KI-Weiterbildung, Arbeitsministerium

KI-Weiterbildung: Arbeitsministerium plant kostenloses Online-Angebot ab 2027

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bundesarbeitsminister Schweitzer plant einen kostenlosen KI-Kurs; Studien zeigen zugleich wachsende Nutzung und unterschiedliche Erwartungen zum Personalbedarf.
Ein heller, moderner Konferenzraum mit minimalistischer Architektur und einfallendem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Auf dem Digitalgipfel in Berlin haben Bundesarbeitsminister Alexander Schweitzer und der Arbeitsmarktforscher Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung über die Beschäftigungspotenziale durch Künstliche Intelligenz diskutiert. Schweitzer kündigte dabei für Anfang 2027 ein kostenloses Online-Weiterbildungsangebot zu KI an. Der Minister betonte vor Ort, dass die Chancen dieser Technologie größer seien als die bestehenden Sorgen.

Weiterbildungsangebot auf Basis von »Elements of AI«

Das geplante Online-Lernangebot des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales richtet sich ab Anfang 2027 an Beschäftigte sowie Interessierte und soll aus dem Infrastruktur-Sondervermögen finanziert werden. Als inhaltliche Grundlage dient der Kurs »Elements of AI« von Minna Learn und der Universität Helsinki, der weltweit bereits über 2,3 Millionen Anmeldungen verzeichnet.

Die ministerielle Initiative wird gemeinsam mit der Servicestelle Weiterbildungsagenturen des Bundesinstituts für Berufsbildung umgesetzt und ist in die Nationale Weiterbildungsstrategie eingebunden. Ziel des Vorhabens sei es, die Produktivität zu steigern und Beschäftigte zu befähigen, anstatt sie durch Technologien zu ersetzen. Das Ministerium verweist in diesem Kontext auch auf das bereits seit 2020 bestehende KI-Observatorium.

Arbeitsmarkteffekte und veränderte Jobprofile

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Der Forscher Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung legte dar, dass KI den gesamten Beschäftigungsbedarf in der Summe nicht reduziere. So sei die Zahl der hochqualifizierten Beschäftigten seit 2022 immens gewachsen.

Zukünftige Tätigkeiten verlangen nach seiner Einschätzung vor allem Abstraktions- und Lernfähigkeit sowie Selbstorganisation und Flexibilität. Weber warnte zudem davor, Arbeitskräfte pauschal ins Handwerk abzudrängen, und hob hervor, dass Zuwanderung weiterhin notwendig bleibe.

Ergänzend dazu unterstrich Digitalminister Karsten Wildberger die Potenziale von KI. Zur Veranschaulichung verwies er darauf, dass es in den vergangenen zehn Jahren trotz einer Zunahme bildgebender Verfahren 17 Prozent mehr Radiologen gegeben habe.

Wildberger wies Szenarien zurück, nach denen Erwerbsarbeit künftig optional werde oder Geld keine Rolle mehr spiele. Eine Zukunft ohne Erwerbsarbeit halte er weder für unausweichlich noch für erstrebenswert. Das menschliche Urteilsvermögen gewinne vielmehr an Bedeutung, weshalb Unternehmen weiterhin junge Menschen einstellen sollten.

Mahnende Stimmen und empirische Befunde

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Neben den Chancen wurden auf dem Gipfel und im Vorfeld auch Risiken thematisiert. Über 230 Ökonomen warnten in einem offenen Brief vor den Folgen von KI für den Arbeitsmarkt.

Auch der Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Frank Werneke, äußerte deutliche Bedenken. Er beobachte bereits einen kontinuierlichen Beschäftigungsabbau durch KI in Branchen wie Banken, Versicherungen, Telekommunikationsunternehmen, Callcentern sowie IT-Betrieben.

Werneke forderte europäische Cloud-Lösungen ohne Zugriffsmöglichkeiten aus den USA oder China sowie verbindliche Richtlinien, die gewährleisten, dass wesentliche Entscheidungen von Menschen getroffen werden.

Veränderungen spiegeln sich zudem in aktuellen Erhebungen wider. Nach Daten der DiWaBe 2.0-Befragung von 2024 nutzen rund 60 Prozent der befragten Beschäftigten KI am Arbeitsplatz, wobei die Nutzung bei Beschäftigten mit Hochschul-, Meister- oder Technikerabschluss bei fast 80 Prozent liegt.

Eine Betriebsbefragung des Weizenbaum-Instituts aus dem Jahr 2025 ergab, dass der Anteil der Betriebe mit mindestens einer KI-Anwendung im Regelbetrieb von rund 50 Prozent im Jahr 2024 auf 62 Prozent im Jahr 2025 gestiegen ist. Während drei Viertel der Manager dort Produktivitätsgewinne erwarten, beabsichtigen 40 Prozent der Betriebe, durch KI Personal zu ersetzen.

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