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Lagarde warnt vor weiter steigender Inflation – EZB hebt Zinsen an und treibt digitalen Euro voran

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 13:42 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellt die Menschen im Euroraum auf zunächst weiter steigende Preise ein, erwartet aber mittelfristig sinkende Inflationsraten. Zugleich treibt die Notenbank mit höheren Zinsen und einem geplanten digitalen Euro ihren Kurs zur Stabilisierung des Euro voran.

EZB-Präsidentin Lagarde rechnet mit weiter steigender Inflation bis Ende 2026. - Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa
EZB-Präsidentin Lagarde rechnet mit weiter steigender Inflation bis Ende 2026. - Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa

EZB-Präsidentin Christine Lagarde rechnet im Euroraum zunächst mit weiter steigender Inflation, stellt aber mittelfristig wieder sinkende Teuerungsraten in Aussicht.

Inflation im Euroraum steigt zunächst weiter

Lagarde sagte dem Nachrichtenportal "ZDFheute.de", nach den aktuellen Prognosen der Europäischen Zentralbank werde die Inflation bis Ende 2026 weiter steigen. Sie werde damit zunächst schlimmer, bevor sie wieder besser werde, sagte die Notenbankchefin. Zugleich betonte sie, dass sie mit einer anschließenden Rückkehr zu niedrigeren Inflationsraten rechnet.

Der Iran-Krieg habe die Ölpreise stark nach oben getrieben und damit die Verbraucherpreise im Euroraum zusätzlich angeheizt. Im August lag die Inflationsrate bei 3,3 Prozent und damit weiterhin deutlich über dem EZB-Ziel von 2,0 Prozent mittelfristig. Besonders Tanken und Heizen haben sich spürbar verteuert.

EZB erhöht Einlagenzins auf 2,5 Prozent

Als Reaktion auf die anhaltend hohe Teuerung hat die EZB am Donnerstag den für Sparer und Banken wichtigen Einlagenzins auf 2,5 Prozent angehoben. Damit will die Notenbank die Inflation dämpfen und zugleich die Preisstabilität im Euroraum sichern. Höhere Zinsen können die Kreditvergabe bremsen und die Konjunktur abkühlen, sollen aber den Preisdruck mittelfristig reduzieren.

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel schließt weitere Zinserhöhungen nicht aus. Es sei noch zu früh, um konkrete Schritte zu skizzieren, sagte er dem Sender CNBC. Die künftige Entwicklung hänge entscheidend von den Energiepreisen ab. Nagel erklärte, er könne nicht ausschließen, dass die Notenbank in einen "leicht restriktiven Bereich" vordringe, also ein Zinsniveau ansteuere, das das Wirtschaftswachstum etwas dämpft.

Energiepreise treiben Inflationsrisiken

Als wichtiges Risiko für die weitere Preisentwicklung nannte Nagel die Ölpreise. Die Notierungen der Nordseesorte Brent waren zuletzt über die Marke von 100 Dollar je Barrel (159 Liter) gestiegen. Inzwischen liegen sie nach seinen Angaben bei fast 110 Dollar. Der Anstieg verteuert nicht nur Kraftstoffe, sondern schlägt auch auf Transportkosten und viele andere Bereiche der Wirtschaft durch.

Lagarde hatte bereits nach dem jüngsten Zinsentscheid klargemacht, dass die Inflation im Euroraum "für einen längeren Zeitraum" deutlich über dem EZB-Zielwert bleiben dürfte. Nach der aktuellen Prognose der Zentralbank wird für dieses Jahr eine Inflation von 3,0 Prozent erwartet. Auch in den Jahren 2027 mit 2,5 Prozent und 2028 mit 2,1 Prozent wird der Zielwert von 2,0 Prozent demnach verfehlt.

EZB treibt digitalen Euro voran

Im Gespräch mit "ZDFheute.de" hob Lagarde daneben die Bedeutung eines digitalen Euro hervor. Sie verwies darauf, dass die Menschen zunehmend online einkaufen und digitale Zahlungsformen nutzen. Deshalb müsse die Europäische Zentralbank sicherstellen, dass auch Zentralbankgeld digital verfügbar sei. Man dürfe von diesem Spiel nicht ausgeschlossen werden, sagte die EZB-Präsidentin.

Lagarde betonte, dass es weiterhin Banknoten geben werde, die sie als "schön" bezeichnete, und ergänzend einen digitalen Euro. Falls der Zahlungsverkehr noch stärker digitalisiert werde, müsse die Zentralbank mit beiden Formen von Geld präsent sein: mit Bargeld und mit einer digitalen Variante.

Digitaler Euro soll Bargeld ergänzen

Der geplante digitale Euro soll das bestehende Euro-Bargeld ergänzen, aber nicht ersetzen. Ziel ist es, den Bürgerinnen und Bürgern ein sicheres, staatlich gestütztes digitales Zahlungsmittel zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig wollen die Euro-Notenbanken damit US-Anbietern wie Paypal, Mastercard und Visa, die den Markt für digitale Zahlungen in Europa dominieren, ein eigenes europäisches Angebot entgegensetzen.

Die Einführung des digitalen Euro ist für das Jahr 2029 angepeilt. Bis dahin arbeiten die Notenbanken des Euroraums an technischen, rechtlichen und praktischen Fragen, etwa zur Ausgestaltung von Datenschutz, Zugänglichkeit und der Einbindung des digitalen Euro in bestehende Zahlungssysteme.

Inflationsschub durch Iran-Krieg und Energiepreise

Die Aussagen von Christine Lagarde fallen in eine Phase erhöhter Unsicherheit im Euroraum. Der Iran-Krieg hat die Ölpreise deutlich steigen lassen, was sich direkt in höheren Kosten für Tanken und Heizen niederschlägt. In einer hoch industrialisierten und stark vom Außenhandel geprägten Wirtschaft schlägt ein solcher Preisschub erfahrungsgemäß rasch auf viele andere Güter und Dienstleistungen durch. Damit erhöht sich der Druck auf private Haushalte und energieintensive Unternehmen, die bereits in den vergangenen Jahren mehrere Inflationswellen verkraften mussten.

Mit der Anhebung des Einlagenzinses auf 2,5 Prozent signalisiert die Europäische Zentralbank, dass sie entschlossen bleibt, die Teuerung wieder in Richtung ihres Zielwerts von 2,0 Prozent zu führen. Höhere Zinsen verteuern Kredite und können Investitionen bremsen, sie stabilisieren aber zugleich die Währung und wirken dämpfend auf die Nachfrage. Lagardes Hinweis, die Inflation werde „schlimmer, bevor sie besser wird“, unterstreicht, dass die Notenbank trotz des aktuellen Preisdrucks an einer mittelfristigen Beruhigung der Lage festhält.

Belastung für Verbraucher und Unternehmen

Für Verbraucher bedeutet die aktuelle Entwicklung, dass die Kaufkraft im Alltag weiter unter Druck bleibt. Steigende Energiepreise treffen insbesondere Pendler, Haushalte mit schlechter gedämmten Wohnungen und Betriebe, die viel Strom und Wärme benötigen. Gleichzeitig profitieren Sparer von den höheren Einlagenzinsen, während Kreditnehmer – etwa mit variablen Zinsen oder neuen Finanzierungen – mit zusätzlichen Belastungen rechnen müssen. Die Ankündigung eines gegebenenfalls „leicht restriktiven“ Zinsniveaus macht deutlich, dass die EZB bereit ist, ein geringeres Wachstum zu akzeptieren, um die Inflation nachhaltig zu begrenzen.

Digitaler Euro als strategische Antwort

Die von Lagarde hervorgehobene Bedeutung des digitalen Euro fügt sich in eine langfristige strategische Neuausrichtung der europäischen Geldpolitik. Der digitale Euro soll das bestehende Bargeld ergänzen und zugleich eine Alternative zu dominierenden US-Zahlungsanbietern schaffen. Für die Bürgerinnen und Bürger könnte dies auf Dauer mehr Auswahl und stabile, staatlich gestützte Infrastruktur bei digitalen Zahlungen bedeuten. Zugleich bleibt Bargeld ausdrücklich erhalten, was die Rolle des Euro als allgemein zugängliches Zahlungsmittel sichert und Sorgen vor einer vollständigen Ablösung der Banknoten adressiert.

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