolidierung in einer Mega-Hausse zu tun haben. Hier „streiten“ sich die Experten. Aber, liebe Leserinnen und Leser: in jedem großen Zyklus gibt es Konsolidierungen, die schließlich „Treibstoff“ für neue Rekordhöhen bieten. Bleiben Sie also wachsam und laufen Sie nicht nur den kurzfristigen Zyklen hinterher, sondern betrachten das Gesamte. Dann werden auch Sie erkennen, dass die Langfrist-Story der Rohstoffe, Emerging Markets und Lateinamerikas noch lange nicht zu Ende ist.
Ihr
Rainer Hahn
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