Ladeinfrastruktur: BSI fordert verbindliche Cybersicherheit bis 2029
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 03:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat ein Eckpunktepapier für verbindliche Cyber-Sicherheitsvorgaben der öffentlichen Ladeinfrastruktur vorgelegt. Die Behörde reagiert damit auf wachsende Risiken bei der digitalen Steuerung und Kommunikation zwischen Ladepunkten und Netzbetreibern. Konkrete Forderungen stellte das BSI am 4. August vor.
Einheitliche Standards bis 2029
Das Papier entstand gemeinsam mit dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr, dem Innenministerium, dem Wirtschaftsministerium und der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur. Ziel sind einheitliche Sicherheitsmaßnahmen und sogenannte „Quick Wins“ für schnelle Verbesserungen im bestehenden Netz. Die Umsetzung ist zwischen 2027 und 2029 geplant. Einen akuten Alarmzustand sieht das BSI nicht – doch die zunehmende Vernetzung erfordere präventive Maßnahmen. Regelmäßige Überprüfungen und europaweite Standards sollen Teil der Vorgaben werden.
NIS2-Frist abgelaufen: Bußgelder drohen
Der Vorstoß kommt in eine Phase verschärfter Regulierung. Ende Juli endete die Nachfrist zur Registrierung unter der NIS2-Richtlinie. Rund zwei Drittel der geschätzten 29.500 betroffenen Unternehmen haben sich bislang registriert – über 19.000 Einrichtungen. Wer die Meldepflicht versäumt, muss mit Bußgeldern bis zu zehn Millionen Euro oder zwei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes rechnen.
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Auch der EU Cyber Resilience Act rückt näher: Ab dem 11. September gelten erste Meldepflichten für Hersteller, volle Produktpflichten folgen bis Ende 2027. Die Maschinenverordnung verlangt ab Januar 2027 ebenfalls Cybersecurity-Anforderungen. Behörden müssen bei IT-Beschaffungen künftig auch die Lieferkettensicherheit bewerten.
Smart Meter: Deutschland hinkt hinterher
Der Ausbau der Ladeinfrastruktur ist zentral für die EU-Elektrifizierungspläne: Bis 2040 soll Strom 46 Prozent des Endenergieverbrauchs decken. Bidirektionales Laden (Vehicle-to-Grid) wird für neue E-Autos bis Ende 2027 Pflicht. In Deutschland gibt es aktuell 209.605 Ladepunkte – doch die intelligente Steuerung hakt: Nur 5,5 Prozent der Anschlüsse haben Smart Meter. Die EU fordert 50 Prozent bis 2031 und 65 Prozent bis 2034.
Physische Gefahren und offene Schnittstellen
Neben digitalen Bedrohungen bleibt auch die physische Sicherheit relevant. In Köln rüstete ein Betreiber nach einer Serie von Kabeldiebstählen nach – rund 60 Fälle zwischen Januar und Oktober 2025, der Schaden pro Diebstahl lag bei 5.000 bis 8.000 Euro.
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Das Unternehmen Floatbridge kündigte am 4. August ein Projekt zur herstellerübergreifenden Vernetzung von Ladeinfrastruktur an. Branchenexperten warnen derweil vor Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern in Smart-City-Projekten und empfehlen offene Schnittstellen sowie kommunale Datenhoheit. Dass die Gefahr real ist, zeigen Vorfälle in den USA: Ende Juli wurden über 30 Wasserwerke Ziel von Angriffen. In Deutschland gelten die strengen KRITIS-Pflichten für Wasserwerke erst ab 500.000 versorgten Personen.
