Bayern, Deutschland

Klimatechnik-Start-up Efficient Energy sucht den Retter

Veröffentlicht: 08.08.2023 um 10:51 Uhr, dpa.de

Für Start-ups ist es ein schwieriges Jahr, weil viele Investoren ihr Geld zurückhalten. Das trifft auch die Klimatechnik-Szene. Dabei sind umweltfreundliche Technologien politisch höchst erwünscht.

Georg Dietrich ist Geschäftsführer von Efficient Energy. Das Start-up mit klimafreundlicher Technologie sucht den rettenden Investor. - Bild: Andreas Gebert/Efficient Energy/dpa
Georg Dietrich ist Geschäftsführer von Efficient Energy. Das Start-up mit klimafreundlicher Technologie sucht den rettenden Investor. - Bild: Andreas Gebert/Efficient Energy/dpa

Ein Start-up mit klimafreundlicher Technologie sucht den rettenden Investor: Dem Kältemaschinenhersteller Efficient Energy aus dem oberbayerischen Feldkirchen bleiben nach Worten von Insolvenzverwalter Matthias Hofmann wenige Wochen, um einen neuen Geldgeber zu finden. «Efficient Energy ist ein Start-up, das in der aktuellen Phase noch zwingend auf Finanzierung angewiesen ist», sagt der Anwalt.

Der Fall illustriert die Schwierigkeiten, die junge Unternehmen bei der Investorensuche haben. Efficient Energy hat eine Kältemaschine namens «eChiller» entwickelt, die anstelle fluorierter Gase Wasser als Kältemittel verwendet. «In unseren Anlagen sind lediglich 50 Liter Wasser», sagt Geschäftsführer Georg Dietrich. «Im Vergleich zu herkömmlichen Technologien sparen wir bis zu 80 Prozent der Energie ein.»

Zu den Referenzkunden zählen Siemens, British Telecom und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt. 190 Anlagen sind im Einsatz. Gefördert wurde das 2006 gegründete Unternehmen mit seinen 90 Mitarbeitern in der Vergangenheit von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und dem bayerischen Wirtschaftsministerium.

Nur drei Monate Zeit

Die Geschäftsführung habe sehr früh den Insolvenzantrag gestellt, sagt Insolvenzverwalter Hofmann. «So können wir den Zeitraum von drei Monaten, in dem die Bundesagentur die Personalkosten mit Insolvenzgeld unterstützt, voll ausschöpfen. Aber mehr als diese drei Monate Juni, Juli, August haben wir faktisch nicht.»

Dabei sind klimafreundliche Technologien politisch erwünscht: Die EU will Europa zum «ersten klimaneutralen Kontinent» machen, nach Möglichkeit mit heimischer Technologie.

Kältetechnik, die ohne fluorierte Gase auskommt, sollte in den kommenden Jahren eigentlich Hochkonjunktur haben: In ihrer F-Gas-Verordnung schreibt die EU vor, dass bis 2030 die Verkaufsmengen in Europa im Vergleich zu 2014 um 80 Prozent zurückgehen sollen.

«95 Prozent aller Kältemaschinen in der Kältetechnik werden heutzutage mit fluorierten Gasen betrieben», sagt Dietrich. «Das sind Produkte aus der chemischen Industrie, die sehr klimaschädlich sind. Wenn sie in die Atmosphäre gelangen, sind einige tausendmal schädlicher als CO2.» Die Kältebranche sei geschätzt für etwa sieben Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich, etwa doppelt so viel wie der globale Luftverkehr. «In der Uni Passau kühlen wir das Rechenzentrum, und recyceln die Abwärme, um Gebäude oder Brauchwasser zu erwärmen.»

Investitionen heruntergefahren

Nach einem Bericht des US-Branchendiensts «Climatetech VC» fuhren im ersten Halbjahr Wagniskapitalgeber weltweit ihre Investitionen in Klima-Start-ups im Jahresvergleich um 40 Prozent herunter: von 19 Milliarden auf 12 Milliarden Dollar.

Eine Folge sind Insolvenzen. So beantragte im Mai der in Berlin ansässige Fahrdienst Clevershuttle Insolvenz. Das Unternehmen vermittelt emissionsfreie Fahrten mit Elektro-Sammeltaxis. Der Betrieb läuft weiter. Insolvent ist auch das Thüringer Start-up Jenabatteries, das neuartige Batteriespeicher unter Verzicht auf seltene Rohstoffe entwickelte.

Die Zurückhaltung trifft derzeit aber alle Bereiche der Start-up-Szene: von der Agrotechnologie bis zum Lieferdienst. In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des Digitalverbands Bitkom berichteten lediglich 17 Prozent der Start-ups mit aktuellem Geldbedarf, dass die Finanzierung für die kommenden zwei Jahre gesichert sei.

«Wir hatten zwei große Ankerinvestoren, und waren weit fortgeschritten in Gesprächen mit einem strategischen Industriepartner», sagt Geschäftsführer Dietrich. «Auf dem allerletzten Meter sind diese Gespräche gescheitert, für uns alle überraschend.»

Start-ups auf der Suche nach Anschluss- oder Refinanzierung seien stark unter Druck, sagt Insolvenzverwalter Hofmann. «Das Geld sitzt bei Venture-Capital-Investoren und im Private-Equity-Bereich nicht mehr so locker.»

Bei Efficient Energy habe die Kanzlei eine sehr gute Situation vorgefunden. «Die Technologie findet im deutschen und europäischen Raum guten Anklang und hat weltweites Potenzial.»

In den vergangenen Monaten haben sich nach Angaben von Geschäftsführer Dietrich über 20 Interessenten bei Efficient Energy gemeldet. «Mit fünf sind wir jetzt in sehr intensiven Gesprächen», sagt der Manager. «Das sind zum Einen strategische Investoren aus der Industrie, und zum Anderen Finanzinvestoren.» Abgeschlossen sind diese Gespräche nicht.

de | wirtschaft | 63889148 |

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