Kritische, Infrastrukturen

Kritische Infrastrukturen: 54,7% der Betreiber melden Drohnenflüge

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 08:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bund und Netzbetreiber reagieren auf Sabotagegefahren, Drohnenflüge und offene Regeln für den Schutz kritischer Versorgungsanlagen.

Kritische Infrastruktur: Deutschland verschärft Schutz gegen Sabotage
Hochspannungsmast einer Freileitung in einer weiten, flachen Landschaft unter bedecktem Himmel. Illustration mit AI erstellt.

Der Schutz kritischer Infrastrukturen steht im Zentrum der bundesweiten Sicherheitsdebatte. Bei der Bundesregierung koordiniert ein ressortübergreifender Stab unter Leitung des Bundesinnenministeriums die Maßnahmen; beteiligt ist eine Staatssekretärsrunde aller Ministerien sowie des Kanzleramts.

Eine Erreichbarkeit rund um die Uhr ist über das gemeinsame Lagezentrum vorgesehen. Bundesinnenministerin Nancy Faeser betonte in diesem Zusammenhang, dass Sabotageakte an Ostsee-Pipelines sowie an Anlagen der Bahn die höchste Priorität für den Schutz sensibler Versorgungsnetze belegen.

Gesetzlicher Rahmen und Forderungen der Netzbetreiber

Während das KRITIS-Dachgesetz seit März in Kraft ist, steht die entsprechende Rechtsverordnung bislang noch aus. Diese Verzögerung sorgt in der Versorgungswirtschaft für Unsicherheit. Netze BW, der größte Verteilnetzbetreiber in Baden-Württemberg, dringt auf eine Klärung von Zuständigkeiten, Veröffentlichungspflichten sowie der Finanzierung des Notfallmanagements.

Das Unternehmen hat personell bereits reagiert, drei zusätzliche Mitarbeiter eingestellt und eine eigene Stelle ausschließlich für den Sabotageschutz geschaffen. Ein Sicherheitsexperte unterstrich diesbezüglich die infrastrukturelle Herausforderung: Je größer eine Anlage sei, desto schwieriger lasse sich ein Sabotageakt im Ernstfall kompensieren.

Auch die Betreiber großer Offshore-Projekte fordern verlässliche Rahmenbedingungen. Vattenfall entwickelt rund 85 Kilometer vor Borkum die Offshore-Windprojekte Nordlicht I und II mit einer Gesamtleistung von über 1,6 Gigawatt. Der Deutschlandchef des Energiekonzerns, Robert Zurawski, forderte klare behördliche Zuständigkeiten und erklärte, die Problematik ende bei solchen Großprojekten nicht am Werkszaun.

Netzsicherheit und Zwischenfälle im Energiesektor

Das deutsche Stromnetz umfasst nach Angaben des Stadtwerkeverbands VKU rund 250 Umspannwerke sowie rund 130.000 Kilometer Hoch- und Höchstspannungsleitungen. Der Verband fordert erweiterte rechtliche und praktische Möglichkeiten, um Anlagen vor Angriffen zu schützen.

VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing gab auf dem VKU-Kongress in Berlin zu bedenken, dass bestehende Datenschutzvorgaben eine lückenlose Videoüberwachung verhinderten und den Betreibern dadurch die Hände gebunden seien. Auch RWE-Chef Markus Krebber forderte einen besseren Schutz der Stromnetze.

Dass die Bedrohung real ist, verdeutlichte der Ermittlungserfolg nach einer Sabotage-Serie: Ein 48-jähriger Mann wurde festgenommen, weil er in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen Stromleitungen in der Nähe von Kohlekraftwerken sabotiert haben soll.

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Zunehmende Bedrohung aus der Luft durch Drohnen

Ein wachsendes Risikofeld stellt der Luftraum über sensiblen Einrichtungen dar. Eine Umfrage des Verbands BSKI gemeinsam mit dem Unternehmen Droniq aus dem August 2026 unter 104 Teilnehmern zeichnet ein deutliches Lagebild: 54,7 Prozent der befragten Kritis-Betreiber registrierten innerhalb von zwölf Monaten unautorisierte Drohnenflüge.

Gleichzeitig gaben 46,5 Prozent an, bisher keinerlei Maßnahmen zur Detektion umgesetzt zu haben. Insgesamt stuften 46,2 Prozent der Teilnehmer Drohnen als reale Bedrohung ein, 36,5 Prozent sahen darin ein künftiges Risiko.

Als Hauptgefahren nannten die Betreiber Sabotage mit 46,5 Prozent, Betriebsstörungen mit 39,5 Prozent sowie Spionage mit 7 Prozent und Datenschutzverletzungen mit 5,8 Prozent. Die befragten Einrichtungen verteilten sich auf die Bereiche Verwaltung (31), Transport (31), Energie (17), IT und Telekommunikation (15), Wasser (5), Gesundheit (2), Weltraum (2) und Ernährung (1).

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Wie präsent das Phänomen ist, verdeutlichten Berichte von Kluttig aus dem Bundeswirtschaftsministerium über tägliche Drohnenüberflüge im Umfeld von LNG-Terminals. Auf Länderebene will Bayerns Innenminister Joachim Herrmann Betreiber über ein Landesgesetz stärker in die Abwehr einbinden; Ministerpräsident Markus Söder brachte dazu Werksicherheitswachten ins Gespräch.

Der Verband Bayerischer Energie- und Wasserwirtschaft verwies durch Hauptgeschäftsführer Detlef Rappl jedoch auf ungeklärte Haftungsfragen bei Trümmerteilen und betonte, die Drohnenabwehr sei originäre Aufgabe von Polizei und Bundespolizei. Zur Abfederung von Kosten forderte der Verband eine Anerkennung durch die Bundesnetzagentur oder die Einrichtung eines Resilienzfonds.

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