KRITIS-Dachgesetz, Betreiber

KRITIS-Dachgesetz: Betreiber müssen bis 2027 Sicherheit nachrüsten

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 02:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Deutsche WindGuard überwacht über ein Gigawatt erneuerbare Anlagen, während neue Cybergefahren und strengere KRITIS-Vorgaben Betreiber fordern.

Deutsche WindGuard stärkt Schutz kritischer Energieanlagen
Ein moderner Windpark bei Sonnenuntergang in einer weiten Landschaft, der kritische Energieinfrastruktur symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Gewährleistung der Sicherheit und wirtschaftlichen Verfügbarkeit von Erneuerbare-Energien-Anlagen gewinnt angesichts steigender Bedrohungslagen an Bedeutung. Die Deutsche WindGuard betreibt zu diesem Zweck in Varel einen spezialisierten 24/7-Leitstand, der aktuell Anlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 1 Gigawatt in Deutschland und den Niederlanden überwacht.

Der Fokus liegt dabei auf der Fernüberwachung von Windparks und Speichersystemen. Das Unternehmen wies bereits im Jahr 2022 die KRITIS-Konformität nach §8a des BSI-Gesetzes nach und führt derzeit die Weiterentwicklung gemäß §39 des BSI-Gesetzes fort.

Verschärfte regulatorische Anforderungen für Betreiber

Die Überwachung der Energieinfrastruktur findet vor dem Hintergrund eines sich wandelnden Rechtsrahmens statt. Seit März 2026 ist das KRITIS-Dachgesetz in Kraft, das Umsetzungsfristen für Betreiber bis zum Jahr 2027 vorsieht.

Aktuellen Branchenberichten zufolge verfügen derzeit noch 48 Prozent der Betreiber kritischer Infrastrukturen über keine ausreichenden Systeme zur Angriffserkennung. Zudem wird darauf hingewiesen, dass dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) bislang ein dediziertes Kontrollbudget fehlt.

Die Notwendigkeit robuster Sicherheitsvorkehrungen wird durch die Schadensbilanz unterstrichen. Im Jahr 2025 verzeichnete Deutschland durch Cyberangriffe Schäden in Höhe von 202 Milliarden Euro und galt damit als das am viertstärksten angegriffene Land weltweit.

Anzeige

Wer die Sicherheit der eigenen Unternehmens-IT kritisch hinterfragt, findet in diesem Report wichtige Fakten zu aktuellen Bedrohungslagen und gesetzlichen Pflichten. Jetzt informieren: Welche KI-Gesetze und Cyberrisiken auf Ihr Unternehmen zukommen

Laut Erhebungen des Branchenverbandes Bitkom belaufen sich die Gesamtschäden durch Datendiebstahl, Industriespionage und Sabotage auf 211 bis 270,8 Milliarden Euro, wobei 76 Prozent dieser Schäden unmittelbar auf Cyberattacken zurückzuführen sind.

Technologische Bedrohungen und gezielte Sabotage

Die technologische Qualität der Angriffe hat sich in den letzten Monaten verschärft. US-Behörden wie die NSA, CISA und das FBI warnten im August 2026 vor aktiven Cyberangriffen, bei denen KI-generierte Skripte gegen speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS) eingesetzt werden.

Betroffen sind unter anderem Siemens-Steuerungen der Serien S7-200 bis S7-1500. Die Angreifer nutzen dabei Werkzeuge wie snap7.dll oder Suchmaschinen für internetverbundene Geräte. Experten empfehlen zur Abwehr eine strikte Netzwerksegmentierung und das Blockieren spezifischer Ports.

Anzeige

Die steigende Komplexität von Angriffsszenarien erfordert proaktive Schutzmaßnahmen für Unternehmen jeder Größe. Dieses kostenlose E-Book zeigt, wie Sie Sicherheitslücken schließen und Ihre IT-Infrastruktur langfristig absichern. Gratis-E-Book: Cyberbedrohungen abwenden und das Unternehmen schützen

Neben digitalen Angriffen rückt die physische Sicherheit in den Fokus. Anfang des Jahres 2026 führte ein Anschlag auf Stromkabel in Berlin dazu, dass 45.000 Haushalte zeitweise ohne Versorgung waren.

Im Offshore-Bereich wurde während der Kabelverlegung für den Windpark Windanker vor Rügen die Beobachtung durch eine russische Korvette gemeldet. Betreiber werden zunehmend dazu angehalten, eine Autarkie von 72 Stunden bis zu zehn Tagen für ihre Anlagen sicherzustellen.

Ausbau der Erzeugungskapazitäten und Speichersysteme

Trotz der Sicherheitsrisiken schreitet der Ausbau der Infrastruktur voran. Der Offshore-Windpark Borkum Riffgrund 3 von Ørsted nahm Ende August 2026 mit 83 Anlagen und einer Gesamtleistung von 913 Megawatt den vollen Betrieb auf.

Die Kosten für das Projekt werden auf 2,49 Milliarden Euro beziffert. Gleichzeitig befindet sich der Windpark Windanker mit 315 Megawatt im Testbetrieb, wobei der offizielle Betrieb für Ende 2026 geplant ist.

Parallel zum Ausbau der Windkraft wächst der Markt für Großspeicher signifikant. Im ersten Quartal 2026 stieg der Zubau in diesem Segment um 270 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Großprojekte wie die GigaBattery Boxberg 400 mit einer Kapazität von 1600 Megawattstunden oder ein 100-Megawatt-Speicher in Stendal befinden sich im Bau.

Diese Systeme sind essenziell, um die Volatilität der erneuerbaren Erzeugung auszugleichen, insbesondere da im Jahr 2025 insgesamt 573 Stunden mit negativen Börsenstrompreisen verzeichnet wurden.

Unternehmen wie die Deutsche WindGuard und Dienstleister im Bereich der Cybersicherheit sehen in der Absicherung dieser hybriden Parks aus Wind, Solar und Speichern eine zentrale Aufgabe für die kommenden Jahre. Security by Design und die kontinuierliche Weiterbildung von Ingenieuren werden dabei als Schlüsselkompetenzen eingestuft, um den Angriffsszenarien durch künstliche Intelligenz und künftig auch Quantencomputer zu begegnen.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70033031 |