Krankschreibung: Attestpflicht ab erstem Tag geplant – Herbst 2026
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 21:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Trotzdem will die Bundesregierung die Regeln für Krankschreibungen verschärfen.
Die DAK-Gesundheit verzeichnet für das erste Halbjahr 2026 einen Krankenstand von 5,3 Prozent – ein Rückgang um 0,1 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Die durchschnittlichen Fehltage pro Beschäftigtem sanken von 9,9 auf 9,6 Tage.
Während jüngere Arbeitnehmer unter 55 Jahren seltener fehlten, stiegen die Fehlzeiten bei den über 60-Jährigen um 0,3 Prozentpunkte.
Psychische Erkrankungen erstmals Hauptursache
Eine Verschiebung bei den Krankheitsursachen sorgt für Aufmerksamkeit: Psychische Erkrankungen sind mit 184 Fehltagen pro 100 Versicherten erstmals die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit. Der Anstieg liegt bei neun Prozent.
Atemwegserkrankungen fielen dagegen um 21 Prozent auf 175 Fehltage pro 100 Versicherte. DAK-Chef Storm sieht vor allem bei Langzeiterkrankungen Handlungsbedarf und plädiert für das Modell der Teilkrankschreibung.
Attestpflicht ab dem ersten Tag geplant
Trotz des leichten Rückgangs hält die Koalition an ihrem Beschluss vom 2. Juli fest. Kernpunkt: Eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung soll künftig bereits ab dem ersten Krankheitstag verpflichtend sein. Bisher reichte ein Attest in der Regel ab dem vierten Tag.
Die während der Pandemie eingeführte telefonische Krankschreibung soll abgeschafft werden. Eine AU per Videosprechstunde bleibt dagegen möglich. Die SPD betont, dass noch kein fertiges Gesetz vorliegt. Mit einer Umsetzung wird frühestens im Herbst gerechnet.
Ausnahmen könnten über Betriebsvereinbarungen geregelt werden. Flankiert wird das Vorhaben durch weitere Änderungen: Befristungen sollen künftig bis zu vier Jahren bei sechs möglichen Verlängerungen erlaubt sein. Ab 2027 ist zudem eine Lockerung des Kündigungsschutzes für Hochverdiener ab etwa 177.500 Euro Jahresbruttoeinkommen geplant.
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Kritik an den Plänen
Die Verschärfung stößt auf Widerstand. Kritiker verweisen auf Statistiken, wonach die telefonische Krankschreibung nur 0,8 bis 1,2 Prozent aller AU-Bescheinigungen ausmacht. Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung äußerte sich kritisch.
Eine Civey-Umfrage vom Juni zeigt zudem die Belastung in den Betrieben: 72 Prozent der Beschäftigten verspüren bei einer Krankmeldung Rechtfertigungsdruck. 95,2 Prozent gaben an, bereits trotz Krankheit gearbeitet zu haben. Knapp 65 Prozent fürchten berufliche Nachteile, wenn sie zu Hause bleiben.
Laut einer YouGov-Erhebung lehnen 59 Prozent der Befragten die geplante Attestpflicht ab dem ersten Tag ab.
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Als Ausgleich sind laut Koalitionskreisen eine verbesserte Termingarantie bei Fachärzten sowie die bereits beschlossene Teilkrankschreibung im Gespräch. Sie soll den Wiedereinstieg nach längeren Erkrankungen erleichtern.
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