Krankengeld 2025: 21,6 Milliarden Euro Rekordausgaben für Langzeitfälle
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 22:53 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die gesetzlichen Krankenkassen haben 2025 rund 21,6 Milliarden Euro für Krankengeld ausgezahlt – ein historischer Höchststand. Haupttreiber sind nicht kurze Erkältungen, sondern langwierige Leiden.
Psychische Erkrankungen und Muskel-Skelett-Probleme wie chronische Rückenschmerzen verursachen die meisten Ausfalltage. Der allgemeine Krankenstand lag 2025 bei 6,1 Prozent. Jeder Beschäftigte fehlte im Schnitt 22,1 Tage, 6,8 davon als Krankengeldtage – also nach Ablauf der sechswöchigen Entgeltfortzahlung.
Psychische Erkrankungen: 39 Tage pro Fall
Psychische Leiden sind die zweithäufigste Ursache für lange Fehlzeiten. Ein einzelner Fall dauert im Schnitt 39,1 Tage. Insgesamt entfielen 2,2 Krankengeldtage pro Kopf auf diese Diagnosen.
Muskel-Skelett-Erkrankungen folgen dicht dahinter mit 1,7 Krankengeldtagen pro Versichertem. Das regionale Gefälle ist enorm: In Baden-Württemberg fehlten Beschäftigte durchschnittlich 18,5 Tage, in Mecklenburg-Vorpommern dagegen 29,0 Tage.
Die Krankengeldtage stiegen innerhalb eines Jahrzehnts um 24,4 Prozent.
Kassen investieren in Prävention
Die Krankenkassen haben 2025 rund 218,4 Millionen Euro in Präventionskurse gesteckt. Etwa 1,9 Millionen Teilnahmen wurden finanziert, darunter auch zertifizierte Präventionsreisen mit Zuschüssen zwischen 75 und 200 Euro. Gesundheitsökonomen sehen solche Angebote als Investition, um Langzeitausfälle zu vermeiden.
Wer die steigenden Krankengeldausgaben in den Griff bekommen will, findet in diesem Report die wichtigsten Stellhebel – von BEM-Checkliste über psychische Prävention bis zur kostenlosen fit2work-Beratung. Jetzt kostenlosen Report anfordern
Einige Arbeitgeber gehen mit gutem Beispiel voran: Die Kreisverwaltung Marburg-Biedenkopf wurde 2026 bereits zum dritten Mal für ihr Gesundheitsmanagement ausgezeichnet. In Kooperation mit der AOK Hessen gibt es dort Wirbelsäulen-Screenings, Rückengesundheitsvorträge und Lauftrainings.
„fit2work“ hilft kleinen Betrieben
Das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) ist gesetzlich vorgeschrieben, sobald Mitarbeiter binnen zwölf Monaten mehr als 42 Tage fehlen. Vor allem kleinere Unternehmen tun sich damit schwer.
Ende Juni 2026 wurde auf einem Fachtag das Programm „fit2work“ vorgestellt. Das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderte Projekt bietet kostenlose Beratungen zu Hitzeschutz, Rückkehr nach Langzeitkrankenständen und zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen.
Parallel gewinnen betriebliche Krankenversicherungen (bKV) an Bedeutung. Sie ermöglichen Mitarbeitern oft schnelleren Zugang zu psychologischer Beratung oder Coaching – eine Reaktion auf Wartezeiten von sechs bis zwölf Monaten für Therapieplätze im gesetzlichen System.
Kleine Betriebe ohne BEM-Management riskieren ab dem 43. Fehltag hohe Folgekosten. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie mit der geförderten fit2work-Beratung psychische Fehlzeiten reduzieren und die Rückkehr nach Langzeitkrankheiten erleichtern. fit2work-Leitfaden jetzt sichern
Warnung vor Misstrauen gegenüber Kranken
In der politischen Debatte warnen Arbeitnehmervertreter vor Maßnahmen, die Erkrankte unter Generalverdacht stellen. Statt einer Verschärfung der Nachweispflicht ab dem ersten Krankheitstag müsse die Vermeidung von Langzeitfällen im Vordergrund stehen – durch bessere Ergonomie und effektives Stressmanagement.
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