Klimaschutz-Defizit: EU braucht 344 Milliarden Euro mehr pro Jahr
05.06.2026 - 09:32:13 | boerse-global.de
Ein aktueller Report des Instituts I4CE beziffert das jährliche Defizit auf 344 Milliarden Euro. Die Autorinnen Clara Calipel und Caroline Henry zeigen: Ohne massiv höhere Ausgaben sind die Klimaziele für 2030 nicht erreichbar.
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Besonders große Rückstände gibt es bei Windkraft, Gebäudesanierung und Elektromobilität. Positiv entwickeln sich dagegen Solarenergie und Batteriespeicher. Ein Problem: Eine zentrale EU-Förderquelle läuft zum Jahreswechsel aus.
Deutschland und Schweiz: Nationale Ziele in der Kritik
Auch die deutsche Klimastrategie steht auf dem Prüfstand. Der Experte Manuel Frondel fordert eine Überprüfung der Ziele. Sein Argument: Die angestrebte Klimaneutralität bis 2045 verursacht hohe Milliardenkosten – ohne die Emissionen im EU-Emissionshandel wirksam zu senken. Deutschland hat seine Emissionen seit 1990 um 50 Prozent reduziert, die EU um 40 Prozent. Gleichzeitig stiegen die globalen Emissionen um 45 Prozent.
In der Schweiz sorgt das Bundesamt für Umwelt (Bafu) für Diskussionen. Recherchen zeigen: Die Behörde hat die Emissionslücke bis 2030 systematisch zu niedrig angesetzt. Die tatsächliche Lücke liegt bei 40 bis 50 Millionen Tonnen CO2. Grund ist die Nichtberücksichtigung des Landnutzungssektors. Das könnte Zusatzkosten von bis zu einer Milliarde Franken verursachen.
Technologie als Ausweg: CO2-Entnahme und CCS
Die Bundesregierung setzt verstärkt auf technische Lösungen. Das Wirtschaftsministerium plant ein Programm für den Markthochlauf von CO2-Entnahmetechnologien wie BECCS und DACCS. Eine erste Fachveranstaltung ist für den 8. Juni angesetzt. Bereits Ende Januar schuf der Bundestag den rechtlichen Rahmen für CO2-Speicherung im Meeresuntergrund (CCS). Ziel: Restemissionen der Zement-, Kalk- und Aluminiumindustrie abzufangen.
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Auch Unternehmen melden Fortschritte:
- Industrie: Eine neue Sintertechnik senkt den Erdgasverbrauch in der Keramikfertigung um bis zu 30 Prozent.
- Energiewirtschaft: Das Bremer Unternehmen Energiekontor erhielt erneut die EMAS-Zertifizierung und verwaltet eine Projektpipeline von über 12 Gigawatt.
- Gebäudesektor: In Dortmund reduziert eine großskalierte Wärmepumpenlösung den CO2-Ausstoß von Mehrfamilienhäusern um über 20 Tonnen pro Jahr.
Porthos und Aramis: Großprojekte in den Niederlanden
In den Niederlanden kommen konkrete Infrastrukturprojekte voran. Das Speicherprojekt Porthos in Rotterdam soll noch 2026 in Betrieb gehen – mit einer Kapazität von 2,5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Für das Nachfolgeprojekt Aramis mit einer 200 Kilometer langen Offshore-Pipeline werden finale Investitionsentscheidungen für 2026 bis 2027 erwartet.
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