Kununu-Urteile, OLG

Kununu-Urteile: OLG Hamburg stärkt Arbeitgeber bei Löschung von Bewertungen

Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Hamburger Gericht bestätigt: Firmen können unbegründete Kununu-Bewertungen leichter löschen lassen, wenn der Kontakt substantiiert bestritten wird.

OLG Hamburg: Kununu-Urteil stärkt Arbeitgeber bei Bewertungslöschungen
Personalmanager sitzt an einem modernen Schreibtisch in einem hellen Büro und schaut nachdenklich auf einen Laptop. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das Oberlandesgericht (OLG) Hamburg hat die Position von Unternehmen gegenüber Arbeitgeber-Bewertungsplattformen gefestigt. Durch einen Beschluss von Mitte Juli wurde ein vorangegangenes Urteil des Landgerichts Hamburg rechtskräftig, nachdem das Unternehmen Kununu seine Berufung in dem entsprechenden Verfahren zurückgezogen hatte. Für Arbeitgeber bedeutet dies eine Erleichterung bei der rechtlichen Durchsetzung von Löschanträgen gegen unbegründete Rezensionen.

Ende des Berufungsverfahrens schafft Rechtsklarheit

Mit dem Beschluss vom 13.07.2026 (Az. 7 U 8/25) endete eine juristische Auseinandersetzung vor dem OLG Hamburg, die weitreichende Folgen für die HR-Branche und das Reputationsmanagement von Unternehmen haben dürfte.

Der Plattformbetreiber Kununu nahm seine Berufung gegen eine Entscheidung der Vorinstanz zurück. Damit erlangte das Urteil des Landgerichts (LG) Hamburg vom 07.02.2025 (Az. 324 O 315/24) nunmehr endgültige Rechtskraft.

Im Kern ging es in dem Verfahren um die Frage, unter welchen Voraussetzungen eine Bewertungsplattform verpflichtet ist, kritische Einträge zu entfernen, wenn der betroffene Arbeitgeber bezweifelt, dass der Verfasser tatsächlich jemals im Unternehmen tätig war oder einen geschäftlichen Kontakt unterhalten hat.

Substantiiertes Bestreiten als Schlüssel zur Löschung

Die nun rechtskräftige Rechtsprechung konkretisiert die Prüfpflichten des Plattformbetreibers. Demnach haben Arbeitgeber das Recht, die Löschung einer Bewertung zu verlangen, wenn sie den geschäftlichen Kontakt zwischen dem Rezensenten und ihrem Unternehmen substantiiert bestreiten.

Anzeige

Wer sich mit der rechtssicheren Dokumentation von Beschäftigungsverhältnissen befasst, sollte auch beim Thema Arbeitszeugnis keine Fehler riskieren. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt, welche Formulierungen wirklich vor Gericht standhalten. Rechtssichere Arbeitszeugnisse jetzt erstellen

Ein solches Bestreiten liegt vor, wenn das Unternehmen glaubhaft darlegt, dass ein Mitarbeiter mit dem beschriebenen Hintergrund oder in dem genannten Zeitraum nicht existiert hat.

Juristen erläutern in diesem Zusammenhang, dass die bloße Behauptung eines fehlenden Kontakts oft ausreicht, um den Plattformbetreiber in die Pflicht zu nehmen.

In der Folge muss der Betreiber der Website den Nachweis erbringen, dass der Verfasser der Bewertung tatsächlich über eine entsprechende Tatsachengrundlage verfügt, also beispielsweise ein Beschäftigungsverhältnis bestand. Kann dieser Nachweis nicht geführt werden, ist die Bewertung zu entfernen.

Auswirkungen auf das Reputationsmanagement

Die Entscheidung stärkt die Handhabe von Personalabteilungen gegen anonyme Bewertungen, die ohne tatsächliche Grundlage veröffentlicht werden. Während die Meinungsfreiheit im Internet ein hohes Gut bleibt, unterstreicht das Hamburger Urteil, dass Bewertungsportale kein rechtsfreier Raum für Tatsachenbehauptungen ohne Beleg sind.

Anzeige

Ein professioneller Umgang mit dem Team ist die beste Prävention gegen spätere Streitigkeiten auf Bewertungsportalen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Leitfaden, wie Sie Entwicklungspotenziale erkennen und echte Leistungsanreize schaffen. Kostenlosen Praxisleitfaden zur Mitarbeiterentwicklung sichern

Für Unternehmen reduziert sich durch die Bestätigung der LG-Entscheidung das Risiko, durch unberechtigte Negativbewertungen Schaden am Arbeitgeberimage zu nehmen. Plattformen wie Kununu müssen ihre internen Prüfprozesse nun verstärkt darauf ausrichten, im Falle einer Beanstandung durch den Arbeitgeber zeitnah die Validität des Nutzerkontakts zu verifizieren.

Die Rücknahme der Berufung durch Kununu deutet darauf hin, dass der Betreiber die Aussichten auf eine für ihn günstigere Entscheidung in der nächsten Instanz als gering einstufte.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 69962362 |