Landwirtschaft, Bund

Landwirtschaft: Bund stellt 1 Mrd. € Hilfspaket gegen Dürrekrise bereit

Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 07:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nach Ernteverlusten durch Trockenheit plant der Bund ein Hilfspaket über 1 Milliarde Euro und höhere Direktzahlungen für 2027.

Deutsche Landwirtschaft in Krise: Bund plant Hilfen über 1 Milliarde Euro
Ein ausgetrocknetes, rissiges Feld mit verdorrten Getreideresten unter einem weiten, hellen Himmel. Illustration mit AI erstellt.

Angesichts massiver Ernteausfälle hat Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) am 2. September 2026 eine „Krise nationaler Tragweite“ für die deutsche Landwirtschaft ausgerufen. Damit reagiert das Ministerium auf die anhaltende Trockenheit, die in vielen Regionen zu deutlichen Ertragsminderungen geführt hat.

Rainer betonte dabei jedoch, dass es sich formal nicht um ein „Schadensereignis nationalen Ausmaßes“ handle. Um die Existenz der Betriebe zu sichern, kündigte der Minister ein umfangreiches Hilfspaket mit einem Volumen von über 1 Mrd. € an.

Finanzielle Sofortmaßnahmen und Liquiditätssicherung

Das vorgestellte Hilfsprogramm setzt an verschiedenen Stellen an, um die angespannte finanzielle Lage der Landwirte zu entschärfen. Laut Minister Rainer leide derzeit etwa jeder dritte landwirtschaftliche Betrieb unter Liquiditätsproblemen.

Ein wesentlicher Baustein der Hilfe ist die Aufstockung des Liquiditätsprogramms I der Rentenbank um 300 Mio. € auf nun insgesamt 500 Mio. €. Parallel dazu verhandle das Ministerium über ein zweites Programm, das zinsgünstige Darlehen mit einem Zinssatz von etwa 1 % vorsieht.

Für das Jahr 2027 ist zudem eine einmalige Erhöhung der Direktzahlungen um 700 Mio. € geplant. Nach Angaben der Bundesregierung vom 3. September 2026 werden diese Zahlungen damit von 4,1 Mrd. € im laufenden Jahr auf 4,9 Mrd. € im kommenden Jahr steigen.

Weitere Entlastungen sollen durch steuerliche Erleichterungen, Stundungen sowie die gezielte Förderung von Mehrgefahrenversicherungen erreicht werden. Auch die Fischerei erhält Unterstützung: Hier ist eine Diesel-Erstattung in Höhe von 4,5 Mio. € vorgesehen.

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Erntebericht 2026 zeigt deutliche Ertragsrückgänge

Die Grundlage für die Einstufung als nationale Krise bildet der amtliche Erntebericht 2026, den Rainer ebenfalls am 2. September vorlegte. Der Minister sprach angesichts der Zahlen von einer herben Enttäuschung. Die gesamte Getreideernte beläuft sich demnach auf 37,4 Mio. t, was einem Rückgang von 7,3 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Besonders betroffen ist der Winterweizen, dessen Erntemenge um 10,4 % auf 20,2 Mio. t sank.

Noch deutlicher fielen die Verluste in anderen Kulturen aus:
- Die Rapsernte ging um 11,5 % auf 3,5 Mio. t zurück.
- Beim Mais wurde ein Mengenrückgang von 16 % und ein Ertragsminus von 24,2 % verzeichnet.
- Die Erträge bei Zuckerrüben sanken um 7 %.

Regional zeigen sich starke Unterschiede. Während Bayern bei der Getreideernte ein Minus von 8,6 % verzeichnete, meldete Mecklenburg-Vorpommern bei Raps einen Einbruch von 25 %. Neben der Witterung führte Rainer auch steigende Produktionskosten infolge internationaler Konflikte als belastenden Faktor für die Branche an.

Forderungen der Verbände und wissenschaftliche Einordnung

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Zusätzlich zu den nationalen Mitteln stellte der Minister EU-Düngemittelhilfen in Höhe von 60 Mio. € in Aussicht. Der Deutsche Bauernverband kritisierte diese Summe jedoch als unzureichend und forderte eine Aufstockung auf 180 Mio. € sowie eine vorzeitige Auszahlung der Mittel.

Kritik an der Struktur der Hilfen kam unterdessen von wissenschaftlicher Seite. Die Agrarökonomen Lakner und Balmann bezeichneten die Subventionen als umweltschädlich. Das Ministerium verwies hingegen darauf, dass auch langfristige Maßnahmen Teil der Strategie seien. So würden derzeit 240 Züchtungsprojekte gefördert, um die Landwirtschaft widerstandsfähiger gegen klimatische Veränderungen zu machen.

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