Kupferpreise, Rohstoffversorgung

Kupferpreise steigen auf 13.000 Euro je Tonne

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 15:46 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Kupfer wird für Stromnetze, Elektrofahrzeuge und Rechenzentren gebraucht. Gleichzeitig könnten sinkende Erzgehalte und langwierige Minenprojekte das Angebot begrenzen.

Kupferhandel und globale Verarbeitung

  • Die Londoner Metallbörse verlangt für eine Tonne Kupfer inzwischen ungefähr 13.000 Euro.
  • Chile liefert annähernd ein Viertel des weltweit geförderten Kupfererzes.
  • China verarbeitet mehr als die Hälfte des weltweit produzierten Rohkupfers.
  • Kupfer kann wieder und wieder recycelt werden. (Archivbild) - Bild: Marcus Brandt/dpa
  • In der Aurubis-Hütte in Hamburg wird hochreines Kupfer produziert. (Archivbild) - Bild: Marcus Brandt/dpa
  • Panamas Regierung hat das größte Kupferbergwerk des Landes 2023 nach Protesten geschlossen. (Archivbild) - Bild: Matias Delacroix/AP/dpa
  • Der Netzausbau in China hat laut IEA die Nachfrage nach Kupfer steigen lassen. (Archivbild) - Bild: Hu Huhu/Xinhua/dpa
Kupfer kann wieder und wieder recycelt werden. (Archivbild) - Bild: Marcus Brandt/dpa In der Aurubis-Hütte in Hamburg wird hochreines Kupfer produziert. (Archivbild) - Bild: Marcus Brandt/dpa Panamas Regierung hat das größte Kupferbergwerk des Landes 2023 nach Protesten geschlossen. (Archivbild) - Bild: Matias Delacroix/AP/dpa Der Netzausbau in China hat laut IEA die Nachfrage nach Kupfer steigen lassen. (Archivbild) - Bild: Hu Huhu/Xinhua/dpa

Kupfer wird zum Engpass der Elektrifizierung

Die Kupferpreise steigen und steigen: An der Londoner Metallbörse kostet eine Tonne nach starken Schwankungen inzwischen ungefähr 13.000 Euro. Seit Jahresbeginn hat sich das Metall damit um mehr als 20 Prozent verteuert, während Diebe Kupfer aus Solarparks, Ladesäulen und leerstehenden Häusern stehlen.

Leiter für Strom und Wärme

Kupfer ist formbar und korrosionsbeständig; nur Silber leitet Strom und Wärme noch besser. Weil Silber jedoch vielfach teurer ist, wird Kupfer in Generatoren, Stromleitungen, Elektroautos, Batterien, Windturbinen und Solarzellen eingesetzt.

Auch der Bau benötigt das Metall für Wasserrohre, Dachrinnen und Schindeln. Die Nachfrage dürfte weiter wachsen: Die Internationale Energieagentur rechnet in einem mittleren Szenario bis 2040 mit einem Anstieg um ein Viertel, während S&P Global sogar eine Zunahme um die Hälfte erwartet.

Elektroautos und Netze treiben Bedarf

Ein Elektroauto enthält bis zu viermal so viel Kupfer wie ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Zusätzlich steigt der Bedarf durch den Ausbau der Stromnetze, den die IEA insbesondere in China als wichtigen Treiber nennt, sowie durch neue Rechenzentren mit hohem Stromverbrauch.

Versorgungslücke bis 2035 möglich

Ob die Bergbauproduktion mithalten kann, ist nach Einschätzung der IEA nicht gesichert. Möglich sei bis 2035 eine Versorgungslücke von 25 Prozent.

Der durchschnittliche Erzgehalt in Minen ist nach Angaben des Bergbauunternehmens BHP seit 1991 um 40 Prozent gesunken. Der Bau neuer Bergwerke ist teuer und dauert mehrere Jahre.

Förderung konzentriert sich auf wenige Länder

Die wichtigsten Herkunftsländer des Kupfererzes sind Chile, die Demokratische Republik Kongo und Peru. China folgt auf Platz vier; auf Chile entfällt annähernd ein Viertel der Förderung.

Mehr als die Hälfte des produzierten Rohkupfers wird nach Angaben der Internationalen Kupferstudiengruppe in chinesischen Hütten verarbeitet. Zu den größten Kupferhütten zählt auch die Anlage des Hamburger Unternehmens Aurubis.

Vorräte reichen, Ausbau bleibt schwierig

Von einem baldigen Ende der Kupfervorräte ist nicht auszugehen. Der Geologische Dienst der Vereinigten Staaten schätzt die weltweit als Reserve abbaubare Menge auf 980 Millionen Tonnen; zusätzlich ist mehr als doppelt so viel Kupfer identifiziert.

Kupfer lässt sich ohne Qualitätsverlust beliebig oft recyceln. Die Weltbank rechnet in ihrem am Mittwoch erschienenen Rohstoffmarktbericht zwar mit sinkenden Preisen in den kommenden zwei Jahren, erwartet sie aber weiterhin nahe den Rekordhöhen.

Auswirkungen auf Bau und Stromkosten

Hohe Kupferpreise treffen vor allem Bereiche, die große Mengen des Metalls benötigen, etwa den Bau. Der Netzausbau kann zudem die Netzentgelte beeinflussen, die Bestandteil des Strompreises sind.

Bei Elektrogeräten und Fahrzeugen dürfte der Kupferanteil an den Gesamtkosten dagegen meist vergleichsweise gering bleiben. Für Anleger bieten ETC, einzelne Unternehmen und Themenfonds Möglichkeiten, auf die Preisentwicklung zu setzen; Rohstoffmärkte bleiben jedoch volatil.

Der Kupfermarkt steht zwischen wachsender strategischer Bedeutung und begrenzter kurzfristiger Reaktionsfähigkeit. Kupfer wird für Stromnetze, erneuerbare Energien, Elektrofahrzeuge und Rechenzentren benötigt. Damit hängt die Nachfrage nicht nur von einzelnen Industriezweigen ab, sondern von mehreren großen Investitions- und Infrastrukturprojekten gleichzeitig.

Die von der Internationalen Energieagentur erwartete mögliche Versorgungslücke bis 2035 verweist auf ein strukturelles Problem: Neue Bergwerke lassen sich nicht kurzfristig errichten. Sinkende Erzgehalte, hohe Investitionskosten, lange Genehmigungsverfahren und Betriebsstörungen können das Angebot zusätzlich bremsen. Zugleich konzentriert sich die Förderung auf wenige Länder, während China bei Schmelzen und Raffination eine herausragende Rolle spielt.

Recycling und Preise als Gegengewicht

Die absehbare Knappheit bedeutet nicht, dass die weltweiten Kupfervorräte unmittelbar erschöpft wären. Neben neuen Minen kann Recycling das Angebot erweitern, weil Kupfer ohne Qualitätsverlust wiederverwendbar ist. Höhere Preise schaffen zudem Anreize für mehr Recycling und effizienteren Materialeinsatz, verteuern aber Projekte, die selbst den Ausbau der Elektrifizierung vorantreiben sollen.

Für Verbraucher dürften die Auswirkungen je nach Produkt unterschiedlich ausfallen. Im Bau und bei großen Netzinvestitionen kann Kupfer die Kosten spürbarer beeinflussen; bei Elektrogeräten und Fahrzeugen bleibt sein Anteil an den Gesamtkosten meist begrenzt. Für Anleger bleibt der Markt wegen seiner starken Abhängigkeit von Konjunktur, Industrieproduktion und Angebotsstörungen schwankungsanfällig.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Stern: „Rohstoffe: Warum die Kupferpreise Rekordhöhen erreichen“ (28.10.2026)

Der Beitrag bestätigt die Rekordpreise und stellt die wachsende Nachfrage durch Elektrifizierung und Netzausbau in den Mittelpunkt. Als zentrale offene Frage gilt auch dort, ob die Minenproduktion mit dem erwarteten Bedarf Schritt halten kann.

ntv: „Kupfer: Ist der Boom schon im Kurs?“ (28.10.2026)

Der Beitrag hebt neben dem Nachfrageboom die Attraktivität des Metalls für Diebe hervor. Anders als der Stern-Beitrag setzt er damit einen stärkeren Akzent auf die unmittelbaren Folgen der hohen Preise und auf die Frage, ob der Aufschwung bereits eingepreist ist.

Beide Beiträge verbinden den Preisanstieg mit der zunehmenden Bedeutung von Kupfer für die Elektrifizierung. Unterschiede liegen vor allem beim Schwerpunkt zwischen langfristiger Versorgungslücke und kurzfristiger Markt- sowie Kriminalitätsentwicklung.

Disclaimer...
de | wirtschaft | 70425812 |