Landwirtschaftliche Erzeugerpreise steigen im August um 5,5 Prozent
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 08:33 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSKartoffeln verteuern sich binnen Monatsfrist
- Die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise stiegen im August 2026 gegenüber Juli um 5,5 Prozent.
- Im Jahresvergleich lagen die Preise insgesamt noch 7,0 Prozent unter dem Niveau vom August 2025.
- Speisekartoffeln verteuerten sich gegenüber Juli nahezu doppelt und lagen 61,5 Prozent über dem Vorjahrespreis.
Die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte sind im August 2026 gegenüber dem Vormonat deutlich gestiegen. Gegenüber August 2025 lagen sie jedoch weiterhin 7,0 Prozent niedriger.
Pflanzliche Produkte legen deutlich zu
Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, betrug der Anstieg gegenüber Juli 5,5 Prozent. Das war der stärkste Zuwachs im Vormonatsvergleich seit März 2022, als die Getreidepreise nach dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine stark gestiegen waren.
Die Preise für pflanzliche Erzeugnisse erhöhten sich im August binnen Jahresfrist um 12,3 Prozent. Gegenüber dem Vormonat betrug der Anstieg 11,1 Prozent. Damit gab es erstmals seit Juli 2024 wieder einen Zuwachs gegenüber dem jeweiligen Vorjahresmonat.
Kartoffeln und Gemüse treiben den Anstieg
Besonders stark verteuerten sich Speisekartoffeln. Ihr Preis lag 61,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats; gegenüber Juli stieg er um 93,0 Prozent. Im Juli hatte die Vorjahresveränderung noch bei minus 45,4 Prozent gelegen.
Auch Gemüse wurde teurer. Eissalat kostete 72,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, Tomaten 27,8 Prozent und Gurken 15,4 Prozent. Blumenkohl und Kohlgemüse verbilligten sich dagegen um 14,7 beziehungsweise 6,4 Prozent.
Getreidepreise steigen, Obst wird günstiger
Getreide verteuerte sich binnen Jahresfrist um 11,5 Prozent und gegenüber Juli um 4,1 Prozent. Bei Handelsgewächsen stiegen die Preise um 7,9 Prozent, bei Raps um 13,6 Prozent. Futterpflanzen kosteten 4,3 Prozent mehr, Wein 0,6 Prozent mehr als im August 2025.
Anders entwickelte sich Obst: Die Erzeugerpreise lagen 20,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Tafeläpfel verbilligten sich um 32,9 Prozent, Erdbeeren um 6,4 Prozent.
Milch und Schlachtschweine deutlich billiger
Die Preise für Tiere und tierische Erzeugnisse sanken im Jahresvergleich um 16,6 Prozent. Milch war 23,9 Prozent günstiger als im August 2025, gegenüber Juli stieg der Milchpreis allerdings um 1,5 Prozent.
Bei Eiern gab es dagegen einen Jahresanstieg von 7,9 Prozent. Die Preise für Tiere insgesamt gingen um 13,4 Prozent zurück. Schlachtschweine verbilligten sich um 19,0 Prozent, Rinder um 12,9 Prozent und Geflügel um 2,5 Prozent; Hähnchen kosteten 4,6 Prozent weniger.
Die Augustdaten zeigen eine deutliche Verschiebung innerhalb der landwirtschaftlichen Preisstruktur. Der kräftige Monatsanstieg von 5,5 Prozent fällt vor allem bei pflanzlichen Erzeugnissen ins Gewicht: Kartoffeln, Gemüse und Getreide verteuerten sich binnen Jahresfrist, während Obst deutlich günstiger wurde.
Preise reagieren auf Erntemengen
Bei Agrarprodukten können Erntemengen, Witterung und der verfügbare Lagerbestand die Preise innerhalb weniger Monate stark verändern. Besonders ausgeprägt ist diese Wirkung bei Speisekartoffeln. In Brandenburg wird für 2026 nach vorläufigen Zahlen eine deutlich geringere Erntemenge erwartet als im Vorjahr. Das passt zum starken Anstieg der Kartoffelerzeugerpreise, erklärt ihn aber nicht allein für den gesamten deutschen Markt.
Die gegenläufige Entwicklung bei tierischen Produkten dämpft den Gesamtindex. Vor allem der Milchpreis liegt deutlich unter dem Vorjahresniveau, während Eier teurer sind. Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet der Durchschnittswert daher sehr unterschiedliche Entwicklungen: Ackerbau und bestimmte Gemüsearten profitieren derzeit von höheren Erlösen, Milchvieh- und Schweinehalter stehen dagegen unter stärkerem Preisdruck.
Auswirkungen für Verbraucher
Erzeugerpreise werden nicht eins zu eins an den Einzelhandel weitergegeben. Verarbeitung, Handel, Energie, Logistik und Verträge beeinflussen den späteren Ladenpreis. Gleichwohl können anhaltend höhere Preise bei Kartoffeln, Gemüse und Getreide mittelbar auf Lebensmittelkosten wirken, während sinkende Milch- und Obstpreise entlastend wirken können.
Der starke Monatsanstieg markiert zudem eine schnelle Marktbewegung, aber noch keine allgemeine Rückkehr zu höheren Agrarpreisen: Im Jahresvergleich liegt der Gesamtindex weiterhin deutlich niedriger. Entscheidend wird sein, ob sich die pflanzlichen Preisanstiege in den folgenden Monaten fortsetzen und wie sich Milch-, Fleisch- und Obstpreise entwickeln.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
rbb24: „Kartoffelernte in Brandenburg eingebrochen - rbb24“ (12.10.2026)
Der Beitrag berichtet über eine voraussichtlich deutlich geringere Kartoffelernte in Brandenburg und setzt damit einen regionalen Schwerpunkt. Er ergänzt die bundesweiten Preisdaten um den möglichen Zusammenhang zwischen Erntemenge und Kartoffelpreisen.
Der Bericht bestätigt die angespannte Entwicklung bei Kartoffeln, behandelt jedoch nicht die gegenläufigen Preisbewegungen bei Milch, Fleisch und Obst. Offen bleibt, wie stark der regionale Ernterückgang die bundesweite Preisentwicklung beeinflusst.
Gemeinsam ist der Berichterstattung der Blick auf Kartoffeln als besonders beweglichen Markt; der dts-Faktenkern ordnet diesen Anstieg zugleich in die breitere Entwicklung aller landwirtschaftlichen Erzeugerpreise ein.
