Klimaneutralität: Unterstützung in Thüringen von 87 auf 38 Prozent
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 18:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Rückhalt für die Klimaneutralität bröckelt in der deutschen Wirtschaft massiv. Aktuelle Umfragen und Branchenberichte zeigen eine tiefe Verunsicherung bei Unternehmen. Hohe Energiekosten, Bürokratie und eine unzuverlässige Infrastruktur setzen den Betrieben zu. Immer mehr Firmen stellen Investitionen zurück oder verlagern Kapazitäten ins Ausland.
Thüringer Mittelstand: Nur noch 38 Prozent für Klimaneutralität
Besonders drastisch fällt der Stimmungsumschwung in Thüringen aus. Laut einer IHK-Umfrage unterstützen nur noch 38,2 Prozent der Unternehmen das Ziel der Klimaneutralität bis 2050. Im Vorjahr sprachen sich noch 87 Prozent der Betriebe für eine Klimaneutralität bis 2045 aus.
IHK-Präsident Peter Zaiß macht die hohen Energiepreise, mangelnde Verlässlichkeit der Politik und überbordende Bürokratie dafür verantwortlich. Jedes zweite Unternehmen erwartet durch die aktuelle Energiepreisgestaltung Wettbewerbsnachteile – im Vorjahr waren es 39 Prozent. Jedes dritte Unternehmen hat bereits angekündigt, geplante Investitionen zurückzustellen. Die Kammer fordert daher eine Aussetzung der CO?-Bepreisung.
Chemiebranche in Ostdeutschland kürzt Investitionen
Auch die chemisch-pharmazeutische Industrie in Ostdeutschland steckt in der Krise. Eine VCI-Erhebung zeigt: Jedes zweite Unternehmen kürzt seine Investitionen für 2026/27. Ein Drittel der Betriebe plant sogar, Aktivitäten ins Ausland zu verlagern.
Die Produktion ging im ersten Halbjahr um drei Prozent zurück. Für 90 Prozent der Unternehmen sind die hohen Kosten das Haupthindernis, 85 Prozent leiden unter der Bürokratie. Die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung ist enorm: 65 Prozent der befragten Chemieunternehmen bewerteten deren Arbeit mit mangelhaft oder ungenügend.
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Streit um neue Energiegesetze eskaliert
Parallel dazu wächst der Widerstand gegen neue Regulierungen im Energiesektor. Der BEE und der BDEW kritisieren die Entwürfe für eine EEG-Novelle und ein neues Netzanschlusspaket scharf.
Der BEE warnt vor einem Nachfrageeinbruch bei kleinen Photovoltaikanlagen um bis zu zwei Drittel, falls die Einspeisevergütung für Anlagen unter 25 Kilowatt gestrichen wird. Auch die geplante Senkung der Ausschreibungsvolumen für Biomasse von 1.000 auf 500 Megawatt stößt auf Unverständnis. Experten halten für den Bestandserhalt 2.500 Megawatt für nötig. Insgesamt seien Milliardeninvestitionen und rund 436.000 Arbeitsplätze gefährdet.
Das sogenannte „Netzpaket“ sorgt für zusätzliche Konflikte. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche plant demnach, in Gebieten mit Netzengpässen die Entschädigungen für die Abregelung von Neuanlagen für zehn Jahre zu streichen. Betreiber sollen stärker an den Netzausbaukosten beteiligt werden. Branchenvertreter sehen darin eine gezielte Verlangsamung des Ausbaus erneuerbarer Energien. Zudem prognostiziert das Ministerium für 2030 einen Strombedarf von lediglich 600 bis 700 Terawattstunden – deutlich unter früheren Annahmen von 750 Terawattstunden.
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Meta setzt auf Erdgas: Trend in der Tech-Branche
Die Energieprobleme führen auch international zu einer strategischen Kehrtwende. Meta ist aus der Klimainitiative RE100 ausgetreten. Um den massiven Energiebedarf für KI-Anwendungen zu decken, setzt das Unternehmen künftig verstärkt auf Erdgas. Geplant ist der Bau von zehn Gaskraftwerken mit einer Gesamtkapazität von 7,5 Gigawatt, unter anderem für ein Rechenzentrum in Louisiana. Meta folgt damit einem Trend, den auch Microsoft und Google vorgeben.
In Deutschland fordert unterdessen Bundesumweltminister Schneider angesichts zunehmender Umweltgefahren eine „Vorfahrt“ für den Klimaschutz. Bundeskanzler Merz stellt hingegen laut Berichten den europäischen Emissionshandel in Frage. Die Richtung bleibt also offen.
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