Kinderkrankentage, Linnemann

Kinderkrankentage: Linnemann plant ab 2027 Kürzung von 15 auf 10 Tage

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Bundesregierung plant weniger Kinderkrankentage; SPD-Politikerinnen und weitere Stimmen warnen vor Folgen für Familien.

Kinderkrankentage: SPD kritisiert geplante Kürzung ab 2027
Ein sonnendurchfluteter Raum mit verstreuten Bauklötzen auf einem hellen Boden. Illustration mit AI erstellt.

In der politischen Debatte um die geplante Reduzierung der Kinderkrankentage hat sich die SPD-Fraktionssprecherin Jasmina Hostert gegen die Pläne von Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) ausgesprochen. Hostert betonte gegenüber der Augsburger Allgemeinen, dass Familien Entlastung statt zusätzlicher Belastungen benötigten.

Die angekündigte Kürzung setze laut der Sprecherin die falsche Logik in der Diskussion um Krankmeldungen ab dem ersten Tag fort. Linnemann verkenne mit diesem Vorstoß die Lebensrealität vieler Eltern, wobei insbesondere Mütter von den Einschnitten betroffen seien.

Rückkehr zum Vor-Corona-Niveau ab 2027

Hintergrund der Kritik ist die Ankündigung des Bundesgesundheitsministers in der Regierungsbefragung des Bundestags am 23. September 2026. Demnach soll die befristete Ausweitung der Kinderkrankentage nicht fortgeführt werden. Ab dem Jahr 2027 ist vorgesehen, die Zahl der Tage pro Elternteil von derzeit 15 auf 10 zu senken. Linnemann verwies darauf, dass dieser Stand dem Niveau der Jahre vor der Corona-Pandemie entspreche.

Für Alleinerziehende soll der Anspruch von aktuell 30 auf 20 Tage pro Jahr sinken. Auch bei der Obergrenze für Eltern mit mehreren Kindern sind Anpassungen geplant: Diese soll künftig bei 25 Tagen je Elternteil beziehungsweise 50 Tagen für Alleinerziehende liegen, statt der bisher geltenden 35 beziehungsweise 70 Arbeitstage.

Das Kinderkrankengeld ersetzt gesetzlich versicherten Eltern in der Regel 90 Prozent des ausgefallenen Nettogehalts, bis zu einem Höchstsatz von 135,63 Euro pro Tag. Voraussetzung bleibt ein ärztliches Attest sowie ein Alter des Kindes von unter 12 Jahren.

Wirtschaftliche Ziele und gesundheitspolitische Reaktionen

Die Maßnahme, die sich in die allgemeine Strategie von Bundeskanzler Friedrich Merz einordnet, verfolgt laut Linnemann das Ziel, den bundesweiten Krankenstand zu senken. Neben der Reduzierung der Tage ist auch die Wiedereinführung der Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag vorgesehen. Die Bundesregierung erhofft sich durch diese Schritte Einsparungen bei den gesetzlichen Krankenkassen in einer Größenordnung von rund 100 Millionen Euro.

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Die Pläne stoßen innerhalb der Koalition und bei den Bundesländern auf Widerstand. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) wies das Vorhaben zurück und erklärte, dass in Verhandlungen zur Gesundheitsreform der Erhalt der bestehenden Tage vereinbart worden sei.

Der Grünen-Abgeordnete Johannes Wagner nannte die Argumentation des Ministers unakzeptabel und verwies darauf, dass finanzielle Mittel an anderer Stelle, etwa für befristete Steuererleichterungen beim Kraftstoff, vorhanden gewesen seien.

Thüringens Gesundheitsministerin Katharina Schenk (SPD) bezeichnete die Pläne als falsches Signal. Die Familienfreundlichkeit dürfe nicht allein an wirtschaftlicher Bequemlichkeit gemessen werden. Zudem verwies sie darauf, dass Eltern die zur Verfügung stehenden 15 Tage ohnehin selten voll ausschöpften.

Datenlage zur Inanspruchnahme und soziale Folgen

Statistiken der Krankenkassen stützen die Beobachtung einer sinkenden Inanspruchnahme. Die AOK Nordost verzeichnete für das Jahr 2025 in Mecklenburg-Vorpommern 60 Kinderkrankentage je 100 anspruchsberechtigte Versicherte, nachdem der Wert im Pandemiejahr 2022 noch bei 93 gelegen hatte. Die Barmer meldete für das Jahr 2024 rund 877.000 Kinderkrankentage bei einer Basis von 8,3 Millionen Versicherten.

Laut dem DAK-Vorstandsvorsitzenden Andreas Storm schöpfen lediglich etwa 2 Prozent der Bezieher von Kinderkrankengeld den maximalen Anspruch aus. Fachleute aus dem Arbeitsrecht geben zudem zu bedenken, dass zehn Tage insbesondere bei Kleinkindern in der Eingewöhnungsphase von Kindertagesstätten oft nicht ausreichen.

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Experten warnen zudem davor, dass von den Kürzungen vor allem Familien mit chronisch kranken Kindern getroffen würden, da diese oft über das zwölfte Lebensjahr hinaus auf intensive Betreuung angewiesen seien.

Sozialpolitiker der Linken wie Heidi Reichinnek und Lena Saniye Güngör forderten unterdessen eine dauerhafte Sicherung der 15 Tage und kritisierten den Vorstoß als unsozial. Der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) mahnte an, dass ein erkranktes Kind kein Risiko für den Arbeitsplatz oder das Einkommen der Eltern darstellen dürfe.

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