Klimavorgaben, Metall

Klimavorgaben: IG Metall warnt vor 20.000 verlorenen Arbeitsplätzen

11.06.2026 - 17:08:05 | boerse-global.de

IG Metall sieht 20.000 Arbeitsplätze in der Stahlbranche durch mögliche EU-ETS-Revision gefährdet. Aurubis investiert in Abluftsystem.

Klimaneutralität: IG Metall warnt vor Jobverlusten in Stahlindustrie
Klimavorgaben - Eine weitläufige Industrielandschaft bei Sonnenaufgang, in der Fabrikschornsteine saubere Energie und Windturbinen symbolisieren. 11.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während Unternehmen wie Aurubis in neue Umwelttechnologien investieren und Forscher Durchbrüche bei der Wasserstofferzeugung erzielen, warnt die IG Metall vor den Folgen einer Aufweichung der Klimavorgaben.

Warnung aus der Stahlindustrie

Die IG Metall schlägt Alarm. In einer aktuellen Stellungnahme äußert die Gewerkschaft deutliche Bedenken zur geplanten Revision des EU-Emissionshandels (ETS), die die EU-Kommission für den kommenden Monat vorbereitet.

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Laut dem zweiten Vorsitzenden Jürgen Kerner droht eine Schwächung der bestehenden Regeln. Diese würde jene Unternehmen bestrafen, die bereits massiv in CO?-arme Produktionsverfahren investiert haben. Betroffen sind besonders Standorte wie Salzgitter und die saarländische Stahlindustrie mit Firmen wie Saarstahl.

Die Gewerkschaft sieht bei den Vorreitern der Transformation rund 20.000 Arbeitsplätze in Gefahr – sollte die politische Verlässlichkeit entfallen. Insgesamt sind für den Umbau der Branche bereits Fördermittel in Höhe von 8 Milliarden Euro zugesagt.

Die Branche steht ohnehin unter Druck: 2025 sank die deutsche Stahlproduktion auf 34,1 Millionen Tonnen – der niedrigste Stand seit 2009. Die Arbeitskammer des Saarlandes schloss sich den Warnungen an. Kundgebungen in Berlin und Völklingen sind angekündigt.

Aurubis setzt auf Abluftsystem der Superlative

Trotz der unsicheren politischen Lage treiben Teile der Grundstoffindustrie ihre Modernisierung voran. Der Kupferproduzent Aurubis hat am Standort Hamburg ein neues Abluftsystem in Betrieb genommen – das weltweit leistungsstärkste in der Kupfererzeugung.

Die Gesamtinvestition von 115 Millionen Euro wurde teilweise durch die KfW unterstützt. Das Projekt zielt auf die deutliche Reduktion diffuser Emissionen ab. In einer ersten Stufe sank die Emissionsrate bereits um 40 Prozent. Mit der nun eingeweihten Erweiterung strebt das Unternehmen eine Reduktion um insgesamt 80 Prozent an.

Das System filtert pro Stunde bis zu 1,6 Millionen Normkubikmeter Luft durch 19.000 Filterelemente. Gewonnene Metalle fließen direkt zurück in den Produktionsprozess. COO Tim Kurth bezeichnet die Anlage als neuen Maßstab für umweltschonende Erzeugung. Weitere Investitionen von knapp 500 Millionen Euro für Recycling und Edelmetallverarbeitung sind bereits geplant.

Wasserstoff: Durchbruch in Dresden, Flaute weltweit

Ein zentraler Baustein der industriellen Dekarbonisierung bleibt grüner Wasserstoff. Das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) in Dresden erhielt dafür den Joseph-von-Fraunhofer-Preis 2026.

Die Forscher entwickelten eine Hochtemperaturelektrolyse-Plattform. Sie arbeitet bei Temperaturen zwischen 750 und 850 Grad Celsius und ermöglicht eine besonders effiziente Herstellung von Wasserstoff und Synthesegas. Gemeinsam mit thyssenkrupp nucera entstand in Arnstadt nach 14 Monaten Bauzeit eine Pilotfertigungslinie. Das langfristige Ziel: eine Fabrik mit Gigawatt-Kapazität.

Doch die globale Umsetzung von Wasserstoffprojekten hinkt hinterher. Branchenanalysen zufolge sind nur 11 Prozent der weltweit angekündigten Projekte in Betrieb oder finanziell abgesichert. Im vergangenen Jahr wurden rund 100 Millionen Tonnen Wasserstoff produziert – weniger als ein Prozent davon emissionsfrei. Die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert bis 2030 immerhin eine Steigerung auf 4,2 Millionen Tonnen grünen Wasserstoff.

Windkraft und synthetisches Kerosin

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Parallel zur industriellen Umrüstung schreitet der Ausbau der Energieinfrastruktur voran. Im Nordseecluster A, rund 50 Kilometer nördlich von Juist, hat RWE mit der Installation der ersten 15-Megawatt-Turbine begonnen. Bis Ende des Jahres sollen 44 Turbinen stehen – die erste Phase des Projekts mit 660 Megawatt Kapazität soll Anfang 2027 abgeschlossen sein. Die Gesamtkapazität des Clusters, an dem die Norges Bank Investment Management beteiligt ist, liegt später bei 1,6 Gigawatt.

Auch bei synthetischen Kraftstoffen gibt es Fortschritte. In Moses Lake im US-Bundesstaat Washington eröffnete die „Airplant One“ – die erste kommerzielle Anlage, die synthetisches Kerosin aus CO?, Wasser und erneuerbarem Strom herstellt. Das Power-to-Liquid-Kerosin soll die CO?-Emissionen im Vergleich zu fossilen Brennstoffen um bis zu 90 Prozent senken.

Doch während diese Technologien die Richtung zur Dekarbonisierung weisen, zeigt die aktuelle Debatte im Bundestag zum Heizungsgesetz die politische Komplexität der Wärmewende. Die geplante Einführung einer „Biotreppe“ ab 2029 sieht eine steigende Beimischung von Biogas und Bioöl vor – ein Schritt, den Teile der Opposition als klimapolitischen Rückschritt kritisieren.

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