Kreislaufwirtschaft, Digitale

Kreislaufwirtschaft: Digitale Tools senken CO2-Fußabdruck um 40%

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 20:23 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Studie prognostiziert massive Versorgungsengpässe bei zwölf zentralen Metallen. Digitale Tools und neue Materialien sollen den Wandel zur Kreislaufwirtschaft vorantreiben.

Metall-Nachfrage übersteigt Angebot: Kreislaufwirtschaft als Lösung
Nahaufnahme einer elektronischen Platine mit leuchtenden Komponenten, die Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Nachfrage nach kritischen Metallen wird die Produktionskapazitäten in den kommenden zwei Jahrzehnten massiv übersteigen. Forscher und Branchenexperten fordern deshalb einen radikalen Umbau hin zur Kreislaufwirtschaft.

Lithium-Bedarf könnte sich verfünffachen

Eine gemeinsame Untersuchung des Fraunhofer ISI, des Fraunhofer IZM und der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) prognostiziert massive Versorgungsengpässe. Bei zwölf zentralen Metallen dürfte die künftige Nachfrage das aktuelle Angebot übersteigen.

Besonders dramatisch ist die Lage bei Iridium für die Wasserelektrolyse und bei Lithium für die Elektromobilität. Der Lithium-Bedarf könnte sich laut den Berechnungen verfünffachen. Auch bei Scandium, Graphit, Platin und Seltenerdmetallen wie Dysprosium und Terbium erwarten die Forscher einen signifikanten Nachfrageanstieg.

Die Studie nennt drei strategische Gegenmaßnahmen: Diversifizierung der Lieferketten, Substitution kritischer Materialien und den Ausbau der Kreislaufwirtschaft.

Digitale Tools senken CO2-Fußabdruck um 40 Prozent

Ein entscheidender Hebel liegt in der frühen Designphase von Elektronikkomponenten. Eine Kooperation der Unternehmen Schunk und Cadfem zeigt, wie effektiv das sein kann: Der Einsatz digitaler Simulationswerkzeuge wie des Ansys Granta Selector reduzierte die CO2-Emissionen in der Greifer-Produktion um bis zu 40 Prozent.

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Der Erfolg basiert auf der gezielten Auswahl von Sekundärmaterialien und der Optimierung additiver Fertigungsverfahren mit erneuerbaren Energien. Branchenvertreter betonen die wachsende Bedeutung eines zentralen Werkstoffdatenmanagements. Nur so lassen sich ökologische Auswirkungen bereits vor der physischen Produktion steuern.

Bio-basierte Weichmacher und Nanoröhren

Parallel zur Prozessoptimierung entwickeln Chemieunternehmen neue Substanzen für nachhaltigere Geräte. Der Anbieter Ningbo Inno Pharmchem stellte bio-basierte und phthalatfreie Weichmacher vor. Sie sind biologisch abbaubar und sollen einen geringeren CO2-Fußabdruck als herkömmliche PVC-Zusätze in Kabeln und Gehäusen haben.

Für Wearables und flexible Displays gewinnen hochreine Kohlenstoffnanoröhren (CNTs) an Bedeutung. Sie ermöglichen leitfähige Filme, die mechanisch flexibel und chemisch stabil sind. Auch in der organischen Photovoltaik kommen neue chemische Zwischenprodukte zum Einsatz – sie erhöhen die Energieumwandlungseffizienz von Halbleitern mit niedrigem Bandabstand.

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Regionale Netzwerke treiben den Wandel voran

Um diese Technologien in den Mittelstand zu bringen, entstehen vermehrt Kompetenzzentren. Das Zentrum KARE entwickelte Transformationsmodule zu regulatorischen Anforderungen und zum „Material Match“ in der Kreislaufwirtschaft. Kürzlich besichtigten Projektbeteiligte ein Recyclingunternehmen in Goslar, um sich über die Rückgewinnung von Wertstoffen aus Altgeräten zu informieren.

In Ostwestfalen-Lippe (OWL) entsteht ein digitaler Wissensspeicher für Kommunen und Unternehmen. Das Projekt „Klimaresiliente Region OWL“ erhielt Mitte Juli eine Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen in Höhe von 1,4 Millionen Euro. Ziel ist es, Wissen über Klimarisiken und nachhaltige Ressourcenstrategien digital verfügbar zu machen.

Der Material Hub NRW bietet im November einen Workshop in Petershagen an. Unter der Leitung einer Expertin für Circular Design sollen dort konkrete Ansätze für nachhaltige Materialien in der Elektronikindustrie diskutiert werden. Die EU und das Land NRW unterstützen das Vorhaben, um die Transformation zur Kreislaufwirtschaft zu beschleunigen.

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