Kreditbanken: Konsum auf Pump treibt Neugeschäft – Firmen investieren weniger
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 09:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Deutschlands Kreditbanken haben im ersten Halbjahr 2026 deutlich mehr neue Kredite vergeben, wobei die Nachfrage von Verbrauchern zunahm und die Finanzierung betrieblicher Investitionen sank.
Neugeschäft wächst auf 76 Milliarden Euro
Das Neugeschäft der Kreditbanken stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,1 Prozent auf 76 Milliarden Euro. Das teilte der Kreditbankenverband mit, der früher unter dem Namen Bankenfachverband firmierte.
Die Konsumfinanzierung legte um 3,7 Prozent auf 34,3 Milliarden Euro zu. Maßgeblich trugen Kfz-Finanzierungen zu diesem Anstieg bei.
Weniger Kredite für Unternehmen
Schwächer entwickelte sich die Finanzierung von Unternehmensinvestitionen. Neue Kredite für Maschinen, Fahrzeuge und Spezialtechnik erreichten ein Volumen von 7,3 Milliarden Euro und lagen damit 1,5 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums.
Verband fordert bessere Bedingungen
Verbandsgeschäftsführer Jens Loa sprach von einer beginnenden wirtschaftlichen Erholung. Zugleich forderte er dauerhaft bessere Investitionsbedingungen für Unternehmen. Dazu gehörten verlässliche Rahmenbedingungen und weniger unnötige regulatorische Belastungen.
Der Kreditbankenverband hat 47 Mitgliedsinstitute, die auf Konsumfinanzierung, Investitionsfinanzierung und Kfz-Finanzdienstleistungen spezialisiert sind. Ende Juni hatten die Kreditbanken insgesamt 242,6 Milliarden Euro an Verbraucher und Unternehmen verliehen.
Konsum als kurzfristiger Konjunkturimpuls
Die Zahlen zeigen eine zweigeteilte Entwicklung: Während private Haushalte mehr Finanzierungen für Konsumgüter aufnehmen, bleibt die Kreditnachfrage der Unternehmen für Maschinen, Fahrzeuge und Spezialtechnik schwach. Besonders die Kfz-Finanzierung trägt das Wachstum der Konsumkredite. Damit erhält der private Verbrauch einen Impuls, zugleich wächst aber die Verschuldung der Haushalte.
Für Verbraucher bedeutet der Kauf auf Kredit, dass Anschaffungen sofort möglich werden, die Gesamtkosten jedoch durch Zinsen und Gebühren steigen. Bei steigenden Lebenshaltungskosten kann eine zusätzliche monatliche Belastung den finanziellen Spielraum verringern. Das gilt besonders dann, wenn mehrere Finanzierungen parallel laufen oder Einkommen unsicher ist.
Investitionen bleiben entscheidend
Die geringere Nachfrage nach Unternehmenskrediten weist darauf hin, dass viele Firmen bei größeren Investitionen weiterhin zurückhaltend kalkulieren. Das passt zu einem wirtschaftlichen Umfeld, in dem Energiepreise, Zinsen und internationale Unsicherheiten die Planbarkeit belasten. Eine anziehende Stimmung allein reicht deshalb nicht aus, um Investitionen dauerhaft zu beleben.
Für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung ist dieser Unterschied wichtig: Konsumkredite können die Nachfrage kurzfristig stützen, schaffen aber keine zusätzlichen Produktionskapazitäten. Unternehmensinvestitionen entscheiden dagegen stärker über Produktivität, Modernisierung und künftiges Wachstum. Der Appell des Verbands zielt deshalb auf verlässliche Regeln und geringere bürokratische Belastungen. Ob daraus mehr Investitionen entstehen, hängt neben den politischen Rahmenbedingungen auch von Finanzierungskosten, Absatzperspektiven und der Ertragslage der Unternehmen ab.
