Konzernverantwortung: Schwellenwerte schließen 945 Rohstoffhändler aus
23.06.2026 - 17:22:49 | boerse-global.de
Die Initianten bemängeln vor allem die hohen Schwellenwerte für die Rechenschaftspflicht von Unternehmen. Ihr Vorwurf: Der Großteil des bedeutenden Rohstoffsektors würde von den neuen Regeln ausgenommen.
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Hohe Hürden für die Sorgfaltspflicht
Der Bundesrat will multinationale Konzerne erst ab 5.000 Beschäftigten und einem Umsatz von mindestens 1,5 Milliarden Schweizer Franken zur Sorgfaltspflicht verpflichten. Die Initianten rechnen vor: Nur rund 30 Unternehmen in der Schweiz wären direkt betroffen. Würden die Schwellenwerte sinken und der Rohstoffsektor konsequenter einbezogen, könnte die Zahl auf etwa 100 steigen.
Besonders im Rohstoffhandel zeichnet sich eine Regulierungslücke ab. Von den 975 in der Schweiz ansässigen Rohstoffhändlern erreicht lediglich ein halbes Dutzend die geforderte Mitarbeiterzahl. Branchengrößen wie IMR, IXM oder Gunvor würden durchs Raster fallen. Die Initianten fordern daher, die gesamte nachgelagerte Wertschöpfungskette einzubeziehen und Rechte auf Information und Beschwerde zu verankern.
Der Gegenvorschlag befindet sich noch bis zum 9. Juli in der Vernehmlassung. Während die EU entsprechende Regeln bereits bis 2028 umsetzen will, ist das Inkrafttreten des Schweizer Spezialgesetzes erst ab 2031 vorgesehen.
Nachhaltigkeitsberichte: Qualität bleibt mau
Parallel zur politischen Debatte zeigt eine Studie der Stiftung Ethos: Die Qualität der Nachhaltigkeitsberichterstattung in Schweizer Unternehmen hinkt den Erwartungen hinterher. 2026 erhielten nur 37 Prozent der untersuchten Berichte eine Empfehlung zur Annahme – ein Rückgang zum Vorjahr. Zudem ließen 53 Unternehmen ihre Angaben nicht von unabhängigen Dritten prüfen.
Die Vorstandsvergütungen in den SMI-Unternehmen stiegen dagegen deutlich. Die durchschnittliche CEO-Entschädigung kletterte binnen fünf Jahren um fast 29 Prozent auf 8,8 Millionen Franken. In der Spitze wurden für das Geschäftsjahr 2025 Bezüge von bis zu 25 Millionen Franken gemeldet.
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Bayer: OECD-Verfahren zeigt Folgen von Sorgfaltspflichtverstößen
Wie folgenreich die Missachtung von Sorgfaltspflichten sein kann, zeigt ein aktuelles OECD-Verfahren gegen den Chemiekonzern Bayer. Eine Beschwerde wegen der Auswirkungen von Glyphosat und gentechnisch verändertem Soja in Lateinamerika wurde heute teilweise angenommen. Die nationale Kontaktstelle bot eine Mediation zu den Sorgfaltspflichten an – Schadensersatzzahlungen schloss sie jedoch aus.
Während beteiligte NGOs die Mediation ablehnten, sieht sich Bayer durch die Entscheidung bestätigt. In den USA musste der Konzern bereits Vergleiche in Milliardenhöhe im Zusammenhang mit Glyphosat-Klagen akzeptieren.
Maritime Strategie: Schweizer Flagge für Hochseeschiffe
Um die Rahmenbedingungen für den Rohstoffhandelsplatz zu verbessern, passt die Schweiz zudem ihre maritime Strategie an. Ab dem 1. Juli 2026 dürfen Schweizer Hochseeschiffe unter nationaler Flagge fahren – auch wenn die Eigentümergesellschaft ihren Sitz im Ausland hat. Ziel ist es, Reedereien mit Sitz in der Schweiz den Zugang zu Finanzierungen zu erleichtern. Derzeit wird etwa jedes fünfte Frachtschiff weltweit von der Schweiz aus gelenkt.
