Knorr-Bremse, EU-Handelspolitik

Knorr-Bremse warnt: Europas Industrie in 15 Jahren weg

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 06:35 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Knorr-Bremse-Chef Marc Llistosella verlangt von der EU eine härtere und zugleich offenere China-Strategie. Investitionen sollen möglich bleiben, aber an Joint Ventures, Technologietransfer und europäische Wertschöpfung gebunden werden.

Knorr-Bremse warnt vor Industrie-Verlust

  • Knorr-Bremse-Chef Marc Llistosella fordert gleiche Bedingungen für chinesische Investitionen in Europa.
  • Er verlangt Förderungen für E-Autos nur bei 80 Prozent Local Content einschließlich Batterie.
  • Für den europäischen Lkw-Markt erwartet Llistosella in den nächsten drei bis fünf Jahren massive Veränderungen.
Container (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Knorr-Bremse fordert gleiche Bedingungen für China

Knorr-Bremse-Chef Marc Llistosella warnt vor einem schnellen Bedeutungsverlust der europäischen Industrie und fordert eine neue EU-Handelspolitik gegenüber China. Wenn Europa seinen Kurs fortsetze, sei die Industrie in 15 Jahren verschwunden, sagte er dem Magazin Politico.

Investitionen nur mit Technologietransfer

Die europäische Reaktion auf den China-Schock sei zu kurz gesprungen, sagte Llistosella. Die EU solle China zu Investitionen einladen, allerdings zu den gleichen Bedingungen, zu denen europäische Unternehmen in China arbeiten dürfen.

Dazu zählt der Manager Joint Ventures und Technologietransfer. China müsse Technologie nach Europa bringen und sich dort mit europäischen Partnern engagieren. Als Begründung verwies Llistosella darauf, dass chinesische Unternehmen dies auch von europäischen Firmen verlangt hätten.

Förderung an Local Content binden

Subventionen in der Autoindustrie sollten aus Sicht des Knorr-Bremse-Chefs nur Elektroautos zugutekommen, die mindestens 80 Prozent Local Content einschließlich Batterie aufweisen. Damit würde die Förderung stärker an die Produktion innerhalb der jeweiligen Wirtschaftsregion gekoppelt.

Lkw-Markt steht vor Veränderungen

Ein besonderes Risiko sieht Llistosella im europäischen Lkw-Markt. Dieser werde sich in den nächsten drei bis fünf Jahren massiv verändern, warnte er.

Bei elektrischen Stadtbussen habe der Wandel bereits begonnen. Dort sei das Einfallstor geöffnet worden, sagte Llistosella.

Die Forderungen von Marc Llistosella treffen auf eine europäische Industriepolitik, die seit dem sogenannten China-Schock zwischen Schutzmaßnahmen und wirtschaftlicher Zusammenarbeit abwägt. Zusätzliche EU-Zölle auf chinesische Elektroautos gelten seit 2024; zugleich baut China seine Position bei der Produktion elektrifizierter Fahrzeuge weiter aus.

Für europäische Zulieferer verschiebt sich der Wettbewerb damit von einzelnen Fahrzeugmodellen auf komplette industrielle Wertschöpfungsketten. Entscheidend sind nicht nur Preise, sondern auch Batterien, Software, Fertigungskapazitäten und der Zugang zu großen Absatzmärkten. Llistosellas Forderung nach Investitionen chinesischer Unternehmen in Europa unter Bedingungen wie Joint Ventures und Technologietransfer zielt auf genau diese industrielle Verankerung.

Folgen für Nutzfahrzeuge

Besonders relevant ist der Hinweis auf den Lkw-Markt. Der Übergang zu elektrischen Antrieben verändert dort Komponenten, Infrastruktur und Geschäftsmodelle; bei Stadtbussen ist dieser Wandel bereits sichtbar. Für Unternehmen wie Knorr-Bremse steigt damit der Anpassungsdruck, während politische Vorgaben zur Förderung von Elektrofahrzeugen stärker an europäische Wertschöpfung gekoppelt werden könnten.

Eine solche Local-Content-Regel würde allerdings neue Abhängigkeiten nicht automatisch beseitigen. Sie müsste mit den Regeln des EU-Binnenmarkts und des internationalen Handels vereinbar sein und ausreichende Produktionskapazitäten in Europa voraussetzen. Für Verbraucher und Verkehrsunternehmen kann die Entwicklung mittelfristig eine größere Auswahl elektrischer Nutzfahrzeuge bringen, zugleich aber auch intensiveren Wettbewerb bei Preisen, Ersatzteilen und Technologie.

Focus: „Chinas Auto-Absturz: Zahlt am Ende Europa die Rechnung?“ (01.11.2026)

Der Beitrag ordnet die wachsenden Handelsbarrieren gegen chinesische Autoimporte und die Folgen für Europa ein. Er bestätigt den wirtschaftspolitischen Konflikt um den chinesischen Vorsprung, setzt den Schwerpunkt aber stärker auf mögliche Belastungen für europäische Märkte als auf Llistosellas Vorschläge zu Joint Ventures und Technologietransfer.

Focus: „Europa und China setzen auf E-Autos, die USA auf Hybride“ (02.11.2026)

Der Artikel hebt Chinas führende Rolle bei elektrifizierten Fahrzeugen und die unterschiedlichen Antriebsstrategien der großen Märkte hervor. Damit stützt er die Einordnung des Wettbewerbsdrucks, behandelt aber vor allem den Fahrzeugmarkt und nicht den von Llistosella betonten Wandel bei elektrischen Stadtbussen und Lkw.

Übereinstimmung besteht beim wachsenden chinesischen Einfluss auf die Elektromobilität. Unterschiedliche Schwerpunkte liegen bei den handelspolitischen Instrumenten und bei der Frage, wie stark Europa eigene Wertschöpfung schützen oder chinesische Investitionen einbinden sollte.

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