KMU-Sicherheit: 90% von Hackerangriffen betroffen, Phishing dominiert
Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 10:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Einer aktuellen Untersuchung von Kaspersky zufolge waren 90 % der befragten kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Europa innerhalb des letzten Jahres von mindestens einem Sicherheitsvorfall betroffen.
Die am 24. August 2026 veröffentlichten Daten verdeutlichen, dass insbesondere Phishing mit 23 % und Angriffe unter Einsatz künstlicher Intelligenz mit 18 % die größten Bedrohungen für diesen Sektor darstellen.
Weitere relevante Risikofaktoren waren Softwarelücken, die Kompromittierung geschäftlicher E-Mails (BEC) sowie Angriffe auf Lieferketten und der Einsatz von Deepfakes, die jeweils bei 15 % der Unternehmen zu Vorfällen führten.
Technologische Professionalisierung und KI-Risiken
Die Bedrohungslage hat sich laut Branchenexperten qualitativ verändert. Zimperium berichtete in seinem Global Threat Report 2026, dass sich Phishing verstärkt auf alternative Kanäle wie SMS, Messenger-Dienste, soziale Medien und QR-Codes verlagert. Der Einsatz von KI erleichtert es Angreifern zudem, hochprofessionelle Betrugsseiten zu erstellen.
Kaspersky registrierte im Zeitraum von Juli 2025 bis Juni 2026 over 4,7 Millionen Angriffe auf gängige Arbeitsplatz-Tools. Besonders betroffen waren demnach Zoom mit rund 2,66 Millionen Angriffen und Outlook mit etwa 1,55 Millionen Vorfällen. Die Verluste durch Deepfakes stiegen im Jahresvergleich um 263 %.
Parallel dazu steigt das Risiko durch den internen Einsatz von KI-Werkzeugen. Laut Netskope haben sich Verstöße, bei denen KI-Systeme Daten an Unbefugte weitergeben, auf einen Median von 31 Vorfällen pro Woche verdoppelt. Eine Studie von xix.ai aus dem Frühjahr 2026 ergab zudem, dass 77 % der Mitarbeiter Daten in KI-Tools einspeisen, wobei 40 % dieser Uploads personenbezogene Informationen enthalten.
Angriffe auf den öffentlichen Sektor und Behördenwarnungen
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Auch die öffentliche Verwaltung bleibt ein prominentes Ziel. In Berlin konnten betroffene Senatsverwaltungen nach einem am 14. August 2026 entdeckten Hackerangriff auf das Landesnetz erst am 24. August wieder vollständig online gehen.
Digital-Staatssekretär Florian Hauer verwies auf monatlich rund 1,2 Millionen abgewehrte Angriffsversuche und forderte strukturelle Verbesserungen sowie eine Zentralisierung der IT-Infrastruktur. Der Vorfall hatte unter anderem die Bearbeitung von Wohngeld und Abläufe zur Briefwahl beeinträchtigt.
In Baden-Württemberg wurden bis Juli 2026 bereits 428 Datenpannen im Gesundheitsbereich gemeldet, nachdem im gesamten Vorjahr 572 Fälle registriert worden waren. Der zuständige Landesdatenschutzbeauftragte forderte eine offenere Fehlerkultur.
Gleichzeitig warnten die Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg und das Finanzamt Amberg vor aktuellen Phishing-Wellen. Betrüger nutzen hierbei Vorwände wie ein angeblich neues Datenschutzgesetz oder die Kontoverifizierung über das Elster-Portal, um sensible Informationen abzugreifen.
Strukturelle Defizite und die Sorge der Konzernlenker
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Trotz der steigenden Gefahr identifizierte Kaspersky bei 24 % der KMU unzureichende IT-Fachkenntnisse als das größte Risiko, während nur 16 % das Fehlen technischer Sicherheitslösungen bemängelten. Als Reaktion erhöhten 74 % der Unternehmen ihre IT-Sicherheitsbudgets.
Laut dem World Economic Forum hat Cyberbetrug inzwischen Ransomware als Hauptsorge der CEOs abgelöst. In Großbritannien belaufen sich die jährlichen Verluste durch Cybervorfälle auf 64 Milliarden Britische Pfund.
Die Komplexität der Angriffe nimmt weiter zu, wie die Entdeckung des Phishing-Kits „JWR“ durch Cisco Talos zeigt. Dieses Tool klont Plattformen wie PayPal oder Klarna und überträgt Daten in Echtzeit, was weltweit bereits Schäden in Höhe von 1,9 Milliarden US-Dollar verursacht hat.
Das FBI warnte zudem vor der Plattform „Kali365“, die gezielt Microsoft 365-Konten angreift und durch den Diebstahl von Sitzungstoken die Multifaktor-Authentifizierung umgeht. Angesichts von weltweit 16 Milliarden in Datenlecks gefundenen Passwörtern empfehlen Experten verstärkt den Umstieg auf hardwaregestützte Passkeys.
