Kindersitz-Test: Jedes vierte Modell fällt durch – ADAC warnt
26.05.2026 - 03:30:12 | boerse-global.deWährend aktuelle Crashtests von Kindersitzen alarmierende Mängel offenbaren, treiben neue EU-Regularien die Branche zu grundlegenden Veränderungen.
Kindersitz-Test: Jedes vierte Modell fällt durch
Die Ergebnisse der großen Gemeinschaftsstudie von ADAC und Stiftung Warentest vom 25. Mai 2026 geben Anlass zur Sorge. Von 26 getesteten Kindersitzen und Babyschalen – Preisspanne von 65 bis 578 Euro – erreichten nur sechs Modelle die Note „gut". Der Großteil (16 Modelle) schnitt mit „befriedigend" ab, drei erhielten ein „ausreichend". Ein Modell fiel komplett durch: Bei einem Frontalaufprall riss der Sitz von seiner Basisstation.
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Testsieger bei den Babyschalen wurde der Foppapedretti Disk Infant mit Isofix-Station (Note 1,9, rund 368 Euro). Auch der Silver Cross Glide Plus 360 und zwei Cybex-Modelle (Sirona Ti, Pallas G3) überzeugten. Eine positive Überraschung: Der günstige Kinderkraft Junior Fix 2 i-Size (75 Euro) erhielt ebenfalls ein „gut". Erfreulich: Keines der getesteten Modelle enthielt PFAS-Chemikalien.
Die österreichische Schwesterorganisation ÖAMTC bestätigte am 26. Mai die Ergebnisse weitgehend, entdeckte jedoch ein zusätzliches Problem: Der Kinderkraft Mink Pro 2 löste sich im Crashtest mit Isofix-Basis vom Untergrund – der Hersteller leitete einen Rückruf ein. Abgewertet wurden zudem der Lionelo Lavender i-Size (erhöhtes Verletzungsrisiko) und der Axkid Minikid 4 Pro (zu komplexe Montage).
Gefahrgut-Unfall: 21 Stunden Bergungsaktion
Die logistischen Herausforderungen der Branche zeigten sich am vergangenen Wochenende. Bei Gladbeck verunglückte am 24. Mai ein Gefahrguttransporter mit 25.000 Litern Acrylsäure. Der 48-jährige Fahrer erlitt schwere Verletzungen, als sein Lkw aus noch ungeklärter Ursache von der Straße abkam und gegen einen Baum prallte.
Die Bergungsaktion dauerte 21 Stunden. Spezialkräfte sicherten die Unfallstelle und pumpten die Säure um. Glück im Unglück: Der Tankauflieger blieb unbeschädigt, ein Chemieaustritt konnte verhindert werden.
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Nur zwei Tage zuvor war es auf der A2 bei Hannover zu einem schweren Unfall gekommen. Ein 78-Jähriger fuhr auf einen geparkten Sattelauflieger auf. Der Fahrer und ein Beifahrer wurden verletzt, der Sachschaden beträgt rund 30.000 Euro.
KI in der Werkstatt: Nützlich, aber gefährlich
Digitale Helfer halten Einzug in die Fahrzeugreparatur – doch Vorsicht ist geboten. Ein ADAC-Test vom 24. Mai untersuchte den Einsatz Künstlicher Intelligenz bei der Fehlersuche. Ergebnis: KI erkennt typische Schadensursachen und findet Ersatzteilnummern zuverlässig. Doch bei sicherheitskritischen Bauteilen wie Bremsen, Lenkung oder Airbags warnt der Club eindringlich: Die Systeme liefern gelegentlich falsche Drehmomentangaben oder Einheiten. Die Devise: KI als Recherche-Tool nutzen, aber immer mit offiziellen Quellen abgleichen.
EU verpflichtet: Alcolock-Schnittstelle ab Juli
Die größte regulatorische Änderung steht unmittelbar bevor. Ab dem 1. Juli 2026 müssen alle Neuwagen in der EU serienmäßig mit einer Schnittstelle für ein Alkohol-Wegfahrsperren-System („Alcolock") ausgestattet sein. Die Geräte selbst sind noch nicht für alle Fahrer Pflicht – die standardisierte Schnittstelle ermöglicht aber die einfache Nachrüstung.
Das System blockiert die Zündung, wenn der Atemalkoholwert eine bestimmte Grenze überschreitet. Hintergrund ist die EU-Initiative „Vision Zero": Bis 2030 sollen alkoholbedingte Verkehrstote um die Hälfte sinken, bis 2050 ganz verschwinden.
Dongfeng e? M8: Chinesische Luxus-Offensive
Parallel zu den Sicherheitsdebatten zeigt die automobile Zukunft neue Gesichter. Am 23. Mai feierte der Dongfeng e? M8 seine Weltpremiere – ein sechssitziger SUV, entwickelt mit Huawei. Das Fahrzeug nutzt Huaweis Qiankun-Technologie, inklusive 31-Zoll-Augmented-Reality-Head-up-Display und HarmonySpace-System.
Mit fünf Metern Länge und über drei Metern Radstand bietet die Elektroversion bis zu 619 Kilometer Reichweite bei 235 kW Motorleistung. Der Hersteller legt eine lebenslange Garantie auf Fahrzeug und Batterie bei – ein klares Signal für mehr Kundenvertrauen.
Krise der Zulieferer: Jeder vierte rüstet auf Rüstung um
Die Sicherheitsdebatte trifft auf eine Branche in existenzieller Krise. Eine Umfrage von FTI-Andersch und dem Allensbach-Institut vom 25. Mai zeigt: Vier von fünf der 47 befragten deutschen Autozulieferer suchen neue Geschäftsfelder. Grund sind die strukturelle Krise der Automobilindustrie und zunehmende Kreditschwierigkeiten.
Besonders brisant: Jeder vierte Zulieferer steigt in die Rüstungsproduktion ein. Gleichzeitig stehen 80 Prozent der Firmen einer engen Zusammenarbeit mit chinesischen Herstellern kritisch gegenüber.
Der Druck erreicht auch die Chefetagen. Bei Porsche plant CEO Michael Leiters einen radikalen Umbau. Die Gewinnmarge ist von 18 Prozent vor drei Jahren auf aktuell ein Prozent eingebrochen. 1.900 Stellen sollen bis 2029 wegfallen, Vorstandsressorts und Abteilungen werden zusammengelegt. Ziel: eine operative Marge von 10 bis 15 Prozent bei einer Produktionsgrenze von 200.000 Fahrzeugen – nachdem im Vorjahr 280.000 Einheiten verkauft wurden, aber keine Boni gezahlt werden konnten.
Ausblick: Sicherheit als Balanceakt
Die kommenden Monate werden zur Bewährungsprobe. Während Hersteller wie Dongfeng mit Hightech-Luxus-SUVs glänzen und Porsche den Sparkurs fährt, eint sie die Herausforderung: standardisierte, überprüfbare Sicherheit.
Die jüngsten Crashtest-Pleiten und die aufwendige Gefahrgut-Bergung zeigen: Hardware-Sicherheit bleibt genauso kritisch wie Software-Innovation. Ob die EU ihr Ziel erreicht, die Zahl der Verkehrstoten bis 2030 zu halbieren, hängt maßgeblich davon ab, wie die Branche den Spagat zwischen wirtschaftlichem Druck und steigenden Sicherheitsanforderungen meistert.
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