Kritis-Sicherheit: 165 Sabotagefälle und 747 Drohnensichtungen bundesweit
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 23:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach gezielten Angriffen auf die Stromversorgung in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen am 3. September 2026 haben Behörden und Politik eindringlich vor den Gefahren durch Spionage und Sabotage gewarnt. Die Vorfälle in Turnow-Preilack und Bergheim führen derzeit zu einer Neubewertung der Sicherheitslage für kritische Infrastrukturen (Kritis) und stoßen umfangreiche gesetzliche Planungen sowie die Forderung nach neuen Sicherheitszentren an.
Ermittlungen wegen terroristischer Vereinigung und Spionageverdacht
Die Sabotageakte wurden laut Sicherheitsbehörden mit einer gewissen technischen Raffinesse ausgeführt. In Brandenburg, am Standort Jänschwalde, fanden Ermittler am 2. September 2026 mehr als ein Dutzend Abschussvorrichtungen.
Eine dieser Vorrichtungen habe bereits einen Kurzschluss verursacht. Nach Erkenntnissen der Ermittler nutzten die Täter selbstgebaute Flugkörper und Kabel, um die Anlagen gezielt zu stören. Parallelen zwischen den Angriffen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen werden derzeit geprüft.
In Südbrandenburg wird zudem ein Bekennerschreiben untersucht. Aufgrund der Schwere der Vorfälle führt die Polizei Ermittlungen wegen des Verdachts auf Bildung einer terroristischen Vereinigung. Der Verfassungsschutz warnte in diesem Zusammenhang allgemein vor einer Zunahme von Spionage- und Sabotageaktivitäten gegen deutsche Infrastrukturanlagen.
BKA-Lagebild zeigt deutliche Zunahme der Gefährdung
Ein aktuelles Lagebild des Bundeskriminalamts (BKA) mit Stand Ende August 2026 unterstreicht die angespannte Sicherheitslage. Demnach wurden bundesweit über 165 Sabotageverdachtsfälle und 747 Drohnensichtungen registriert. Zudem laufen 24 Ermittlungsverfahren wegen Spionage, während insgesamt 112 Spionage-Straftaten verzeichnet wurden.
Als regionale Schwerpunkte dieser Aktivitäten kristallisierten sich laut Statistik Brandenburg mit 23 Fällen sowie Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein mit jeweils 21 Vorfällen heraus. In Niedersachsen wurden 15 Fälle gemeldet. Ein Teil dieses Lagebilds ist auch ein Vorfall an der Erdgasaufbereitungsanlage Großenkneten am 9. August 2026.
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Politische Forderungen und gesetzliche Lücken
Das Bundesinnenministerium stufte die Gefährdungslage nach den jüngsten Ereignissen als hoch und abstrakt ein. Zwar ist das sogenannte Kritis-Dachgesetz bereits seit März 2026 in Kraft, jedoch fehlen laut Kritikern noch immer die notwendigen Rechtsverordnungen für eine vollständige Umsetzung. Die Grünen-Politikerin Mihalic warf Innenminister Dobrindt diesbezüglich Versäumnisse vor und forderte ein schlüssiges Gesamtkonzept.
Nordrhein-Westfalens Innenminister Reul prüft unterdessen sowohl fremdstaatliche Sabotage als auch Linksextremismus als mögliche Motive. Er bezeichnete die kritische Infrastruktur als unheimlich leicht angreifbar und kritisierte eine zu hohe Sensibilität beim Datenschutz, die effektive Schutzmaßnahmen erschwere.
Reul forderte erweiterte Befugnisse für Anlagenbetreiber, insbesondere im Bereich der Videoüberwachung und der Drohnenabwehr. Die AfD sprach sich zudem für eine Stärkung der Bundeswehr als Reaktion auf die Sabotageakte aus.
Regionale Initiativen und Branchenforderungen
Brandenburg hat als erstes Bundesland konkrete Konsequenzen angekündigt. Geplant ist der Aufbau eines sogenannten „360-Grad-Sicherheitszentrums“. Zudem soll ein Beleihungsgesetz den Betreibern kritischer Infrastruktur ermöglichen, ihre Anlagen künftig in Eigenregie besser zu schützen. Weitere Gesetzesvorhaben in Brandenburg umfassen Anpassungen im Ordnungsbehörden-, Akteneinsichts-, Polizei- und Verfassungsschutzgesetz.
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Auch die Wirtschaft drängt auf Veränderungen. Während das Bundesinnenministerium die Stromversorgung grundsätzlich als sehr gut geschützt bezeichnete, forderten Betreiber finanzielle Unterstützung, da nicht jeder einzelne Leitungsmast bewacht werden könne.
Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) forderte die Einrichtung eines Backup-Systems für Notfälle. Dabei hob der Verband hervor, dass insbesondere Bioenergie- und Wasserkraftanlagen schwarzstartfähig seien und somit eine wichtige Säule der Versorgungssicherheit im Krisenfall darstellen könnten.
