Krankschreibung: Attest ab sofort schon am ersten Krankheitstag
03.07.2026 - 10:45:16 | boerse-global.de
Kern der Reform: Die telefonische Krankschreibung wird abgeschafft, und Arbeitnehmer brauchen künftig schon ab dem ersten Krankheitstag ein ärztliches Attest. Kanzler Merz hatte den hohen Krankenstand zuvor als „erheblichen Wettbewerbsnachteil“ bezeichnet.
Ende der telefonischen Krankschreibung
Die seit Ende 2023 geltende Regelung für eine telefonische Krankschreibung bei leichten Erkrankungen wird komplett gestrichen. Stattdessen müssen Beschäftigte für jede Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung persönlich in die Praxis oder eine Videosprechstunde nutzen. Die bisherige gesetzliche Frist von vier Tagen bis zur Attestpflicht entfällt.
Die Koalition verschärft zudem die Strafen für falsche Gesundheitszeugnisse nach Paragraf 278 StGB. Ausnahmen von der strikten Regelung sind aber weiterhin möglich – per Einzelvereinbarung, Betriebsvereinbarung oder Tarifvertrag.
Mehr Flexibilität für Unternehmen
Die Neuregelung ist Teil eines 34-Punkte-Pakets zur Entlastung der Wirtschaft. Unternehmen können künftig Arbeitsverträge bis zu 48 Monate sachgrundlos befristen – bisher waren es 24. Bis zu sechs Verlängerungen sind in diesem Zeitraum erlaubt.
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Für Spitzenverdiener mit einem Jahreseinkommen über 177.000 Euro lockert die Koalition den Kündigungsschutz. Gleichzeitig sollen Abfindungen bei schnellen Jobwechseln steuerlich begünstigt werden. Ab 2027 ist eine Steuerreform geplant, die kleine und mittlere Einkommen entlastet, während die Reichensteuer steigt.
Scharfe Kritik von Ärzten und Gewerkschaften
Die Reaktionen sind gespalten. Arbeitgeberverbände wie die BDA und Metall NRW begrüßen die Maßnahmen als Schritt zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit. Ganz anders sehen das die Ärzteverbände: Dr. Markus Blumenthal-Beier vom Hausärzteverband spricht von einer „absoluten Katastrophe“ und warnt vor einer „riesigen Bürokratiewelle“. Millionen zusätzliche Patienten würden die Praxen überfluten.
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Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bezeichnet die Pläne als „Irrsinn“. Patienten würden nur zum Ausfüllen von Dokumenten in die Praxen gezwungen. Auch SPD-Gesundheitsministerinnen und Grünen-Vertreter warnen vor einem Generalverdacht gegen Arbeitnehmer. Gewerkschaften wie ver.di und der DGB sehen ein „Zeichen des Misstrauens“. Fachleute weisen darauf hin, dass telefonische Krankschreibungen zuletzt nur 0,8 bis 1,2 Prozent aller AU-Bescheinigungen ausmachten – und die hohen Krankenstandszahlen teils auf die bessere digitale Erfassung zurückgehen.
