Kündigungsschutz, Regierung

Kündigungsschutz: Regierung plant Erleichterung ab 177.000 Euro

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 13:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Zalando streicht 200 Stellen in Berlin und schließt das Logistikzentrum Erfurt. Ein Sozialplan für 2.100 Mitarbeiter wurde vereinbart.

Zalando-Stellenabbau: 200 Jobs in Berlin und Logistikzentrum in Erfurt betroffen
Moderne Glasfassade eines Bürogebäudes bei Dämmerung als Symbol für Unternehmensstrukturen und Personalentscheidungen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Online-Modehändler treibt seine Umstrukturierung voran. Rund 200 Stellen fallen am Berliner Hauptsitz weg, das Logistikzentrum in Erfurt schließt komplett. Das Management setzt auf Aufhebungsverträge nach dem Prinzip der doppelten Freiwilligkeit.

Tausende Jobs betroffen

Bereits 2025 hatte Zalando rund 450 Stellen im Kundendienst gestrichen. Nun folgt der nächste Schritt: Bis Ende September 2026 soll der Logistikstandort Erfurt dichtmachen. Rund 2.100 Beschäftigte sind betroffen, für sie wurde ein Sozialplan vereinbart.

Gleichzeitig baut Zalando international um. Ab Ende 2026 entsteht ein neuer Standort in Bukarest – zunächst mit 60 Stellen. Juristen warnen: Wer einen Aufhebungsvertrag unterschreibt, riskiert den Verlust des Kündigungsschutzes oder Sperrzeiten beim Arbeitslosengeld.

KI-Voreingenommenheit bei Meta vor Gericht

Ein Rechtsstreit in den USA sorgt für Aufsehen. Ehemalige Meta-Mitarbeiter haben Klage eingereicht. Ihr Vorwurf: KI-Tools hätten bei Entlassungswellen systematisch Personen benachteiligt, die medizinische oder familiäre Auszeiten genommen hatten oder behindert waren.

Meta weist die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen habe keine KI für die Auswahl von Entlassungen genutzt. Ein US-Bundesrichter lehnte eine einstweilige Verfügung ab. Eine ausführliche Anhörung ist für August 2026 geplant.

Anzeige

Angesichts massiver Umstrukturierungen und Sozialpläne ist es für Arbeitnehmervertreter entscheidend, ihre Mitbestimmungsrechte bei Kündigungswellen genau zu kennen. Dieser kostenlose Ratgeber unterstützt Betriebsräte dabei, faire Sozialpläne zu verhandeln und rechtssicher zu agieren. Kostenlosen Ratgeber für Betriebsräte jetzt herunterladen

Zusätzlich stoppte Meta im Juli ein internes Programm, das Mausbewegungen und Tastatureingaben von Nutzern erfasste. Das Unternehmen betont: Die Daten dienten ausschließlich dem KI-Training – nicht der Leistungsbewertung.

Regierung lockert Kündigungsschutz für Top-Verdiener

Die Bundesregierung plant eine Reform: Wer ab etwa 177.000 Euro Jahresgehalt verdient, soll leichter kündbar werden. Das Paket wurde Anfang Juli vorgestellt. Betroffen wären rund zwei Prozent der Vollzeitbeschäftigten in Deutschland.

Das Ifo-Institut diskutiert noch weitergehende Maßnahmen: Kündigungen bereits ab 101.400 Euro Einkommen oder verkürzte Kündigungsfristen nach internationalem Vorbild. Aktuell kosten Kündigungen in diesem Segment das 2,5-fache eines Jahresgehalts.

Gleichzeitig betont die Regierung die Bedeutung von Gründungen. Am 22. Juli bekräftigte sie ihre Start-up-Strategie. Im ersten Halbjahr 2026 gab es 3.053 Neugründungen in Deutschland – ein deutlicher Anstieg zum Vorhalbjahr.

Anzeige

Ob Kündigungswelle oder freiwilliges Ausscheiden – ein einvernehmlicher Abschied ohne teure Rechtsstreitigkeiten ist für beide Seiten oft der beste Weg. Wie Sie Aufhebungsverträge rechtssicher und ohne Kündigungsfristen aufsetzen, erfahren Sie in diesem Gratis-E-Book mit fertigen Musterformulierungen. Gratis-E-Book mit Musterformulierungen sichern

BAG verschärft Anforderungen an Kündigungen

Das Bundesarbeitsgericht hat gleich mehrere Grundsatzurteile gefällt. Eine Kündigung in der Probezeit ist unwirksam, wenn die Schwerbehindertenvertretung nicht ordnungsgemäß beteiligt wurde. Ein bloßer Vermerk reicht nicht.

Auch beim Zugang von Kündigungsschreiben wird es komplizierter: Ein Einwurf-Einschreiben gilt nicht zwingend als Beleg. Die elektronische Dokumentation erfolgt oft vor dem tatsächlichen Einwurf in den Briefkasten.

Das Landesarbeitsgericht Niedersachsen bestätigte im Sommer 2025 die Wirksamkeit einer fristlosen Kündigung nach vorsätzlicher Löschung betrieblicher Daten. Die Schwere der Pflichtverletzung machte eine Abmahnung überflüssig.

Krankenstand sinkt – aber die Belastung bleibt

Die Bremer Arbeitnehmerkammer veröffentlichte Daten für das erste Halbjahr 2026: Der Krankenstand sank leicht auf 5,1 Prozent. Doch die Stimmung in der Belegschaft ist angespannt. Mehr als jeder dritte Beschäftigte möchte die Arbeitszeit reduzieren. Ein ähnlicher Anteil bezweifelt, die Belastung bis zur Rente durchzuhalten.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wirtschaft | 69862260 |