Krankenhäuser, Milliarden

Krankenhäuser brauchen 31 Milliarden Euro für Hitzeschutz

Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

RKI zählt knapp 10.000 Hitzetote bis Juli 2026. Krankenhausgesellschaft verlangt milliardenschweres Sanierungsprogramm für Kliniken.

Hitzewelle: Kliniken fordern 31 Milliarden Euro für Kühlung
Modernes Krankenhauszimmer mit moderner Klimatisierungstechnik als Symbol für Hitzeschutzmaßnahmen in Kliniken. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Bis Mitte Juli 2026 registrierte das Robert Koch-Institut bereits knapp 10.000 hitzebedingte Todesfälle. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft schlägt Alarm.

Kliniken brauchen 31 Milliarden Euro für Kühlung

Nach der Hitzewelle Ende Juni mit Temperaturen bis zu 40 Grad fordert die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) ein milliardenschweres Sanierungsprogramm. Der Verband rechnet mit Investitionen von insgesamt 31 Milliarden Euro, um Kliniken bundesweit gegen extreme Hitze zu wappnen.

DKG-Vorstand Gerald Gaß kritisiert die unzureichende Finanzierung durch die Länder. Diese übernehmen derzeit oft nur rund 60 Prozent der nötigen Kosten. „Krankenhäuser brauchen konkrete Unterstützung für moderne Kühltechnik“, so Gaß.

Hitzetote: Ältere Menschen besonders betroffen

Die aktuellen RKI-Daten zeigen eine dramatische Entwicklung: Mit rund 9.800 Todesfällen bis zum 19. Juli 2026 übersteigt die Zahl bereits die Werte jedes einzelnen Gesamtjahres seit 2016. Besonders hart trifft es die über 85-Jährigen – sie machen mit 5.420 Verstorbenen mehr als die Hälfte der Fälle aus.

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) kritisiert die mangelnden Schutzmaßnahmen in öffentlichen Einrichtungen. Der Verband fordert bundesweit verbindliche Standards für Krankenhäuser, Pflegeheime und Schulen. Dazu gehören Klimatisierung, flächendeckende Trinkwasserangebote und spezielle Kühlräume.

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NRW setzt auf Behelfslösungen

In Nordrhein-Westfalen räumt Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann ein: Krankenhäuser sind nicht flächendeckend klimatisiert. Viele Einrichtungen helfen sich mit Kühlwesten, Duschliegen oder Ventilatoren. Die Krankenhausgesellschaft NRW beziffert den Investitionsstau allein in diesem Bundesland auf 6,3 Milliarden Euro für Gebäudesanierungen plus 460 Millionen Euro für Klima- und Lüftungstechnik.

Das Land investiert seit 2021 rund ein Drittel seiner jährlichen Krankenhausmittel (700 Millionen Euro) in Klimaschutz. Laumann kündigt zudem ein Hitzeaktionssystem an: Bei Erreichen der Hitzewarnstufe 2 müssen Einrichtungen automatisch Schutzpläne aktivieren. Bis zum 28. Juni verzeichnete NRW laut RKI rund 1.230 Hitzetote.

Regionale Unterschiede und Forderungen der Pflege

Während das St. Elisabeth Krankenhaus in Leipzig bereits 70 Prozent seiner Zimmer mit Kühldecken ausstattet, setzen andere Kliniken mangels Alternativen auf Verschattung und Belüftung. Die Krankenhausgesellschaft Sachsen beziffert den Hitzeschutzbedarf für den Freistaat auf rund 100 Millionen Euro.

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Bis Mitte Juli 2026 registrierte das RKI knapp 10.000 hitzebedingte Todesfälle – mehr als in jedem Gesamtjahr seit 2016. Besonders betroffen: über 85-Jährige und Pflegeeinrichtungen. Erfahren Sie in unserem Report, wie Sie mit einfachen Sofortmaßnahmen Leben schützen und von Förderprogrammen profitieren. Sofortmaßnahmen für Pflege sichern

Die stellvertretende DKG-Vorsitzende Henriette Neumeyer betont die Belastung für Patienten und Personal. Eine IQVIA-Studie deutet zudem darauf hin, dass Hitzschläge das Risiko für Migräne und Schlaganfälle erhöhen. Laut WHO gab es in Europa in den vergangenen vier Jahren über 200.000 hitzebedingte Todesfälle.

Die Gewerkschaft Verdi fordert ein 125-Millionen-Euro-Sofortpaket für die Pflege. Denn hitzebedingte Erkrankungen führen bei Patienten häufig zu längeren und intensiveren Krankenhausaufenthalten.

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