Kritis-Gesetz, Schutzlücken

Kritis-Gesetz: Schutzlücken nach Sabotage auf Strominfrastruktur

Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 12:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Angriffe auf Umspannwerke legen Kraftwerksblöcke still und erhöhen den Druck auf Politik und Betreiber, den Schutz kritischer Anlagen zu verbessern.

Sabotage in Brandenburg und NRW entfacht Streit um Kritis-Schutz
Ein Umspannwerk mit Hochspannungsmasten und Transformatoren in der Dämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Nach koordinierten Sabotageakten auf die Strominfrastruktur in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen am 2. September 2026 wird verstärkt über den Schutz kritischer Infrastrukturen (Kritis) diskutiert. Die Angriffe auf die Umspannwerke Turnow-Preilack sowie Bergheim führten zu signifikanten technischen Störungen, wobei die allgemeine Stromversorgung nach offiziellen Angaben stabil blieb.

Koordinierte Angriffe auf die Energieinfrastruktur

In Bergheim wurden infolge der Sabotage fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke mit einer Gesamtleistung von 4,2 GW vom Netz genommen. Ermittler fanden vor Ort sowie am Brandenburger Standort Turnow-Preilack selbstgebaute Flugkörper und professionelle Abschussvorrichtungen. Ein durch diese Vorrichtungen verursachter Kurzschluss in Brandenburg belegt laut Sicherheitsbehörden das fachkundige Vorgehen der Täter.

Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) erklärte, es verdichteten sich die Anzeichen, dass es sich um einen koordinierten Angriff auf die deutsche Energieversorgung handle. Das Ziel sei offensichtlich die Herbeiführung großflächiger Stromausfälle gewesen.

Der Generalbundesanwalt prüfe derzeit die Übernahme der Ermittlungen unter dem Verdacht der verfassungsfeindlichen Sabotage. Ob die Täter dem linksextremistischen Spektrum zuzuordnen seien oder ob es sich um einen hybriden Angriff fremder Mächte handle, sei derzeit noch ungeklärt.

Forderungen nach technischer Aufrüstung und Drohnenabwehr

Angesichts der Vorfälle forderte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) eine Debatte über erweiterte Kompetenzen für die Betreiber kritischer Anlagen. Er verwies auf die Notwendigkeit verbesserter Videoüberwachung und den Einsatz von Drohnenabwehrsystemen. Deutschland sei in diesem Bereich derzeit leicht angreifbar.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) untermauerte diese Forderung und verlangte ein Sofortpaket gegen Drohnenbedrohungen sowie die Einrichtung von Flugverbotszonen über sensiblen Anlagen.

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Zudem wurde eine Verschärfung des Strafrechts angeregt. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) betonte, dass der Staat die notwendigen Schutzkonzepte finanziell tragen müsse, da eine vollständige Sicherheit technisch kaum realisierbar sei.

Die Auswirkungen der Sabotage zeigten sich auch an den Energiemärkten. Laut Berichten stieg der Intraday-Preis zeitweise auf über 600 Euro pro Megawattstunde (MWh).

Kritik an der Umsetzung des Kritis-Dachgesetzes

Die politische Debatte richtet sich zunehmend auf das im März 2026 in Kraft getretene Kritis-Dachgesetz. Das Bundesinnenministerium räumte ein, dass die kritische Infrastruktur derzeit stark gefährdet sei. Zwar sei das Gesetz bereits gültig, doch fehlten weiterhin wesentliche Rechtsverordnungen zur praktischen Anwendung.

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Vertreter der Grünen warfen Bundesinnenminister Dobrindt vor, die Umsetzung des Gesetzes zu schleppen und Schutzlücken nicht geschlossen zu haben. Die Abgeordnete Mihalic kritisierte eine unzureichende Vorbereitung der Behörden. Während die AfD eine stärkere Rolle der Bundeswehr beim Objektschutz forderte, mahnten Experten wie Manuel Atug an, dass Betreiber aufgrund der fehlenden Verordnungen derzeit Investitionen scheuten.

Nach Einschätzung von Experten wie Professor Clemens Gause betrifft das Kritis-Dachgesetz zunächst etwa 3.000 Institutionen, wobei die Zahl langfristig auf bis zu 30.000 ansteigen könnte.

Der Bundesverband Schutz Kritischer Infrastrukturen wies darauf hin, dass ein wirksamer Schutz eine Vervier- bis Versechsfachung der bisherigen Kosten verursachen würde. In der Zwischenzeit riefen Sicherheitsbehörden die Bevölkerung dazu auf, verdächtige Beobachtungen im Umfeld von Versorgungsanlagen umgehend zu melden.

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