Ladeinfrastruktur, Lastwagen

Ladeinfrastruktur für Lastwagen: Nur 355 Punkte, 4.200 geplant

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 20:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der VDA kritisiert den langsamen Ausbau für Elektro-Lkw: Bis 2030 fehlen laut Branche öffentliche Ladepunkte und erhebliche Leistung.

VDA warnt vor Ladeengpass für Elektro-Lkw bis 2030
Moderne Ladesäulen für Elektro-Lkw an einer leeren Autobahnraststätte bei Dämmerung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) sieht den schleppenden Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektro-Lastwagen als eine der größten Hürden für die Dekarbonisierung des Güterverkehrs in Deutschland.

VDA-Präsidentin Müller kritisierte in einer aktuellen Stellungnahme, dass der Fortschritt beim Aufbau notwendiger Ladepunkte nur sehr langsam vorankomme. Sie bezeichnete die aktuelle Situation als zentralen Engpass für die Branche und betonte, dass ein immenser Nachholbedarf bestehe, um die gesteckten Klimaziele im Verkehrssektor zu erreichen.

Geringe Abdeckung im deutschen Autobahnnetz

Die aktuellen Zahlen verdeutlichen die Herausforderung für Fuhrparkbetreiber und Logistikunternehmen. Im Juli 2026 wurden in Deutschland lediglich 88 Standorte registriert, an denen insgesamt 355 Ladepunkte speziell für Elektro-Lastwagen zur Verfügung standen. Angesichts der wachsenden Zahl an elektrisch betriebenen schweren Nutzfahrzeugen auf den Straßen gilt diese Abdeckung als unzureichend.

Die Planungen der Bundesregierung sehen vor, das Netz bis zum Jahr 2030 deutlich zu erweitern. Bis dahin sollen deutschlandweit 4.200 öffentliche Ladepunkte an 350 Standorten entstehen.

Das Ausbaukonzept unterscheidet dabei zwischen verschiedenen Techniken: Geplant sind 1.800 Ladepunkte mit dem sogenannten Megawatt Charging System (MCS), das besonders kurze Ladezeiten für schwere Lkw ermöglicht, sowie 2.400 normale Ladepunkte.

VDA-Präsidentin Müller hält diese Ziele jedoch für zu niedrig angesetzt. Nach Einschätzung des Verbandes liege der tatsächliche Bedarf bis 2030 allein bei den leistungsstarken MCS-Säulen bei mindestens 4.000 Einheiten.

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Europäische Perspektive und enorme Leistungslücken

Nicht nur national, sondern auch auf europäischer Ebene hinkt die Infrastruktur den Anforderungen hinterher. Im Juli 2026 gab es in ganz Europa lediglich 730 Ladepunkte, die eine Leistung von mehr als 350 kW bereitstellen konnten. Analysten beziffern den tatsächlichen Bedarf für einen reibungslosen grenzüberschreitenden Warenverkehr bis zum Jahr 2030 auf rund 35.000 solcher Hochleistungsladepunkte.

Ein wesentlicher Faktor für den Erfolg der Antriebswende ist zudem die verfügbare elektrische Gesamtleistung. Für den Betrieb einer flächendeckenden E-Lkw-Flotte in Deutschland wird eine Ladeleistung von insgesamt 14 GW benötigt. Die derzeitige Bilanz zeigt hier ein deutliches Defizit: Im öffentlichen Raum sind bislang lediglich 2,6 GW verfügbar.

Fokus auf das Depotladen

Aufgrund der mangelnden öffentlichen Infrastruktur verlagert sich die Verantwortung für die Energieversorgung der Fahrzeuge zunehmend in den privaten Sektor.

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Von den benötigten 14 GW Ladeleistung müssen laut Branchenexperten etwa 11 GW über das sogenannte Depotladen bereitgestellt werden. Das bedeutet, dass Logistikunternehmen gezwungen sind, den Großteil der Ladevorgänge auf ihren eigenen Betriebshöfen abzuwickeln. Dies setzt jedoch voraus, dass die Stromanschlüsse an den Unternehmensstandorten entsprechend massiv ausgebaut werden, was oft mit hohen Investitionen und langwierigen Genehmigungsverfahren verbunden ist.

Der VDA mahnt an, dass ohne eine beschleunigte staatliche Förderung und vereinfachte Verfahren für den Infrastrukturausbau die umstellung auf emissionsfreie Antriebe im Schwerlastverkehr ins Stocken geraten könnte. Der Ausbau der öffentlichen Ladenetze müsse mit der Markteinführung neuer Fahrzeugmodelle Schritt halten, um die Versorgungssicherheit für Logistiker zu gewährleisten.

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